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Milo Manara - Der Duft des Unsichtbaren
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Manara, Milo:
Der Duft des
Unsichtbaren

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(Bücher frei Haus)

“Il Profumo dell´invisibile”, so der italienische Originaltitel, beinhaltet in dieser Werkausgabe zwei Geschichten, eine davon aus den 80ern, die andere aus den 90ern, des Schöpfers der wohl erotischesten Comicseiten des Genres, Milo Manara. Zusätzlich befinden sich im Anhang noch ein paar wunderschöne Illustrationen zu „Jakob“ Casanova, die beidseitig, also großformatig, abgedruckt wurden. Das Casanova-Portofolio war auf 450 signierte und nummerierte Exemplare limitiert und wird hier – dank des Panini Verlages - erstmals auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Sie zeigen den Frauenhelden Nr. 1 beim Liebesspiel mit verbundenen Augen, umringt von zwei halbnackten Schönheiten, oder gerade in dem Moment, als – ausgerechnet er – einen Brief in den Schlitz der Bocca della verità („Mund der Wahrheit“) steckt. Der „Mund der Wahrheit“ war eine Einrichtung in Venedig, um die Bürger zu quasi anonymen Denunziationen anzustiften, aber es gab wohl mehr Bürger, die über ihn Briefe schrieben, als Casanova über andere. Ein anderes „Gemälde“ zeigt ihn in einem Liebesakt im Gran Teatro della Fenice oder entzückt über den Hintern einer Gespielin vor dem Kaminfeuer eines Palastzimmers. Am Ende ein Blick auf Schloß Dux, wo Casanova seine Memoiren schrieb und 73-jährig auch verstarb.
H.G. Wells revisited: Manara gibt ihm „this certain touch“
Abgesehen von diesem künstlerisch wertvollen Casanova-Portofolio soll hier aber auch auf die beiden Geschichten und das einführende Vorwort eingegangen werden. Die Idee zu „Der Duft des Unsichtbaren” stammt eigentlich von einer Geschichte von H.G. Wells, der schon mit “Die Zeitmaschine”, “Die Insel des Dr. Moreau“ und „Krieg der Welten“ so manche Kollegen stark beeinflußt hat. Letztere Geschichte wurde z. B. von Orson Welles fürs Radio adaptiert und löste in den USA eine wahre Katastrophe aus, die zu großen Tumulten führte. Ähnlich könnte es sich nun auch mit der Adaption von H.G. Wells Geschichte „Der unsichtbare Mann“ durch Milo Manara verhalten, denn der Comic-Artist entwickelt eine erotische Phantasie, die so manche Straßenkreuzung ins Chaos stürtzen könnte. Der Doktor aus Teil 2 der Geschichte schmiert seine ihn erpressende weibliche „Terroristin“ zwar mit einer Creme ein, doch macht diese sie nicht unsichtbar und so geht sie – guten Glaubens – splitternackt auf die Straße, um ihre Unsichtbarkeit zu testen, was dann tatsächlich zu dem eben beschriebenen Verkehrschaos führt. Die brünette „Terroristin“ Bruna will sich nämlich mit Hilfe der Unsichtbarkeitscreme bereichern, aber der Doktor will das Geheimnis nicht verraten, weil er weiß, dass mit ihr viel Schindluder getrieben werden könnte. Bruna gelingt es dennoch sich, einen Chauffeur mit Champagnerkühlschrank in einer Limousine zu ergaunern und ihr Leben richtig zu genießen. Aber zuvor muss sie sich noch gegen Bankräuber, Terroristen und anderes Geschmeiß zur Wehr setzen. Und das tut sie, mit vollem Körpereinsatz, sogar!
Die Dreifaltigkeit von Honey, Bruna und Beatrice
Während „Bruna“ eher die aufstrebende egoistische Unternehmerin der 90er verkörpert, die weiß was und wie sie es will, ist „Honey“ aus der ersten Geschichte eher etwas unbedarft und naiv. Sie läßt es sich gefallen, von dem unsichtbaren Mann angegrabscht zu werden, der zwar immer noch unsterblich in seine Jugendliebe Beatrice (Anspielung an Dantes „Göttliche Komödie“) verliebt ist, sich aber ob Honeys körperlicher Reize dann doch nicht zurückhalten kann, zumal sich Beatrice ohnehin bereits zu einem unausstehlichen „it“-Girl des 21. Jahrhunderts entwickelt hat, noch bevor es den Ausdruck gab. Beatrice ist eine egoistische, vulgäre Person, die als Star-Tänzerin die ganze Aufmerksamkeit für sich will und andere Kollegen nur herumkommandiert. Ihren größten Auftritt soll sie dann bekommen, wenn der unsichtbare Mann ihr auf offener Bühne orale Freuden bereitet und das ganze Publikum dabei zusieht. Eine Rache also, die sich tatsächlich gewaschen hat!
Ode alla mona oder das Hohelied des unsichtbaren Mannes
Als Girl der 80er ist Honey ganz lasziv und naiv, lebt ihre Sexualität überall da aus, wo sie gerade Lust dazu hat und das hat sie eigentlich immer. Keiner will ihr glauben, dass es den unsichtbaren Mann wirklich gibt, aber jeder sieht die lüsternen Verrenkungen, die sie gerade macht, wenn er wieder in sie eindringt. Schließlich verliebt sich der unsichtbare Mann doch noch in Honey statt in Beatrice und der Leser erfährt bald auch warum sie so heißt, weil sie nämlich auch so schmeckt. „Immer wenn ich jetzt eine schöne Frau sehe, löst das Gefühle in mir aus, als ob ich den Heiland gesehen hätte“, gesteht ihr bald der unsichtbare Mann und stimmt das Hohelied auf die Mona an. Wie der venezianische Dichter Girogio Baffo es in “Ode alla mona” ausdrückt: “Cara mona, che in mezzo a do colone/Ti xe là messa, come un capitelo,/per cupola ti ga do culattone, /e ‘l bus del cul sora xe ‘l to cielo.(…) Notte e zorno ti fa miracoloni,/che l’acqua, che trà su la to fontana, /dà vita al cazzo, e spirito ai cogioni.” Die Übersetzung lasse ich hier lieber weg. Am Ende wird die ganze Geschichte von einem durch einen Sturm ausgelösten Hochwasser weggeschwemmt und Honey findet dennoch Halt an einem ganzu bestimmten Körperteil von ihrem unsichtbaren Mann, und – da Honey befürchtet ihr „Halt“ könnte durch das kalte Wasser nachgeben - lautet am Ende sein erster vermeintlich romantischer Satz „Das ist kein Problem. Ich brauche doch nur in Ihre Augen zu schauen.“ Honey, honey, always sunny in the rich girl`s hand...
Milo Manara zeichnet den weiblichen Körper in allen erdenklichen Stellungen und Positionen und hat auch genügend Humor, sich selbst zu persiflieren. Interessant ist vielleicht auch der Vergleich zwischen Honey und Bruna, wie sich sein Frauentyp innerhalb zweier Jahrzehnte verändert, obwohl natürlich Beatrice Bruna eigentlich schon vorwegnimmt. In jedem Fall entsprechen Manaras Frauen genau den männlichen Phantasien, die Milo Manara wohl wie kein anderer zu beflügeln weiß und man darf jetzt schon gespannt sein, wie die Werkausgabe weitergeht. Teil 4 erscheint noch diesen Sommer, und der wird bestimmt noch heißer!

Mílo Manara
Der Duft des Unsichtbaren
148 Seiten, HC mit zwei Original-Storys und Casanova Portofolio
2010
www.paninicomics.de
ISBN-10: 3-86607-978-8

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2010-06-12)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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