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Kristof Magnusson - Arztroman
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Magnusson, Kristof - Arztroman bestellen
Magnusson, Kristof:
Arztroman

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(Bücher frei Haus)

Sein Roman „Das war ich nicht“, den er 2010 im Milieu der Finanzwirtschaft ansiedelte, überzeugte damals nicht nur die Kritik, sondern eine große Zahl von Lesern. Schon damals überzeugte Kristof Magnusson, der sich auch als Übersetzer einen Namen gemacht hat durch eine genaue Recherche des Gebiets, in dem er seinen Roman ansiedelte. Dort war es die genaue Beschreibung einer spekulativen Arbeit, die seine Hauptperson in den Ruin zu treiben droht, die zu einer gelungenen Mischung führte zwischen Finanzkrimi, Komödie und Alltagswelt.

Hier nun in seinem neuen Roman ist es der Alltag und die Praxis einer Notärztin, die er mit Akribie recherchiert hat und sehr überzeugend und übrigens auch lehrreich für den Leser beschreibt.

Seine sympathische Hauptfigur heißt Anita Cornelius. Sie arbeitet als Notärztin in einer großen Berliner Klinik, in der sie vor langer Zeit zusammen mit ihren Mann Adrian nach dem Studium angefangen hat. Zunächst im stationären Dienst, übernahm Anita immer mehr Notdienste, bevor sie dann schließlich nur noch als Notärztin sic einsetzen lässt. Anita liebt ihren Beruf. Sie findet Freude daran, anderen zu helfen, zur rechten Zeit das Richtige zu tun und die Zusammenarbeit mit dem homosexuellen Maik im NAW genießt sie sehr. Anderen helfen und manchmal auch außerhalb der Regel einem armen Schlucker etwas Gutes tun – das macht sie zufrieden.

Von ihrem Mann Adrian ist sie getrennt und der gemeinsame vierzehnjährige Sohn Lukas lebt seit dieser Zeit bei seinem Vater und dessen Freundin Heidi. Auch in ihrer eigenen Wohnung hat Lukas ein eingerichtetes Zimmer, doch immer seltener hält er sich dort auf.

Zwischen den detaillierten Schilderungen der auch medizinischen Details vieler Einsätze, spürt man bald, dass im Leben von Anita Cornelius so etwas wie Veränderung in der Luft liegt. Es ist nicht nur Lukas, der sich ihr entfremdet, auch weil, er die flotten Sprüche von Heidi nachplappert, die Armen und Kranken seien selbst an ihrem Schicksal schuld, es ist auch ihr eigenes Leben, das an Grenzen zu stoßen scheint. Nicht eben selten in diesem Alter und einer solchen privaten Konstellation.

Sie verdrängt das, hangelt sich von einem Einsatz zum nächsten und fürchtet freie Tage wie der Teufel das Weihwasser. Doch als sie eines Tages in der Toilette der Klinik ihren Ex-Mann Adrian zugedröhnt mit einem Narkosemittel findet, kommt Beschleunigung in ihr Leben und Wahrheit. Sie spürt, dass sie nicht länger verdrängen kann, was sie sich immer als gelingendes patchwork schön geredet hat.

Auch ihre zarte Liebesbeziehung zu dem Bootsbauer Rio bekommt Dellen und sie weiß nicht, wie ihr Leben weitergehen soll zumal auch Maik nach langer Zeit zu fremdeln beginnt, weil Anita sein Vertrauen und seine Loyalität über die Maßen strapaziert hat.

Wie ein Symbol ist daher ihr erster ambulant in der Wohnung eines Mannes durchgeführte Luftröhrenschnitt (von Magnusson im Detail beschrieben), der nicht nur dem Mann das Leben rettet, sondern ihr auf wundersame Weise selbst wieder zu Lebensatem verhilft….

In „Arztroman“ erzählt Magnusson gekonnt und mit großem Detailwissen nicht nur von dem Alltag einer Notärztin, sondern auch von einer Frau in einer Lebenskrise, die lernt, nicht nur anderen zu helfen, sondern auch sich selbst.

Ein guter, unterhaltsamer Roman, der nie an der Oberfläche bleibt, gut recherchiert und mit Witz geschrieben.

Kristof Magnusson, Arztroman, Kunstmann 2014, ISBN 978-3-88897-966-8

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2014-10-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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