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Milo Manara - Die Reisen des G. Bergmann
Buchinformation
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Manara, Milo:
Die Reisen des G.
Bergmann

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(Bücher frei Haus)

„Schon wieder einer, der aussteigen will, fällt Euch Hippies eigentlich nichts Besseres ein? Immer nur Realitätsflucht: Kiffen, Fixen, Abenteuer!“ Dabei ist Giuseppe Bergmann alles andere als ein Hippie, er will nur endlich etwas erleben und sein Leben selbst bestimmen, frei sein. Als er neben seiner Gefährtin aufwacht und erfährt, dass er ausgewählt wurde, ein Abenteuer zu erleben, ist er Feuer und Flamme, nur seine Freundin erinnert ihn daran, seine Rechnungen zu bezahlen und an die Vorladung vor Gericht, was zu einem langen Monolog führt, in der er ihr vorwirft, ihn von den wirklich wichtigen Dingen, abhalten zu wollen. Giuseppe will auf sein Glück vertrauen und wagt die Reise nach Venedig, wo ihn sein neuer Arbeitgeber, der Produzent des Films, erwartet. Diese Reise führt ihn aber auch nach Südamerika auf den Orinoco zu den Indianern und erst als er einige Stunden später wieder auf einem Vaporetto aufwacht, merkt er, dass er alles nur geträumt hat. Wieder hat er nichts dafür getan, seine Abenteuer zu verwirklichen. Alles nur geträumt.

Hommage an H.P.
In seinem Tagtraum folgt er einem gewissen „H.P.“ und Insider wissen – auch dank des Vorworts – dass es sich bei der mythischen Figur, quasi dem Schäfer, der durch die Träume führt, um niemand Geringeren handelt als Hugo Pratt („Corto Maltese“, Venezianer). Mit diesem verbindet Manara einige andere Geschichten, die ebenfalls in der Werkausgabe von Panini erschienen sind, aber auch besonders die Geschichte um Giuseppe Bergamann, denn Pratt hatte diese für Manara beim Comicmagazin „A Suivre“ eingefädelt. Da er keine alte Geschichte neu veröffentlichten wollte, verschaffte Pratt Manara diesen Auftrag, was dann auch den unfertigen, spontanen Charakter der Geschichte erklärt. Denn Bergmann richtet sich in „Die Reisen des G. Bergmann“ immer wieder hilfesuchend an den Leser, verzerrt dabei das Gesicht zu einer Fratze oder fürchtet sich vor den Konsequenzen seiner eigenen Gedanken und Träume. Aber wer hat keine Angst vor Träumen?

Which side are you on, boy?
Die vorliegende „Graphic Novel“ spielt irgendwie mit den Vorstellungen der Sechziger Jahre, immer neue Abenteuer zu erleben und sich selbst neu entdecken zu müssen, sei es durch Drogen oder durch Reisen in exotische Länder. Die Verballhornung der Vorstellungen dieser Ära, ihrer Protagonisten und Ideologien liest sich witzig und führt oft zu unbeabsichtigtem Schmunzeln, denn bei aller Solidarität mit den Abenteurern, muss man doch bald einsehen, dass sie reichlich naiv und dumm waren, wenn sie glaubten, die Welt ändern zu können und am Ende vielmehr nur sich selbst änderten, wenn überhaupt. Besonders witzig auch die Stelle, wenn sich auf einer Demonstration ein Polizist und ein vermummter Autonomer prügeln und Giuseppe entscheiden soll, wen er erschießt, also auf welcher Seite er steht. Doch er ist nicht dumm, auch wenn er oft den „Horst machen“ muss, wie es in der deutschen Übersetzung lapidar heißt. Er schreit die beiden an, auseinander zu gehen und sich zu „verpissen“, denn er habe seit seiner Geburt auf dieses Abenteuer gewartet und werde es sich von diesen beiden Idioten nicht vermiesen lassen.

Von Majakowski und indianischen Weisheiten
An großen Ansprüchen sind schließlich schon viele gescheitert, aber Hauptsache man versucht es. Manara erzählt in liebevollen Details von den Bemühungen des jungen Giuseppe Bergmann endlich sein eigenes Abenteuer zu erleben und sich selbst zu finden. Auch Majakowski, der russische Dichter, der sich selbst erschoss, spielt eine gewisse Rolle und natürlich auch viele wunderschöne Manara-Frauen. Interessante Vorstellungen verbreitet auch der Häuptling eines Indianerstammes, bei dem das laute Aussprechen des eigenen Namens dazu führt, dass man die Seele verliert, die man dann suchen müsse und folglich müsse man sich selbst töten, denn sonst würden einem die anderen dabei „helfen“, die eigene Seele wieder zu finden. Als er ihn „Der-mit-den Hunden-spricht“ nennt, was in seiner Sprache „Ber –gam-ann“ heißt wird die Verwirrung komplett. Im Anhang dieser Ausgabe befindet sich auch ein 17-seitiges Portofolio zu „Manara-Fellini“ und Illustrationen zu „Manara-Roma“. Das Comic entstand übrigens 1978, ein Jahr nachdem sich die Herren Pratt und Manara sich für „A Suivre“ getroffen hatten. „A Suivre“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „Fortsetzung folgt“, was man sich auch für die Werkausgabe von Milo Manara des Panini Verlages möglichst bald wünschen möchte.

MILO MANARA WERKAUSGABE BD. 7: DIE REISEN DES G. BERGMANN - DAS GROSSE ABENTEUER
DIE REISEN DES G. BERGMANN, TEIL 1
148 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-10-23)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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