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Milo Manara - Werkausgabe 6
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Manara, Milo:
Werkausgabe 6

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(Bücher frei Haus)

„Die Menschen denken immer nur an Geld und an Macht. Anstatt Liebe und Genuss zu schenken. Dadurch werden sie einfache Götzenbilder ohne Seele. Sie sind nur Säulen aus Stein und wissen es nicht einmal. Durch die Kraft des Eros musst du diesen Stein erweichen, ihm Leben einhauchen. Du musst beweisen, dass die erotische Ekstase der kürzeste Weg zur Erleuchtung ist. Die stärkste Quelle für das Leben.“ Keine leichte Prüfung der sich Lulu hier ausgesetzt sieht, um ihre Freundin Parva aus den Fängen einer okkulten Sekte zu befreien. Einen Stein zu erweichen, das ist wahrlich eine schwere Prüfung. Und das ist noch nicht einmal die einzige Prüfung, die sie bestehen muss! Parva und Lulu sind zwei Freundinnen, die in der ersten Episode „Kamasutra“ eine leidenschaftliche Entdeckung machen, die sie weit aus ihren eigenen Gefilden hinwegtragen werden. Denn ein Gürtel, der sprechen kann und bald wie der Geist aus Aladdin`s Lampe erscheint, erfüllt den beiden Mädchen bald jeden Wunsch, den sie auf ihren Lippen tragen. Shiva, Parva`s Idol, steigt aus dem Gürtel und verheißt ihr eine heiße Vollmond-Liebesnacht im August in der er sie zur Göttin machen wird. Doch dann wird sie bald von dem wahren Besitzer des Päckchens aus dem der „Gürtel“ stammt überrascht und muss die Flucht ergreifen. Dabei wird sie nicht nur fast vergewaltigt, sondern muss auch auf ein Müllschiff fliehen, auf dem sogar die Frauen Männer sind. Schließlich strandet sie auf einer südostasiatischen Insel, wo Kali verehrt wird. Dieser Göttin fehlen ihre Insignien und Parva wird aufgrund ihres Diebstahls des Gürtels festgenommen. Nur Lulu kann sie noch retten, doch sie muss fürchterliche Prüfungen bestehen, um das Leben der Freundin zu retten. Diese Prüfungen sind alle im Kamasutra zusammengefasst und Lulu besteht die meisten davon, bis Parva endlich sich selbst befreit. „Viele sind in ihren eigenen Vorurteilen gefangen, dem Ergebnis ihrer Erziehung, die auf der Angst vor Sex basiert und ihn für schmutzig hält. Wenn sie aber den richtigen Partner treffen, erkennen sie, dass Sex die Quelle aller Freuden überhaupt ist.“ Im altindischen Kamasutra können die Frauen Hirschkalb, Fohlen-Frau oder Elefantenfrau sein, die Männer Hasen, Stiere oder Pferde. Es kommt einfach nur darauf an, die richtigen Paare zu bilden. Am Ende muss Parva das auch mit Shiva herausfinden.
„Ihr seid zwar klein“, sagt Gullivera, „aber genau solche Schweine wie die großen“. Und natürlich meint sie damit die Männer, aber diese Männer sind in Liliput so klein wie Gulliveras Daumen. Dennoch haben sie sie am Strand, an dem Gullivera angespült wurde, festgebunden und mit Pfeilen und Armbrüsten beschossen und ihr ein Schlafmittel eingeflößt, um sie auf Rollen zu ihrem Liliput-König zu transportieren. Dieser behandelt Gullivera allerdings wie einen Ehrengast und will gleich seine ganze Armee für eine Parade unter ihrem Hintern durchmarschieren lassen. Selbstverständlich verbietet er seinen Soldaten, dabei auch nur zu blinzeln resp. nach oben zu sehen. Aber einige von ihnen würden sich dafür doch zumindest ein Auge ausstechen lassen. Milo Manara nimmt mit seiner Geschichte nicht nur das Militär auf die Schippe, sondern auch deren verkappte Sexualmoral und man muss ganz besonders lachen, wenn Gullivera den Brand im Königinnenpalast höchstpersönlich löscht: es war halt kein anderes Wasser in der Nähe! Gullivera lässt sich von den Liliputanern zwar noch ein züchtiges Kleidchen schenken, doch bald zieht es sie zurück auf ihr Schiff und sie flieht zuerst in ein Land der Riesen, dann in eines mit geilen Hengsten und schließlich auf eine fliegende Insel mit schlaffen Männern. Im Land der Barbiepuppen angekommen weiß sie sich endlich wieder zuhause, denn sie sieht eigentlich selbst wie eine aus. Zumindest Manara stellt sich seine Gullivera so vor: wie eine überlebensgroße Barbiepuppe, denn sprechen tut sie eigentlich auch nicht viel mehr, jedenfalls nicht mit ihrem Mund.
Eine weitere Geschichte in vorliegendem Band beschäftigt sich mit der damals gerade erst aufkommenden Sexualisierung des Internets. Zwei Mädchen verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit Strippen und Sexspielchen vor dem Kameraauge des Internets, als plötzlich die Schwester der einen, Wanda, auftaucht und einige Verwirrung in den Alltag der beiden anderen bringt. Vlad, ein brutaler Schläger, verfolgt die Schwester und findet auch bald heraus, dass sich das „Büro“ des Dreimäderlhauses in Venedig in der Nähe des Ospedale SS Giovanni e Paolo, kurz Zanipolo, befindet und übrigens nicht bei der Kirche, wie fälschlicherweise im Text übersetzt wurde. Die drei Mädchen wissen sich jedenfalls gegen die Angriffe des Vlad zu wehren, wenn da nur nicht das Internet gewesen wäre, das alles beobachtet und aufgezeichnet hat. Aber schließlich handelt es sich doch alles um ein abgekartetes Spiel, denn bald findet sich Wandas Hinterteil in allen Gassen Venedigs an die Wände plakatiert und wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Eine weitere Geschichte, ein Portofolio mit dem Titel „L`art de la fessée“ schließt diese Nummer der Werkausgabe Manara bei Panini würdig ab und macht Appetit auf Folge 7 mit dem Titel „Die Reisen des G. Bergmann – Das große Abenteuer.“ Garantiert nicht jugendfrei, das muss man bei Milo Manara ja nicht mehr dazu sagen. Die überaus interessante Einleitung in vorliegendem Band zitiert übrigens auch die literarischen Vorbilder Manaras für diese drei Episoden: Jonathan Swift, Henry Miller und in guter Gesellschaft natürlich auch Charles Bukowski, „the dirty old man“.

MILO MANARA WERKAUSGABE
Band 6: KAMASUTRA, GULLIVERA UND ANDERE EROTISCHE GESCHICHTEN
HC mit SU, 196 Seiten, 29,95 €

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-07-03)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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