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Rezensionen


 
Milo Manara - Bergmann - Zu schaun die Sterne
Buchinformation
Manara, Milo - Bergmann - Zu schaun die Sterne bestellen
Manara, Milo:
Bergmann - Zu schaun die
Sterne

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(Bücher frei Haus)

„Na klar, was bin ich für ein Trottel! Logisch, Cinecittà! Das ist der einzige Ort, wo man in Rom die Hölle finden kann!“ Giuseppe Bergman hat es dieses Mal (wieder) mit einer Exhibitionistin zu tun, die ihm von einem an Aids sterbenden Fremden anvertraut wird. „Sie ist nicht völlig verrückt, nur ein wenig durchgeknallt“, meint er noch vor seinem letzten Atemzug, denn die Kunststudentin hat die Angewohnheit, sich immer in die Szene hineinzuversetzen, deren Seite sie in ihrem Kunstbuch gerade aufgeschlagen hat.

“Kommst du mit ins Spielzeugland?“
Schon die erste Frage, die die unbekannte Schöne an Giuseppe richtet ist Kult und sowohl im italienischen Original als auch auf Deutsch durchaus zitierfähig und voll ambivalenter Raffinesse. Milo Manara, der in der ersten Geschichte der Werkausgabe 10 des Panini Verlages durchaus auch ernsthafte Probleme der modernen Industriegesellschaft anspricht und enttabuisiert (Aids, Prostitution, Drogenmissbrauch, Ausbeutung), hat mit seinem Giuseppe Bergman eine tragikomische Figur geschaffen. Denn dieser Giuseppe hat alsbald alle Hände voll zu tun, das Schlimmste zu verhindern, denn wer die Kunstgeschichte kennt, weiß, dass dort allerhand nackte Frauen vorkommen und natürlich will der Gentleman Giuseppe es verhindern, dass die unbekannte Schöne sich in aller Öffentlichkeit nackt zeigt. Sie weiß nicht wer sie ist und muss sich deshalb immer in die Figuren verwandeln, die sie auf den Gemälden in ihrem Kunstbuch sieht, was manchmal auch ganz schön gefährlich werden kann, man denke nur an den „Tod der Ophelia“ von Millais oder wenn sie durch ihre Entblößungen Verkehrsunfälle auslöst.

“wofür es sich zu leben lohnt“
Als Giuseppe die Schöne einmal aus den Augen verliert, findet er das Buch auf dem die Seite mit Illustrationen zu Dante’s Inferno aufgeschlagen ist. So weiß er, dass er sie in Cinecittà – dem italienischen Hollywood – suchen muss, denn nur dort kann man in Rom die Hölle finden. In Manaras Geschichte tauchen aber auch Picasso und Hugo Pratt, Federico Fellini u.a. auf und so wird „Zu schaun die Sterne“ zu einer Hommage an die Kunstgeschichte, denn der Leser lernt einiges über Malerei, Film und Literatur. Witzig ist auch der Einfall, ein Feld weiß zu lassen, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, die unbekannte Schöne zurückzuholen. Als sie nämlich in das Bild „Toteninsel“ von Böcklin schlüpft, muss sie beinahe sterben, es sei denn der Leser zeichnet in den weißen Rahmen das, „wofür es sich zu leben lohnt“.

Kreuzfahrten ins Paradies
In der zweiten Geschichte im Band 10 der Werkausgabe mit dem Titel „Die Odyssee des Giuseppe Bergmann“ erzählt Manara mit Motiven der Ilias von Homer die Odyssee des Odysseus nach (Odyssee und Illias sowie Aeneis werden Homer zugeschrieben). Es kommen also sowohl die Sirenen, Seeungeheuer, Helios’ Rinder, Kalypso, Kirke als auch alle anderen Figuren der Epen Homers vor, während Giuseppe Bergman mit einem weiblichen Skipper auf einem Segelboot durch die Meere kreuzt und sich die Geschichten Homers und in der Realität in den Vorstellungen der beiden überkreuzen. Denn gerade das macht Milo Manara so viel Vergnügen: das Unmögliche mit dem Möglichen zu paaren, die Vergangenheit mit der Gegenwart, die Hölle mit dem Paradies.

Milo Manara Werkausgabe 10
„Die Reisen des Giuseppe Bergmann - Zu schaun die Sterne -Die Odyssee des Giuseppe Bergmann“
140 Seiten
Hardcover
www.paninicomics.de

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-04-18)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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