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Ludwig Marcuse - Richard Wagner Ein denkwürdiges Leben
Buchinformation
Marcuse, Ludwig - Richard Wagner Ein denkwürdiges Leben bestellen
Marcuse, Ludwig:
Richard Wagner Ein
denkwürdiges Leben

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(Bücher frei Haus)

„Nie sollst Du mich befragen,/noch wissend Sorge tragen,/woher ich kam der Fahrt,/noch wie mein Nam` und Art“, droht Lohengrin seiner Angebeteten, denn er weiß, dass wenn sie es tut, er wieder zurückkehren muss in seinen Kahn, der von einem Schwan weitergezogen wird in unbekannte Gefilde. 1963, im Jahr von Richard Wagners 150. Geburtstag, schockierte Ludwig Marcuse mit einer spöttisch-polemischen Biographie die Wagnerianer, die ihresgleichen sucht. 2013, im Jahr von Richard Wagners 200. Geburtstag, empfiehlt es sich diese Biographie nochmals zu lesen, denn sie sagt nicht nur viel über Wagner, sondern auch über die Bedingungen der Zeit in der sie von Marcuse geschrieben wurde.


„Christos woskress“ lautet der Ostergruß der Orthodoxen und „Wo istino woskress“ die Erwiderung, die darauf folgt. In Leipzig sei dieser Gruß zu Wagners Geburt noch verbreitet gewesen, bis die Franzosen erneut in die Stadt einmarschierten. Richard’s Vater Friedrich soll 43-jährig an den Folgen der sog. Völkerschlacht gestorben sein, denn der Chef der neu errichteten Städtischen Sicherheits-Polizei musste u.a. die stinkenden Folgen derselben beseitigen. Ein Weiberheld soll er gewesen sein, dieser Vater, der Richard`s Mutter neun Kinder machte. Aber das neunte war vielleicht gar nicht von ihm, denn Frau Johanna Wagner hatte es ihrem Gatten vielleicht sogar gleichgetan mit einem gewissen Maler Geyer, der Richard später als Sohn annehmen sollte. Ludwig Marcuse folgert daraus, dass Richard eventuell der jüdischen „Rasse“ (sic!) angehörte. Der Begriff wurde auch in den Sechzigern des 20. Jahrhunderts noch quasi wertfrei verwendet und das sogar von einem weithin als links verschrienen Philosophen wie Ludwig Marcuse.

Auch auf den Barrikaden hat dieser Richard Wagner gekämpft und wurde nach der Niederschlagung der Revolution sogar politisch verfolgt. „Wo viel Hoffnung gewesen ist, wuchert die Enttäuschung am üppigsten“, urteilt Marcuse lapidar über Wagners Exil in der „Stadt zerstörter Illusionen“, Paris, wo sich Wagner als „ein Enttäuschter mehr“ nicht wirklich heimisch fühlte. „Sein schwacher Patriotismus wurde erheblich gekräftigt durch die Niederlage auf fremder Erde“, erklärt sich Marcuse den später so deutschtümelnden Komponisten. Den „Rahm des Ruhms“ (sic!) schöpfte der 29-jährige Wagner erstmals mit der Aufführung seines „Rienzi“ in Dresden ab, allerdings in seiner eigenen Abwesenheit. Sowohl der Gralsritter Wagner als auch der Barrikadenkämpfer seien im Kampf gegen die lieblose Welt gescheitert, heißt es bei Marcuse, aber selbst in der Niederlage fand er einen Trost: „Richard Wagner wird durch die Revolution nicht eine Rente, sondern zwanzigtausend Taler Schulden loswerden. Er lebt nicht wie ein Philosoph, à la baisse, sondern à la hausse.“
Das Phänomen Richard Wagner wird von Ludwig Marcuse auf eine ganze spezielle Weise beschrieben, die es lohnt, sich tiefer darin zu versenken, gerade im Wagner-Jubeljahr.

Ludwig Marcuse
Richard Wagner
Ein denkwürdiges Leben
Hardcover Leinen, 304 Seiten
Erschienen im Mai 2013
ISBN978-3-257-06864-1
€(D) 22.90 / (A) 23.60
sFr32.90*

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-10-19)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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