Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Petros Markaris - Der Tod des Odysseus
Buchinformation
Markaris, Petros - Der Tod des Odysseus bestellen
Markaris, Petros:
Der Tod des Odysseus

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Das neue in Griechenland 2015 erschienen Buch von Petros Markaris ist kein weiterer Roman über seinen Kommissar Kostas Charitos , sondern eine Sammlung von unterschiedlich langen „Geschichten“.
Darunter finden sich auch zwei kurze Texte, in denen Charitos eine Rolle spielt. Sie sind aber für das Buch eher marginal und wohl nur beigefügt, um die Charitos Fans bei Laune zu halten.

Die anderen Geschichten handeln von Menschen, Griechen und Türken hauptsächlich. All dieses Menschen sind so wie der antike Odysseus in der Fremde unterwegs, haben viele Prüfungen zu bestehen, geben die Hoffnung nicht auf und sind zumeist brutalen Gegnern ausgesetzt, die es nicht gut mit ihnen meinen.

Die für mich wichtigste und für das Buch zentrale Geschichte – sie ist auch mit fast 100 Seiten die längste- trägt den Titel „Drei Tage“ und erzählt von einem Protagonisten namens Vassilis und wie er und seine Familie das Pogrom von Istanbul am 6. September 1955 erlebten, das von langer Hand von der Regierung vorbereitet war.
„Vor einundsechzig Jahren geschah es in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1955, da stürmen laut brüllend grölende Horden mit Äxten, Hämmern, Säbeln und Dynamit bewaffnet entlang des Istiklal- Boulevards.
Sie brandschatzten und plünderten Geschäfte und Unternehmen die zur lokal griechischen Gemeinde gehörten. Der Mob griff hauptsächlich griechisch besiedelte Stadtteile in ganz Istanbul an, mehr als 4000 Geschäfte wurden zerstört, über 70 Kirchen und 30 Schulen zertrümmert. Priester wurden geschlagen, griechisch- orthodoxe Friedhöfe wurden geschändet.“ ( Der Freitag, 10.6.2016)
Es war nicht das erste Mal, dass unbeteiligte Minderheiten Opfer von Machtkämpfen in der Türkei wurden. Praktisch seit der Gründung der Republik durch Kemal Atatürk im Jahre 1923 ist die Türkei überzeugt davon, dass seine Minderheiten, in erster Linie Griechen und Armenier, (heute die Kurden) als 5. Kolonne fremder Mächte Ankaras Feinde sind. Diese Angst, die durch den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches zum "unterirdischen" Flächenschwelbrand wurde, hat sich immer wieder in der türkischen Politik für ganz unterschiedliche Ziele instrumentalisieren lassen, zuletzt in diesem Jahr.
Ankara inszeniert gegebenenfalls erst ein Ereignis, wenn das Muster dazu passt, bzw. das Muster bestätigt werden kann. Am Vorabend des 6. September gab es einen Angriff in Thessaloniki auf das Geburtshaus Kemal Atatürks. Damit war die Lunte an die Fackel lodernder Emotionen gelegt und in Brand gesetzt. Obwohl die Rädelsführer angeblich an den Mob keine Waffen verteilt hatten, endete die Pogromnacht mit über 30 Toten, Hunderten von Verletzten, und Dutzende von vergewaltigten Frauen und Männern.

All dies beschreibt Markaris in der Geschichte „Drei Tage“ beeindruckend.

Man sieht, gewisse Vorgänge haben in einer sich weiter islamisierenden Türkei offenbar Tradition.
Als Petros Markaris diese und andere Geschichten des Bandes schrieb, konnte er nichts ahnen von dem gescheiterten (oder angezettelt-gescheiterten?) Putsch 2016. Ich bin aber sicher, er wäre vor allen Dingen von den Reaktionen Erdogans nicht überrascht gewesen.

Markaris setzt sich mit seinen Roman und diesen Geschichten – obwohl Fiktion- sehr kritisch mit der aktuellen gesellschaftlichen Lage auseinander.

Petros Markaris, Der Tod des Odysseus, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-06979-2

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2016-11-14)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Petros Markaris ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


WolkentageBriere-Haquet, Alice:
Wolkentage
„Wolkentage“ ist in der Reihe Carl-Auer-Kids erschienen, deren Ziel es ist, Kinderbücher zu veröffentlichen, die eine heilende Wirkung haben und Kindern eine neue Sicht auf sich und die Welt vermitteln können. In diesem geht es etwas, was Kinder bei sich kennen, was sie aber auch bei ihren Eltern wahrnehmen. Es geht um Tage, in [...]

-> Rezension lesen


 Geigen der HoffnungMüller, Titus:
Geigen der Hoffnung
Die „Geigen der Hoffnung“ des israelischen Geigenbauers Amnon Weinstein, die, eine Arbeit seines Vaters Mosche fortsetzend, immer wieder in Ausstellungen und Konzerten an die Leiden ihrer einstigen jüdischen Besitzer in den Konzentrationslagern der Nazis erinnern, waren der Ausgangspunkt für das vorliegende Buch von Titus Müller [...]

-> Rezension lesen


Du bist richtig wie du bistGemmel, Stefan:
Du bist richtig wie du bist
Bodo ist ein großer freundlicher Drache, der letzte seiner Art. Er lebt friedlich und glücklich im Wald von Tohuwabohu. Mit allen Tieren befreundet, spricht, lacht und spielt er mit ihnen den ganzen Tag. So weit so gut und zufrieden. Da kommt eines Tages der Löwe, der König der Tiere und wirft Bodo vor, er sei unnütz. Als Drache [...]

-> Rezension lesen


 Das Einzige, was jetzt noch zähltLedig, Agnes:
Das Einzige, was jetzt noch zählt
Ihr letzter Roman „Kurz bevor das Glück beginnt“, das in Frankreich Hunderttausende von Lesern fand, war ein richtig guter und anspruchsvoller Liebesroman, der mich sehr bewegte. Es war ein Roman ohne Kitsch, der Menschen zeigte, die es nicht leicht haben in ihrem Leben, Menschen, die kämpfen um ihr Leben und ihre Liebe, die nach [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.019984 sek.