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Michael Lüders - Never say anything
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Lüders, Michael - Never say anything bestellen
Lüders, Michael:
Never say anything

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(Bücher frei Haus)

Michael Lüders ist den Zuschauern vor allem des ZDF seit vielen Jahren als immer wiederkehrender Kommentator und Analyst zum Thema Terrorismus bekannt. Seine sachlichen Stellungnahmen und seine politische Unabhängigkeit habe ich seitdem immer geschätzt.

Was er dort im öffentlich-rechtlichen Fernsehen offenbar weniger einbringen kann, nämlich eine kritische Analyse des unkontrollierten Treibens westlicher Geheimdienste und vor allem der versteckten Drohnenkriege, die seit Obamas Amtsantritt noch zugenommen haben, das hat er nun in einer zwar fiktiven, dennoch aber sehr realistischen Handlung in einen Thriller gepackt, der sich spannend liest und einem über die Hintergründe so mancher politischen Strategie die Augen öffnet.

Protagonistin des Romans ist die deutsche Journalistin Sophie Schelling, die für ein linksliberales Berliner Blatt arbeitet. Für einen neuen Bericht hat sie recherchiert, dass es irgendwo im Hinterland von Marokko einen Mann und Künstler gibt, der an einer Himmelstreppe baut, einer freistehenden Treppe, die weit nach oben führt.

In Marokko trifft sie auf Hassan, der dort für ein anderes, kritisches Magazin arbeitet und sichert sich seine Unterstützung. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach dem Ort Gourrama. Warnungen, dort gäbe es die Gefahr von Anschlägen von Al-Khaida, schlagen sie nach kurzem Zögern in den Wind.

Die beiden nähern sich zaghaft aneinander an, doch bevor ihre Freundschaft enger werden kann, werden sie Opfer eines furchtbaren Angriffs auf den Ort. Er wurde, nicht wie später behauptet, von Al-Khaida Kämpfern durchgeführt, sondern von amerikanischen Drohnen und Blackwater - Söldnern im Auftrag der USA. Hassan wird zerfetzt, doch Sophie überlebt wie durch ein Wunder. Von Dorfbewohnern gesund gepflegt, kehrt sie nach Berlin zurück und will dort ihren Chefredakteur überzeugen, über all das, was sie dort gesehen und auch mit Fotos dokumentiert hat, in mehreren Artikeln zu berichten. Man glaubt ihr nicht, hat wahrscheinlich auch Angst vor den politischen Folgen für die Zeitung, und so entscheidet sich Sophie mutig, ihre Recherchen wie ein whistleblower ins Internet zu stellen. Mit sehr gefährlichen Folgen….

Einen anderen whistleblower auf der anderen Seite des Atlantiks, Marc Lindsay, dessen Geschichte Michael Lüders parallel zu Sophies Geschichte erzählt und sie erst im Verlauf des Buches mit Sophies Geschichte zusammenbringt, kostet sein Engagement schon bald das Leben.

Auch Sophie gerät bald unter Druck. Amerikanische Geheimdienste sperren ihr Konto, manipulieren ihren Wagen, bedrohen ihr Leben. Auf der einen Seite will sie die Wahrheit um jeden Preis ans Licht bringen, auf der anderen sehnt sich nach ihrem früheren Leben zurück.

Michael Lüders weiß, wovon er schreibt, er hat es in zahllosen Sachbüchern kompetent nachgewiesen. Hier aber er lässt seinen Leser im Unklaren, wieviel von dem, was er in seinem Thriller verarbeitet hat, auf tatsächlichen Gegebenheiten beruht und wo die literarische Fiktion beginnt.

Doch dem Leser beginnt, während er voller Spannung die Seiten dieses Buches regelrecht verschlingt, zu dämmern, dass es hinter den offiziellen Verlautbarungen und Nachrichten eine Welt gibt, die nach eigenen Interessen handelt. Für die der Kampf gegen den Terror nur die Maske ist, hinter der sich andere Interessen verstecken, und die auch vor massiven Opferzahlen bei der Zivilbevölkerung bei ihren Aktionen nicht zurückschrecken.

Jeremy Scahill hat schon 2008 in seinem immer noch lesenswerten Buch „Blackwater“ den Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt beschrieben. In einer Rezension nannte ich es „ein lesenswertes, gut recherchiertes Buch über die Zukunft des Krieges, die längst schon in vielen Teilen der Welt begonnen hat.“

Mittlerweile ist es Alltag geworden und die Öffentlichkeit wird darüber weiter in medialer Unkenntnis gehalten.

Michael Lüders Roman jedenfalls ist neben einer klassischen und guten Thrillerlektüre auch ein eminent politisches Buch.

Michael Lüders, Never say anything, C.H.Beck 2016, ISBN 978-3-406-68892-8

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2016-03-02)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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