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Rezensionen


 
Helmut Newton - Big Nudes
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Newton, Helmut:
Big Nudes

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(Bücher frei Haus)

Helmut Newton
Big Nudes
Mit einem Text von Karl Lagerfeld
Photographien

2003
Schirmer/Mosel München
88 Seiten Großformat 23x31cm
ISBN 978-3-8296-0139--9
29,80.-€

Von Jürgen Weber

„Here they come!“ heißt ein überdimensional großformatiges Bild von vier nackten Frauen, die aus dem Bild heraus auf den Betrachter zu marschieren. Es muss wohl die Ausstellung im Kunstforum in Wien im Jahre 1989 gewesen sein, als ich selbst dieses unglaubliche Bild das erste Mal sah und verblüfft war über den Stolz und die Macht, die diese Bilder ausstrahlten. Damals, vor 20 Jahren, lief Newton bei den Kritikern noch als Pornographie, man empfand sein Werk als skandalös und frauenverachtend und die Feministinnen liefen Sturm. Aber was gibt es stärkeres, als „erwachsene, freie und selbstständige Wesen“ als die uns Newton - wie Karl Lagerfeld - schreibt seine Frauen erscheinen lässt? Frauen, die keine Schwäche, keinen Zweifel und keine Scham kennen.

Newton hat wohl auch einen sehr großen und wichtigen Beitrag zur Konzeption der Frau des 21. Jahrhunderts geleistet und man kann nicht oft genug betonen, dass Newtons „coole“ Frauen in ihrer Nacktheit wohl mehr Stärke ausstrahlen als so manche Delacroixsche Barrikadenkämpferin mit Tricolore. Die „Kühle“ der abgebildeten Frauen ist natürlich dem künstlichen Licht zu verdanken, Newton verwendete selbst bei Farbfotos blaues Licht, um den ihm genehmen Effekt zu erzielen. „Alle Schönheit ist künstlich“, heißt es nicht umsonst und Newton hat diese Frauen wie antike Statuen abgebildet, wie ein Bildhauer der modernen Zeit, dem weiblichen Körper ein Denkmal gesetzt. Das tritt besonders auch bei dem in vorliegendem Buch abgebildeten Fotozyklus „Brescia“ klar hervor: zwischen den antik stilisierten Säulen eines faschistischen Palastes und den Statuen, lugt eine Newtonsche Frau hervor, die zuerst bekleidet und dann zwei Stunden später zwischen besagten Säulen steht. Das sogenannte „Doppelbild“ (bekleidet und zwei Stunden später nackt dasselbe Bild), das im Brescia-Zyklus als stilbildend für Newton bezeichnet werden kann, zeigt die Flüchtigkeit des Moments. Laut eigenen Aussagen, wollte Newton nie eine Geschichte mit seinen Bildern erzählen, sondern die Unwiederbringlichkeit des Moments, deswegen machte er zweimal dasselbe, aber nicht das gleiche Bild.

Die „Big Nudes“ stammen aus den Jahren 1979 bis 1981 und wurden erstmals vom Schirmer Mosel Verlag verlegt. Sie erscheinen 19 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen im Jahre 1990 als unveränderte Neuauflage und sind allesamt in mondsilbernem S/W. Das Buch wurde weltweit bereits mehr als 100.000 mal verkauft und liegt nun in 11. Auflage erneut vor. Die beiden „Here they come!“ wurden übrigens unlängst bei Christie`s in London für 750 000 Franken versteigert. Ob die beiden Bilder wohl nebeneinander Platz finden werden, bleibt fraglich: die Ausmaße von 193x99cm erfordern wohl einen mittleren Palast. Helmut Newton starb 83-jährig bei einem Autounfall in Hollywood, 2004. Der gebürtige Berliner emigrierte nach Australien und lebt danach in Paris, wo er u. .a. den Grand Prix National de la Photographie erhielt.

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-02-06)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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