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John Lydon - Anger is an Energy. Mein Leben unzensiert
Buchinformation
Lydon, John - Anger is an Energy. Mein Leben unzensiert bestellen
Lydon, John:
Anger is an Energy. Mein
Leben unzensiert

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(Bücher frei Haus)

Dass John Lydon aka Johnny Rotten ein arrogantes Arschloch ist, haben viele vielleicht schon gewusst, aber nicht, dass er ein so sympathisches, charmantes und unwiderstehliches arrogantes Arschloch ist. Mit seiner 655 Seiten starken Autobiographie macht er sich nicht nur über seine eigene Geschichte als Frontman der Sex Pistols und Gründer von Public Image Limited her, sondern zeigt sich auch von seiner liebevollen Seite, etwa wenn er das Buch seiner Lebensliebe Nora widmet oder über seine Mutter ein paar nette Worte verliert. Übrigens widmet er nur ca. 250 von 655 Seiten seiner Autobiographie dem Sex Pistols Kapitel, obwohl sie natürlich immer wieder durchdringen.

Held aus der Gosse
„Ich habe die Musikwelt gleich zweimal revolutioniert“, heißt es schon auf den ersten Seiten im Vorwort und bald darauf empfindet man als Leser eine Menge Mitgefühl für den jungen John, der an Meningitis erkrankt war und mit Lumbalpunktion behandelt wurde, was auch seine gebeugte Haltung und seine stieren Blick erklärt. Die Meningitis sei von den Ratten gekommen, denn Lydon wuchs in tatsächlich ärmlichen Verhältnissen auf, die hygienischen Bedingungen in der Wohnung in London können nicht anders beschrieben werden als es Lydon auch unprätentiös tut: „Ich komme aus der Gosse.“ Sein Leben bezeichnet er als „permanente Auseinandersetzung mit sich selbst“, da er selbst sein schärfster Kritiker sei. Bis heute übrigens wird ihm schwindlig, wenn er sich ganz gerade hinstellt, da die Wirbelsäule sich durch das Absaugen der Spinalflüssigkeit verkrümmt hat.

“Hate“ ...Pink Floyd and more
Sein Hass auf die Gesellschaft richtet sich in späteren Jahren dann auf seinen ursprünglichen Mentor Malcolm McLaren, der sich gerne als Manager der Sex Pistols aufspielte und diese eigentlich ja nur erfunden hatte, um die Kleider seines „Sex“ bezeichneten Shops in der Londoner King’s Road besser zu verkaufen. Was im Sommer 1976 dort passieren sollte, schrieb unweigerlich Geschichte, denn nicht nur war es der heißeste Sommer Englands mit plus 35 Grad, sondern auch die Geburtsstunde des Punk. Aber auch der „Truthahn“ Vivienne Westwood bekommt sein Fett weg und John Lydon beweist an vielen Stellen seiner Autobiographie sehr viel Humor, aber auch Selbstironie. Und wer sich selbst sein schlimmster Feind, der darf dann natürlich mit umso mehr Verve über die anderen herziehen, und das tut John Lydon nicht nur über McLaren und Westwood, sondern auch über seine eigenen Bandkollegen oder auch die Mitstreiter von The Clash, die das absahnten, was die Sex Pistols gestreut hatten.

Lernen, lernen, lernen...
Scharfe Worte findet Lydon auch für den weit verbreiteten Heroinkonsum in seiner Branche: „Du machst dich selbst gegenstandslos. All diene Aufmerksamkeit dreht sich rund um die Uhr um den nächsten Druck. Das klingt noch anstrengender als eine Acht-Stunden-Arbeitstag.“ Und genau dem wollten die Punks und zuvor die Hippies doch entkommen. „Der Typ war so von oben herab, dass er bei mir gleich unten durch war“ und andere Satzperlen schüttet Lydon aus dem Ärmel und man muss ihn schon mal live in Interviews gehört haben, um sich seinen Sprachduktus beim Lesen anzupassen. Denn für ihn kommt es bei den Worten auch auf ihre Betonung an. „Sie waren unfähig zu lernen“, schreibt Rotten über Sham69, „oder an einer Sache zu wachsen oder irgendwie in die Zukunft zu blicken“ und genau das kann man dem Gründer von PiL nun wirklich nicht vorwerfen. Als er 1986 sein „Album“ betitelte LP herausbrachte, atmeten alle auf, die ihm diesen Erfolg gönnten. John Lydon hatte ihn mehr als verdient. Anger IS an Energy!

John Lydon
Mit Andrew Perry
Anger is an Energy. Mein Leben unzensiert.
Aus dem Englischen von Clara Drechsler, Harald Hellmann und Werner Schmitz
Wilhelm Heyne Verlag Reihe Hardcore
655 Seiten

[*] Diese Rezension schrieb: jürgen Weber (2016-03-05)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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