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Rezensionen


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Dufaux Mirailles - Djinn – Teil 1: Die Favoritin
Dufaux/ Mirailles
Djinn – Teil 1: Die Favoritin
Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
2006
Schreiber und Leser Verlag
http://www.schreiberundleser.de
48 Seiten farbige Illustrationen
ISBN: 978-3-933187598
12,90.-
Von Jürgen Weber
Die Djinns sind eigentlich Geister, „reiner“ Geist sozusagen
und wer an einem Leben nach dem Tod glaubt, wird zugeben
müssen, dass sie über einen längeren Atem verfügen als die
Materie, der Körper oder das einzelne Individuum. „Diese
Geschichte beginnt und endet mit dem Körper“, schreibt einer
der Autoren, Jean Dufaux im Geleitwort und fügt hinzu, dass
der weibliche Körper stets über den Mann den Sieg davon
getragen habe. Wohl besonders dann, wenn sich ein mächtiger
Djinn in einem begehrenswerten und grazilen weiblichen
Körper eingenistet hat.
Die junge, etwas naive und umso hübschere Engländerin Kim
Nelson macht sich auf die Suche nach dem Geist ihrer
Großmutter, die einmal in Istanbul gelebt haben soll und
dort sogar im Harem des Sultans aufgenommen worden war.
Anfangs wendet sie sich an etwas zwielichtige Gestalten und
kommt so bald in des Teufels Küche, bis ihr der strahlende
Retter und Taschendieb Malek aus der Patsche hilft. Doch
auch er ist in die Verbrechen der zwielichtigen
Geschäftemacher indirekt verwickelt, bringt er Kim doch
ausgerechnet zur Puffmutter Fazila, die natürlich – Service
is our Success – für Geld alles macht. In der zweiten
Zeitebene wird der Leser in das Istanbul des Jahres 1912
entführt, wo er auf die unvergleichliche Schönheit „Jade“
stößt, die als Favoritin des Schwarzen Sultans die Aufgabe
hat, einen prominenten Engländer zu verführen, um dadurch
politischen Vorteile für das damalige Osmanische Reich
herauszuholen. Die Türkei kämpfte im Ersten Weltkrieg
bekanntlich an Deutschlands Seite und war nach 1918 von den
Alliierten besetzt. Jade ist eine grausame Haremsdame, die
auch vor dem Kindesmord ihrer größten Konkurrentin nicht
zurückschreckt. Doch die Zeitmaschine des Erzählers wechselt
wieder geschickt zu Kim in unsere Jetztzeit, wo sie auf den
undurchsichtigen Amin Doman stößt. Aber ist er nicht genau
derjenige, der sie von Fazila gekauft hat, obwohl sie nie
für sie arbeitete?
Der erste Teil dieses orientalischen Märchens ist geschickt
angelegt, die beiden Zeitebenen werden so gut montiert, dass
sich das Bedürfnis nach einem schnellen Weiterblättern bald
einstellt. Manche Seiten, die im Harem in der Vergangenheit
spielen, lassen einen ohnehin so erröten, dass man sich an
der Handlung bald umso interessierter zeigt, als dies
eigentlich notwendig wäre. Mirailles linearer, ja
geradliniger Zeichenstil mag an manchen Stellen vielleicht
etwas hölzern erscheinen, wenn er sich jedoch auf die
Hamamszenen und den weiblichen Körper konzentriert weiß er
zielstrebig die eine oder andere frauliche Rundung
einzubauen und voluminös und prächtig die wahre Stärke und
Macht der Frau hervortreten. Tatsächlich hat Jade, die
Favoritin, nämlich bereits ihre eigenen Pläne gemacht, die
weder dem Schwarzen Sultan noch dem Engländer gefallen
werden. Aber das muss Kim Nelson bald auf eigene Faust und
mit den damit verbundenen Schmerzen selbst herausfinden. Es
gibt wohl keine geeignetere Kulisse für dieses moderne
Erwachsenenmärchen als Istanbul, das gut zur Geltung kommt
und uns die Fortsetzung dieser spannend aufbereiteten Story
noch mehr herbeisehnen lässt. Inzwischen gibt es übrigens
schon 8 Teile und bald noch mehr, so die Djinns wollen!
[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-01-30)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
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