Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Milo Manara - Borgia - Manara Werkausgabe Nr. 15
Buchinformation
Manara, Milo - Borgia - Manara Werkausgabe Nr. 15 bestellen
Manara, Milo:
Borgia - Manara
Werkausgabe Nr. 15

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

„Ad gloriam dei et suae ecclesiae!“ (Zur Ehre Gottes und seiner Kirche), war ein Schlachtruf in den Zeiten der Renaissance, der nicht nur der Einheit der Kirche und Gottes Ehre galt, sondern auch der Einigung Italiens unter der Herrschaft des Papstes resp. der Borgia, die durch Intrige und Ablasshandel an die Macht gekommen waren und diese mit denselben Mitteln auch innig verteidigten. Dabei war dem Papst Alexander VI. – Rodrigo Borgia (1431-1503) – der 15 Kardinäle schmieren und bedrohen musste, damit endlich wieder weißer Rauch über dem Vatikan aufstieg und alle voller Freude „Habemus papam!“ exklamieren konnten, tatsächlich jedes Mittel recht. Rom war damals ein wahrer Sündenpfuhl und der neue Papst sicherte seine Herrschaft auf eine besonders gemeine und grausame Art und Weise, indem er Märtyrer schuf oder seinen eigenen Sohn Cesare zum Kardinal machte und diesen dann mit seiner Tochter zum Beischlaf zwang. Damit nicht genug tötete Cesare auch noch seinen eigenen Bruder, um seinen Machtanspruch zu sichern und führte als Feldherr Kriege, obwohl dies einem Kardinal offizielle verboten war. Mit Hilfe der Ideen Machiavellis (1469-1527) konnte Cesare sein eigenes Machtrefugium noch ausbauen und hätte wohl auch seinen eigenen Vater Rodrigo gestürzt, wäre ihm nicht doch noch wer anderer zuvorgekommen. Cesare galt als jung, schön und athletisch, aber auch sein Gesicht wurde bald durch die Syphilis – die französische Krankheit wie sie damals hieß – entstellt und die Bevölkerung Roms traf die Strafe Gottes in Form der Pest.

“Fegefeuer der Eitelkeiten“
Auch wenn nicht alle historischen Einzelheiten dieser ekstatischen Geschichte stimmen mögen, ist das Sittenbild einer Zeit am Beginn der Neuzeit sehr atmosphärisch dicht gelungen. Die gewagten Sexszenen, die Manaras Kunst auszeichnen, werden auch in „Borgia“ nicht ausgelassen und hinzukommen noch besonders blutrünstige Folter- und Bestrafungsmethoden, die in allen Einzelheiten gezeigt werden. Auf diese Weise ist der Comic also sicher sehr nahe an der damaligen Realität dran, das gibt auch Manara in einem in diesem Band abgedruckten Interview dem Leser mit auf den steinigen Weg zur Erkenntnis. Manara zeichnet aber auch die Kriegsmaschinen Leonardo da Vincis (1452-1519) oder die aufrührerischen Predigten Girolamo Savonarolas (1452-1498), der vor dem Untergang der Christenheit und dem verfehlten Leben des Papstes drohend warnte und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Zuvor hatte Savonarola den guten Christenmenschen empfohlen, ihr Hab und Gut, das sie nicht benötigten, dem „Fegefeuer der Eitelkeiten“ zu übergeben. Auch Sandro Botticelli (1445-1510) soll diesem Fegefeuer eines seiner Werke überantwortet haben, was laut Manara auch eine historisch verbürgte Tatsache sei. „Überflüssige Waren und eitler Tand“ wurden dem Feuer übergeben, um dem Papst ein Leben in Bescheidenheit anzuempfehlen, indessen herrschte in den Palästen des irdischen und himmlischen Herrn und großen Brückenbauers das reinste Babylon und nicht nur Savonarola sehnte das Ende dieser grausamen Herrschaft der Intrige, des Neides und Inzests herbei.

“Vanitas vanitatum et omnia vanitas“
Der chilenische Tausendsassa Jodorowsky und der italienische Starcomiczeichner Manara legen in dieser kongenialen Koproduktion über die historisch verbürgte Herrscherfamilie Borgia ein ganz besonderes Gesamtkunstwerk vor, das in triefend purpurnes Blut getaucht ist und eine Ära der Dekadenz, Korruption und der uneingeschränkten Macht des Glaubens neu vor einem erstehen lässt. Meisterhaft und in den schönsten Farben wird die Geschichte erzählt und mit historischen Versatzstücken bestückt, die einen immer wieder verblüffen lassen. Allein die Existenz des „sedes stercoraria“ gibt schon sehr viel über eine Epoche preis, die wohl nichts an irdischen Lastern ausgelassen hatte. Der Aberglaube war dabei ein willkommener Verbündeter, den sich auch Rodrigo Borgia erfolgreich zunutze machen konnte. „Vanitas vanitatum et omnia vanitas“ heißt es am Ende dieser aufregenden Graphic Novel, die nicht nur zeigt, dass alle Eitelkeit zu immer noch mehr Eitelkeit führt und des Menschen Tod bedeutet. Girolamo Savonarola hatte wohl doch Recht.

Milo Manara/Alejandro Jodorowsky
Panini Comics, 220 Seiten, Hardcover
Manara Werkausgabe Nr. 15

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-04-22)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Milo Manara ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


The Rambler - Highway to HellReeder, Calvin:
The Rambler - Highway to Hell
Untergründige Töne, Bildstörungen und Lichtzeichen geben „The Rambler“ gewisse Insignien eines David Lynch Films, auch die Atmosphäre ist sehr düster und dunkel. Der Protagonist – ein Herumtreiber, den es ohne bestimmtes Ziel von hier nach da verschlägt – ist allerdings eine Reinkarnation eines Westercowboyhelden mit [...]

-> Rezension lesen


 Charley Varrick: Der große CoupSiegel, Don:
Charley Varrick: Der große Coup
Den beiden Ganoven Harman Sullivan (Andrew Robinson) und Charley Varrick (Walter Matthau) gelingt der große Coup. Sie erbeuten bei einem Banküberfall in einer kleinen Provinzstadt 750.000 US-Dollar. Zudem werden wei ihrer Mitverschwörer bei dem Überfall getötet und so bleibt für beide mehr Geld von der Beute. Doch gerade diese [...]

-> Rezension lesen


Der Circle. RomanEggers, Dave:
Der Circle. Roman
Annie bringt ihre Freundin Mae in das Internet-Unternehmen „Circle“ rein und diese ist ebenso bereit den Verlust ihrer Privatsphäre für einen gesicherten Job - ähnlich wie der von Annie als ironisch bezeichneten „Manager der Zukunftssicherheit“ - zu akzeptieren wie ihre Freundin. Hip, jung und dynamisch wollen sie alle sein, [...]

-> Rezension lesen


 Hollands Deep: Photographien. Eine RetrospektiveCorbijn, Anton:
Hollands Deep: Photographien. Eine Retrospektive
Der holländische Fotograf und Regisseur Anton Corbijn arbeitet schon seit mehr als vier Dekaden an außergewöhnlichen Porträts außergewöhnlicher Menschen. Berühmt wurde er auch durch unzählige Musikvideos und Kurz- und Spielfilme. Die vorliegende Publikation des Schirmer Mosel Verlages im Jumbo-Format von 27,5 x 35cm bringt nun [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.015635 sek.