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Akira Kurosawa - RAN Studiocanal Collection BluRay
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Kurosawa, Akira:
RAN Studiocanal
Collection BluRay

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(Bücher frei Haus)

Drei Söhne, ein Vater. Der Älteste soll alles bekommen, weil er der älteste Sohn ist und der Vater will endlich in den wohlverdienten Ruhestand eintreten. Aber die drei Söhne Taro, Jiro, und Saburo sind sich nicht einig und der Jüngste widersetzt sich sogar offen dem Beschluss des Vaters und natürlich wird er dafür verbannt. Später wird der Großfürst Hidetora es bereuen, denn es kommt genauso wie es der Jüngste vorhersagte. Die beiden älteren Söhne erniedrigen nicht nur den Vater, sondern bekriegen sich auch gegenseitig, bis Saburo, der jüngste der drei Brüder den Vater errettet. Aber da ist es schon zu spät. Das Verhängnis hat seinen Lauf genommen. Das Schicksal war unausweichlich und es wirft Fragen auf, wie es wohl verlaufen wäre, wenn der Vater sich anders entschieden hätte und den Ehrlichen belohnt hätte, statt den Stammhalter. Die letzte Einstellung von RAN zeigt Tsurumaru, den Blinden, der auf den Ruinen der Burg seiner Familie steht und mit seinem Gehstock in die Leere des Abgrunds tastet. So wie Tsurumaru sind auch wir Blinde, die vertrauensvoll dem Untergang entgegensteuern.

Gegen das Chaos
Akira Kurosawas fast dreistündiges Epos zeigt einen japanischen King Lear, der die Sinnlosigkeit allen menschlichen Strebens ebenso darstellt wie er dessen Scheitern vor Augen führt. RAN ist vor allem auch ein Film gegen den Krieg und das Chaos (jap.: Ran) in den einen ein solcher stürzt. Denn durch den Krieg gerät die menschliche Ordnung durcheinander und oben kehrt sich nach unten, unten nach oben. Natürlich war auch der Großfürst Hidetora in seiner aktiven Zeit keineswegs ein Heiliger, er war es zum Beispiel, der Tsurumaru einst blenden ließ oder die Familie der rachsüchtigen Kaede, die Frau seiner beiden Söhne, umgebracht hatte. Kaede’s Rache ist vollkommen, denn es gelingt ihr, den ganzen Ichimonji-Clan auszulöschen und so ihre eigene Familie zu rächen, auch wenn sie sich dafür mit dem Schweiß der zwei Söhne bedecken lassen musste. Ganz in der Tradition des japanischen Nô-Theaters agieren die Schauspieler und lässt Kurosowa das Schauspiel walten. Beeindruckend sind natürlich nicht nur die Kostüme und Massenszenen (1400 Statisten), sondern auch immer wieder die Pausen, die der Regisseur dem Handeln lässt. Eine stark formalisierte Körpersprache und eine gute Tonregie lassen die Prinzipien des Nô-Theaters seltsam einprägsam und gleichzeitig stimmungsvoll erglänzen: die unterschiedlichen Fußstapfen der Figuren, der über den Holzboden schleifende Seiden-Kimono von Kaede sowie die Musik mit der klagenden Flöte Tsurumarus, den Perkussionsklängen und ihrem Verstummen machen aus RAN eine Reise in eine andere Welt und Kultur voller Ehre und Formalismen. Beeindruckend ist auch die Figur des Hofnarren Kyoami, der alles sagen darf, ohne dass es für ihn Konsequenzen hat.

Viele Extras und Booklet
Hidetora wird sogar soweit erniedrigt, dass ihm nicht einmal gewährt wird Seppuku zu begehen. Sein Sohn hat dafür gesorgt, dass sein Schwert nicht mehr in seinem Schaft ist und Hidetora im höchsten Turm seines Schlosses allein in den Flammen sitzt. Hidetora wird darauf wahnsinnig, kann sich aber mit Hilfe des Hofnarren Kyoami aus der brennenden Burg retten. Auch der letzte Getreue Tango hilft ihm und legt die Spur zu seinem treuesten und letzten Sohn Saburo, der mit dem neuen Verbündeten, Kriegsherr Fujimaki, zur Stelle ist. Das historische Vorbild zu Großfürst Hidetora Ichimonji war Mori Motonari, die Parallelen zu König Lear von Shakespeare ergaben sich dann eher zufällig, nachdem das Drehbuch sieben Jahre rumgelegen hatte und Kurosawa seinen Film „Kagemusha“ (1980) – „die Kostümprobe für Ran“ (O-Ton AK) – fertiggestellt hatte.
Extras: "A.K." – Dokumentation von Chris Marker (ca. 72 Min.), Die Samurai (ca. 53 Min.)
Akira Kurosawa – Epos und Intimität (ca. 42 Min.), Die Kunst der Samurai (ca. 41 Min.)
"Akira Kurosawa" – Ein Porträt von Catherine Cadou (ca. 14 Min.), Fotogalerie, Trailer
16-seitiges Booklet.

Akira Kurosawa
Ran
Frankreich / Japan, 1984, Drama, History, Kriegsfilm, 155 min
Mit Tatsuya Nakadai, Akira Terao, Jinpachi Nez, Daisuke Ryu
222 Minuten Bonusmaterial inklusive fünf Dokumentationen, einer Fotogalerie und einem informativen 16-seitigen Booklet ergänzt.

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2016-08-01)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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