Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Cesare Pavese - Gespräche mit Leuko
Buchinformation
Pavese, Cesare - Gespräche mit Leuko bestellen
Pavese, Cesare:
Gespräche mit Leuko

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Mythen, so verrät es uns Pavese in seinen "Gespräche mit Leuko" einleitenden Sätzen, sind Sammelbecken von Sinnbildern. Greift man auf deren Inventar zurück, so wird es möglich, in einem halben Satz "einen ganzen Organismus der Leidenschaft, des menschlichen Seins, einen ganzen Gedankenkomplex" zu nähren und zu beleben. Genau diesem Prinzip folgt "Gespräche mit Leuko" in seinen 27 Dialogen, die allesamt in der griechischen Mythologie angesiedelt sind. Nur selten finden diese Dialoge zwischen den großen Olympiern statt, meist werden sie zwischen Titanen, Nymphen und Kentauren, aber auch Hirten und Jägern geführt. Jedem Dialog steht eine erläuternde Einleitung voran, die den Leser kurz über die mythologischen Zusammenhänge informiert, denn "Gespräche mit Leuko" erfordert, um es umfassend verstehen zu können, ein profundes Wissen der griechischen Götterwelt. Aber auch wenn man über ein solches nicht verfügt, bleiben die Dialoge keinesfall ohne Aussage. Ganz im Gegenteil.

Wozu aber sollte man sich als Leser in eine so komplexe Phantasiewelt begeben? Ist das nicht alles in einer überschäumenden Maßlosigkeit ersponnen worden? Gewiss, aber gerade darin liegt der Vorteil: Diese Phantasiewelt ist ein Konstrukt, das die Wesen in die Sterblichen und Unsterblichen unterteilt - und indem der Dichter die letztgenannten die ersteren betrachten lässt, hat er sich einen künstlichen Standpunkt geschaffen, von dem aus er das Leben objektiver erklären kann. Es sprechen Thanatos und Eros, es sprechen Herakles und Prometheus, es sprechen Dionysos und Demeter - allein diese Vorankündigungen beschwören in uns, die wir von der abendländischen Kultur geprägt sind, komplexe Vorstellungen und Ahnungen herauf. Es ist ein Verdienst Paveses, dass er uns so an das kulturelle Erbe der antiken Griechen erinnert, denn gleichwohl wir es in Leuko mit Fiktionen zu tun haben, stellen sie doch eine Form des Wissens dar, die es zu bewahren lohnt. In den Dialogen formen auch die Naturerscheinungen höhere Sinnbilder, sind Blumen nicht nur Blumen, sind Steine nicht nur Steine, ist Feuer nicht nur Feuer - alles ist mit tieferen Bedeutungen angereichert. In solcherlei Transformationen hat die literarische Form des Gedichts ihren Ursprung gehabt.

Es erübrigt sich fast, zu erwähnen, dass "Gespräche mit Leuko" nur bescheidenen Erfolg beim literarischen Publikum hatte. Zu wenige Menschen wollen tatsächlich das Leben ergründen, die meisten begnügen sich damit, sich blind hindurchzuschwindeln. Was sollen sie also mit so einem Buch wie Paveses anfangen?

Als es 1947 erschien, wagten sich nur zwei italienische Zeitungen daran, es zu besprechen.

Zwei kleine Anekdoten sollen diese Rezension nun beschließen:

Neben seinen Erfolgen wie "Der Sommer" schickte Pavese noch zwei Tage vor seinem Tod "ein Buch, das keiner liest und das natürlich das einzige ist, das etwas taugt" an den französischen Übersetzer Nino Frank: Gespräche mit Leuko.

Als man Pavese nach seinem Suizid auffand, entdeckte man ein Exemplar des Buches auf seinem Nachttisch. "Ich verzeihe allen, und alle bitte ich um Verzeihung. Ist es gut so? Macht kein Aufhebens davon." hatte er auf seine erste leere Seite geschrieben.

[*] Diese Rezension schrieb: Arne-Wigand Baganz (2005-03-04)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Cesare Pavese ansehen

->  Stichwörter: Griechenland

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Über die LiebeStendhal:
Über die Liebe
"Über die Liebe" - welch ansprechender Titel! Noch schöner klingt er im französischen Original: De l´amour. Stendhal alias Henri Beyle (1783-1842) hat ihn seinem Essay, der hier nun besprochen werden soll, verliehen. "Ich suche mir Klarheit zu verschaffen über diese Leidenschaft, deren reine Abwicklung immer den [...]

-> Rezension lesen


 Der Meerschwimmer oder Heimat für BlumbergSchreiber, Karl-Heinz:
Der Meerschwimmer oder Heimat für Blumberg
Für seinen Debüt-Roman ( zumindest seinen Offiziellen) hat der Autor einen gewissen Kurt Blumberg erfunden, jenen Protagonisten, der samt seiner Reisetasche von zu Hause ausbüxt und sich auf Reisen begibt, um zu sich selbst zu finden oder/und seinen Körper in Relation zu seinem Geist und der Umgebung zu setzen. Diese besteht zum einen [...]

-> Rezension lesen


Der Wille zur UtopieChlada, Marvin:
Der Wille zur Utopie
DAS ANDERE WOLLEN Marvin Chlada, Der Wille zur Utopie (Alibri Verlag, Aschaffenburg 2004) 253 S., € 16.- Alles was utopisch war & ist in Phantasie & Realität bzw. in quasi-spielerischer & quasi-seriöser Denk-/Wunsch-/Machart, wird in diesem Buch vorgestellt. Der Autor (Jg. 1970) ist Exper-te in Pop & Postmoderne - er [...]

-> Rezension lesen


 Das BastardzeichenNabokov, Vladimir:
Das Bastardzeichen
Ein Roman und seine drei Helden: Paduk, die unmenschliche Kröte und Krug, der Philosophieprofessor, Nabokov, der Schriftsteller, welcher die beiden erstgenannten Figuren auf seinem literarischen Schachbrett mit dem Namen "Das Bastardzeichen" gegeneinander antreten lässt. Auf dem Feld herrscht eine junge absurde Diktatur, der [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.030585 sek.