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Rezensionen


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Peter Oefele - Fiesta, Ramadan und tote Helden
„Fiesta, Ramadan und tote Helden“ von Peter Oefele
Ein Reisetagebuch? Hört sich langweilig an.
Ein Roman? Davon gibt’s genug.
Beatgeneration? Was ist das?
Wer sich bei dem Titel “Fiesta, Ramadan und tote Helden“,
dem Debüt des Berliner Schriftstellers Peter Oefele,
unweigerlich an Buchtitel von Jack Kerouac erinnert fühlt,
ist auf der richtigen Spur. Und auf dieser befindet sich
Oefele: auf seinem Weg der Beatgeneration!
Man muss allerdings nicht wissen, wer Kerouac, Burroughs und
Ginsberg waren, um dieses Buch lesen zu können: man erfährt
es am eigenen Leib, Seite um Seite, bis man ganz automatisch
weiß, wer sie waren und wie sie fühlten.
Endlich wieder ein Buch, das man nicht aus der Hand legt,
bis man es ausgelesen hat und befriedigt unbefriedigt ins
Regal stellen kann. Ich warte auf den zweiten Teil...
Peter Oefele ist unterwegs - „on the road“, und ich
wünschte, ich könnte diese Zeit, die er in seinem Buch
beschreibt, selbst erleben oder sie mit ihm teilen.
Von Anfang an hatte ich das Gefühl, ich würde diese Reise
antreten, in dem Benz sitzen, mich von Musik berauschen
lassen und die Landschaft an mir vorbeiziehen sehen.
Anfangs etwas zögerlich, wie es sich für Reisende gehört,
spürt man schnell, wie sich das Gefühl von Freiheit
verbreitet: Alltagsprobleme werden in Granada gelassen, Jimi
Hendrix in Essaouira besucht, Burroughs beim Schreiben von
Naked Lunch in Tanger ‚erlebt’ und Morrison’s Jünger in
Paris getroffen.
„Es gibt zwei Arten von Problemen: Einerseits echte
Probleme, und dann die, die andere gerne hätten.“ (S. 38.
Anm. d. Verf.)
Von diesem Satz hat sich eine komplette Bevölkerung etwas
abzuschneiden. Wir vergessen zu schnell, was um uns herum
geschieht, wissen viele vermeintliche Kleinigkeiten nicht zu
schätzen und, seien wir ehrlich, im 14-tägigen Urlaub geht
uns kaum etwas vom Kulturerbe des besuchten Urlaubslandes
ab.
Doch Oefele sieht nach und nach viel mehr, als eigentlich
offensichtlich: er lernt die Länder und Leute kennen,
versucht deren Sprache zu sprechen, gibt Einblicke in
geschichtliche Begebenheiten und vermittelt kulturelle
Eindrücke.
Neben schnellem, flüssigen Schreibstil und dem Verlangen,
dieses Buch zu ‚leben’, überzeugen aufschlussreiche
Aufzählungen über alles Wissenswerte, was man im südlichen
Europa und nördlichen Afrika nicht auf Anhieb zu sehen
bekommt, das Bewusstsein, sich dieser Reise anzuschließen.
Politische Ereignisse wie der 11. September 2001 werden hier
auf verblüffend einleuchtende Weise subjektiv geschildert
und verarbeitet: „Es ist die Zeit, weltpolitische Nägel mit
Köpfen zu machen...“ (S. 34. Anm. d. Verf.). Sport und Musik
kommen nicht zu kurz, und wer Lust hat, sich auf den
gleichen Trip zu begeben, findet im Anhang umfassendes
Informationsmaterial zu Hotels, Preisen und
Sehenswürdigkeiten.
Für mich ist „Fiesta, Ramadan und tote Helden“ das Buch des
Jahres. Ein Reisetagebuch, spannend, fesselnd, flüssig,
frei, komisch und nachdenklich, witzig und befreiend.
Nach welchem Buch hatte schon mal Lust, sich in den Wagen zu
setzen, den lieben Gott einen guten Mann sein und alles
hinter sich zu lassen, Länder und Städte zu sehen, Frauen
und neue Freunde zu treffen und einfach frei zu sein? So
richtig frei?
„Fiesta, Ramadan und tote Helden. – Unterwegs in Frankreich,
Spanien, Marokko und Portugal“ ist im pro-literatur Verlag
erschienen. / ISBN: 3-937034-00-5 / Alle Informationen auf
http://www.peter-oefele.de
Stephan Klement
Juni 2003
[*] Diese Rezension schrieb: Stephan Klement (2003-06-17)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
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