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Rezensionen


 
Milo Manara - Click! Außer Kontrolle Werkausgabe 11
Buchinformation
Manara, Milo - Click! Außer Kontrolle Werkausgabe 11 bestellen
Manara, Milo:
Click! Außer Kontrolle
Werkausgabe 11

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(Bücher frei Haus)

„Wenn Sie nicht so umweltbewusst wären, könnten Sie sich jetzt in ein Auto setzen, anstatt mit dem Fahrrad durch die ganze Stadt zu fahren und allen ihren Arsch zu zeigen“, hänselt der Mann namens „Faust“ - aber nicht der von Goethe – die Journalistin Claudia Christiani, die Hauptdarstellerin von „Il Gioco 1 – 2“, wie die vorliegende Publikation im italienischen Original heißt. Der deutsche Titel „Click! - Außer Kontrolle“ geht auf die geplante Verfilmung der Comicvorlage durch Bob Rafelson („Der Postbote klingelt immer zweimal“, „Verlorene Träume“, et al) zurück, die dann leider doch nicht realisiert wurde. Als Jean-Louis Richard schließlich übernahm, war für Manara die Luft schon draußen und er kommentierte den missglückten französischen Film mit den Worten: „Vielleicht hatte Maupassant recht, wenn er sagte, dass die Franzosen Italiener mit schlechter Laune sind.“

Erotik als Konsumprodukt?
Umso besser ist dafür die Reporterin im Comic gelaunt, die durch einen fernbetriebenen Chip im Gehirn vom Assistenten eines Erfinders einer geheimen Manipulationsmaschine ferngesteuert wird. Die von Manara als Kritik an der Konsumwelt der modernen Technologien schon in den 80ern thematisierte Technikgläubigkeit, hat auch 30 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Denn auch heute glauben besonders junge Menschen an die stete Verfügbarkeit jedweder Waren und Konsumprodukte und deren Erschließbarkeit durch die Technik. Selbst Erotik wird als Konsumprodukt bewertet, dabei ist gerade der industrielle Aspekt von Erotik eigentlich Pornographie, wie Manara passenderweise Woody Allen zitiert.

Click und De-Klick?
„Le declic“, wie „Il Gioco“ (Das Spiel) in der französischen Übersetzung des Comics durch Albin Michel genannt wurde, spielt vielleicht genau auf diesen Umstand an, dass es für einen Click eben auch einen entsprechenden De-Click geben müsste, und der besteht wiederum in den Wünschen und Träumen des Betrachters. Wenn „Faust“ in „Il Gioco 2“ die Rolle des verliebten Assistenten von „Il Gioco 1“ übernimmt, tut er dies mit weit weniger Leidenschaft als ersterer. Faust will vor allem die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse, während der Assistent aus Teil 1 vielmehr aus verletzter, enttäuschter Liebe handelt. So wird Faust zum Repräsentanten einer egoistischen, von niederen Motiven geleiteten voyeuristischen Egoismus, der Claudia schlussendlich sogar mehr anspricht, als der Assistent. Aber er sieht auch eher wie James Dean aus, während der Assistent eher einem alternden Charles Bukowski ähnelt.

Ein erotischer Familienspaß?
„Click! - Außer Kontrolle“ wurde vom Panini Comics Verlag - nachdem es lange vergriffen war - nun endlich neu aufgelegt und zeigt die Hauptprotagonistin Claudia Christiani vorerst als eine ebenso attraktive wie leidenschaftslose Frau, die von ihrem Ehemann abgöttisch geliebt wird. Erst als es „Click“ macht entfesseln sich ihre Leidenschaften, zuerst in der Umkleidekabine in einem Einkaufszentrum, dann bei einem Empfang und schließlich sogar vor laufender Kamera oder auf der Herrentoilette ihres eigenen Fernsehstudios. Aber nur diejenigen, die die Maschine bedienen, wissen um ihr furchtbares Geheimnis, doch bald wird es auch ihr Ehemann herausfinden und Claudias Onkel wartet schon mit gezogenem Gürtel. Milo Manara zeigt im 11. Band der Werkausgabe erneut die Schamgrenze zwischen Erotik und Pornographie und nimmt nicht nur auf „Belle de Jour“ Bezug, sondern auch auf „Barbarella“, Bunuel und Crepax. Ein erotischer Familienspaß!

Milo MANARA
WERKAUSGABE BAND 11: CLICK! AUSSER KONTROLLE
148 Seiten

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-05-31)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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