Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Andreas Maier - Der Kreis
Buchinformation
Maier, Andreas - Der Kreis bestellen
Maier, Andreas:
Der Kreis

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Mit dem vorliegenden fünften Band seines autobiographischen Romanprojekts „Ortsumgehung“ ist der in Friedberg in der Wetteraus geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier nicht nur fast in der Hälfte des auf angeblich elf Bände angelegten Werkes angekommen, sondern in dem Roman „Der Kreis“ vollzieht sich auch eine Art Wende, die Geburt eines Künstlers und einer Idee von der Welt und seiner Aufgabe in ihr.

Inspiriert von Thomas Bernhard, über den er auch promovierte, entwickelte Andreas Maier schon in den Bänden „Das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“, „Der Ort“ seit 2010 von Buch zu Buch das autobiographische Erzählen als Kunstform und erweitere sukzessive sein Beobachtungsspektrum. Quasi wie in konzentrischen Kreise erzählt er immer wieder von seiner Kindheit und Jugend und setzt mit jedem Buch immer wieder neu an, bezieht sich auf Bekanntes, fügt Neues hinzu und begleitet als erwachsener Intellektueller mit großem Einfühlungsvermögen sich selbst als Kind und Jugendlicher auf dem Weg in die Welt und ins künstlerische, ästhetische und politische Bewusstsein.

In „Der Kreis“, folgerichtige Erweiterung des Lebensradiusses nach dem Ort, fängt Maier wie noch einmal von vorne an und gibt dem Titel neben der geographischen Einordnung der Handlung noch eine weitere Bedeutung: „Ein Kreis ist ein Kreis, weil das Ende in den Anfang mündet und damit verschwindet. Der Kreis hat kein Vorne und kein Hinten, und wenn man ihn als Band zur Möbiusschleife bindet auch kein Innen und Außen.“

Unterteilt in die Kapitel: Grundschule, Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe geht er zunächst noch einmal weit zurück in die Kindheit und erzählt neben schon Bekanntem vorzugsweise von der Wahrnehmung und der Anziehung des Kindes, die das Bücherzimmer der Mutter, ihr rastloses Schreiben und die vielen Bücher ausübten.

Die vier Teile entsprechen nicht nur verschiedenen Altersstufen, sondern sie beschreiben auch verschiedene Kunstbereiche, denen sich der Heranwachsende nähert: Philosophie, Musik, Theater, Literatur.

Aus dem Blick des Erwachsenen beschreibt er, was dem kindlichen Ich damals noch unverständlich war und kann sich umso tiefer darin versenken. In der Lektüre der Mutter (neben den Werken des Friedbergers Fritz Usinger auch Hans Küng und Hoimar von Ditfurth), in ihren Versuchen am Klavier (Bach) „umwehen“ schon das Kind Sphären, die es anziehen.
Als er als Dreizehnjähriger sein erstes großes Konzert erlebt, erfährt er, was diese laute Musik bewirkt. Die Beschreibung eines Konzertes 1980 in der Frankfurter Festhalle ist große sprachliche Kunst, genauso wie die Schilderung einer Theateraufführung an seiner Schule, bei der drei ältere Friedberger Schüler (Thomas Heinze, Rene Pollesch und Matthias Herrmann) ihm einen Eindruck davon geben, was künstlerische Identität sein könnte. Hier an dieser Stelle, das ist spürbar, wird der spätere Künstler Andreas Maier geboren, als der er, da bin ich sicher, die zweite Hälfte seiner „Ortsumgehung“ erzählen wird.

Andreas Maiers Zyklus ist ein beeindruckendes Erinnerungsprojekt und bis jetzt ein wertvolles literarisches Zeugnis dessen, was Kindheit und Erwachsenwerden bedeuten können.

Es sind immer mehr Leser, die jedes Jahr auf den nächsten schmalen Band warten von dem ich nicht weiß, ob er vielleicht nicht schon längst geschrieben ist. An einer Stelle in „Der Kreis“ bezeichnet sich der 1967 geborene Maier als Vierzigjährig. Das würde ja bedeuten, dass das Buch schon seit zehn Jahren fertig ist.

Wie dem auch sei, dieser fünfte Band hat auch dem letzten Skeptiker gezeigt, dass Andreas Maier ein großer Künstler und Schriftsteller ist.

Andreas Maier, Der Kreis, Suhrkamp 2016, ISBN 978-3-518-42547-3

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2016-08-16)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Andreas Maier ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Und damit fing es anRose , Tremain:
Und damit fing es an
Der neue Roman der englischen Schriftstellerin Rose Tremain erzählt die Geschichte von Gustav Perle, seiner Mutter Emilie und seinem lebenslangen jüdischen Freund Anton Zwiebel. Es ist eine bewegende Geschichte, eingebettet in das Leben in einem Schweizer Dorf von den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts bis zu seinem Ende 2002. Eine [...]

-> Rezension lesen


 Schnell, dein LebenSchenk, Sylvie:
Schnell, dein Leben
Als ich während der Lektüre dieses Romans über die mir bis dahin unbekannte Autorin zu recherchieren begann und feststellte, dass „Schnell, dein Leben“ mitnichten ein literarisches Debüt ist, wie ich zunächst annahm, bedauerte ich es bald sehr, diese wunderbare Schriftstellerin nicht schon früher entdeckt zu haben. Acht Bücher [...]

-> Rezension lesen


KZ überlebtHanke, Stefan:
KZ überlebt
Schon als Kind begann sich der 1961 in Regensburg geborene Stefan Hanke nicht nur für die Fotografie, sondern auch für die Zeit des Nationalsozialismus und seine Vernichtungslager zu interessieren. Der Spruch der Älteren: „Pass auf, sonst kommst du mich nach Dachau!“, deren kaltes Schweigen, mit dem sie dann seine Nachfragen [...]

-> Rezension lesen


 Die schwedischen GummistiefelMankell, Henning:
Die schwedischen Gummistiefel
Im Jahr 2007 veröffentlichte der mittlerweile verstorbene schwedische Schriftsteller Henning Mankell ein nachdenkliches, stellenweise schwermütiges, aber absolut ehrliches Buch mit dem Titel „Die italienischen Schuhe“ und zeigte mit ihm und anderen, die in diesem Zeitraum nach dem endgültigen Abschluss seiner Wallander-Reihe [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.019007 sek.