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Bernadette Németh - Der Rest der Zeit
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Németh, Bernadette:
Der Rest der Zeit

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(Bücher frei Haus)

Die zweiunddreißigjährige Tünde, selbst ausgebildete Ärztin, muss an der Halswirbelsäule operiert werden, es könnte sein, dass sie von der Halswirbelsäule abwärts gelähmt sein wird. Der Rahmen der gegenwärtigen Handlung in der Erzählung ist damit abgesteckt, denn alles was zwischen Dilemma und Auflösung passiert, sind Rückblenden. Auch der Tod ihres Vaters und der Verlust ihres Embryos durch eine Fehlgeburt überschatten den Auftakt dieses Familienromans, der sich zeitgleich mit drei Geschwistern beschäftigt, die alle - mehr oder weniger glücklich - neben Tünde hin und her leben und durch den erneuten Schicksalsschlag kurzfristig nochmals vereint werden. So etwas kann einen oder trennen, aber ganz sicher werden alle Beteiligten gestärkt aus so einer Situation hervorgehen, einsam oder gemeinsam.

Große Erwartungen, falsche Hoffnungen

Ob sie „den Rest der Zeit“ schon mit 32 Jahren verspielt hat, diese Frage stellt sich die Protagonistin schon auf den ersten Seiten des Romans, der sich einfühlsam mit Krankheiten und Tod beschäftigt, um dann doch immer wieder aus seinem engen Korsett auszubrechen. Denn ein Stück weit, ist der Roman sicherlich auch persönliche Lebensbeichte über das coming of age einer Ärztin, die doch eigentlich viel lieber Schriftstellerin geworden wäre. Die verfehlten Erwartungen der anderen sind oft daran schuld, dass man sich opfert, entweder für deren ihre Erwartungen oder für ein falsches Selbstbild. Denn das Gegenteil von gut ist immer noch gut gemeint. Über „dieses Gerede vom Opfern“ denkt sich Tünde am Ende des Romans dann auch: „zuerst opfern wir uns für die Zukunft, dann für den Beruf, den Partner, die Kinder sowieso, für einen guten Platz im Himmel, keine Ahnung, wofür noch;(...) kann es passieren, dass man nach einem aufgeopferten Dasein dem Tod ins Auge blickt und plötzlich zweifelt, ob sich das Opfern gelohnt hat“.

Realität ohne Ausflüchte

Tündes Bruder, Adam, will eigentlich Priester werden, doch dann opfert er sich für Lenka, deren beide Kinder nicht einmal von ihm stammen. Aber auch ihm „passiert“ etwas, was sein vorgefertigtes Leben aus der Bahn wirft und ihm den Weg zu sich selbst weist, dass er nämlich nichts tun muss, was er nicht wirklich tun will. Es ist ja sein Leben und nur er muss sich darin zurechtfinden. Auch Melinda, die Schwester der beiden, quält sich in ihrer Beziehung zu Robert und flüchtet sich in eine Illusion mit Milan, von der sie weiß, dass es nur eine Träumerei ist, um sich mit ihrer eigenen Beziehung und ihrem eigenen Versagen besser arrangieren zu können. Alle drei Geschwister finde schließlich einen Weg zurück in die Realität ohne Ausflüchte, denn hinter dem Vorhang wartet ohnehin die Freiheit, die nur allzu oft verstellt wird von falschen Erwartungshaltungen. Der „Der Rest der Zeit“ ist eine coming of age Geschichte, vielleicht auch ein bisschen so etwas wie ein Ärzt(inn)e(n)-Roman, der tief in die Materie von Zweierbeziehungen einzudringen versucht und einen Einblick auch in die eigenen Abgründe eröffnet. Ein Roman also, der auch das Versprechen beinhaltet, selbst etwas für das eigene Leben daraus zu lernen: sich nichts mehr vorzumachen und endlich das zu tun, wofür man geboren wurde.

Bernadette Németh
Der Rest der Zeit
Verlag Wortreich
328 Seiten
ISBN: 978-3-903091-23-8

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2017-02-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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