Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Pernilla Petterson - Nicht mit mir
Buchinformation
Petterson, Pernilla - Nicht mit mir bestellen
Petterson, Pernilla:
Nicht mit mir

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

In seinem neuen Roman erzählt der norwegische Schriftsteller Per Petterson die Geschichte zweier Freunde, die vor fünfunddreißig Jahren eine dicke und enge Beziehung verband und deren Wege sich dann trennten.

Nun, im Jahr 2006, sieht Tommy, mittlerweile nach bewegter Gesichte als Investmentbanker erfolgreich (es ist die Zeit vor dem großen Crash) als er über eine Brücke fährt, seinen ehemaligen Freund Jim im Morgengrauen beim Angeln. Dass es eine Brücke ist, auf der sie sich wieder begegnen, ist treffend in der Bildsprache, denn in der Kindheit und Jugend waren sie so etwas wie „Strombrüder“, also Menschen, die sich ohne Worte verstanden, quasi ihre Gedanken gegenseitig lesen konnten. Aber das ist lange vorbei. Die frühere Freundschaft lebt nur noch in der Erinnerung weiter.

Das letzte Mal, als sie sich sahen, war ein Moment vor 35 Jahren, vor dem Eingang jener psychiatrischen Klinik, in die Jim nach einem Selbstmordversuch eingeliefert worden war. Später fand er einen Job als Bibliothekar und ist zum Zeitpunkt der Begegnung am frühen Morgen auf der Brücke seit einem Jahr krankgeschrieben. Doch auch Tommy, der äußerlich so Erfolgreiche, ist labil und hat sein Leben nicht im Griff.

In wechselnden Perspektiven erzählt Per Petterson die Geschichte dieser Freundschaft und der Lebensschicksale von Jim und Tommy. Ja, es kommen durchaus auch ambivalente Frauenfiguren vor in diesem Buch. Doch im Grunde ist es, wie in vielen seiner Romane zuvor, ein Buch, das handelt vom Verhältnis zwischen Vätern und Söhnen, ein Buch, das bis in tiefe Verästelungen männliche Gefühlswelten erkundet und beschreibt.

Jim ist ohne Vater aufgewachsen und Tommys Erzeuger war ein brutaler Schläger, der seine Kinder an dem Tag verlässt, als Tommy sich zum ersten Mal gegen ihn zur Wehr setzt. Man wundert sich nicht, dass beide Männer in ihrem Erwachsenenleben Probleme damit haben, Nähe zuzulassen und zu erleben.

In einer Sprache, die sich an vielen Stellen in reine Poesie verwandelt, erzählt von zwei Männern, die ihr ganzes Leben lang auf der Suche sind nach sich selbst, mit ihren Ursprüngen hadern und ihnen doch nicht entrinnen können und immer wieder versuchen, so etwas wie Liebe zu wagen.

Indem er vieles bewusst offen lässt, fordert er seine Leser dazu heraus, selbst herauszufinden, was die beiden Freunde zu dem hat werden lassen, was sie da bis zu der zunächst gegenseitig unbemerkten Wiederbegegnung morgens auf der Ulvoyabrücke geworden sind. Obwohl Petterson bewusst keine Fragezeichen benutzt, ist das Buch voller Fragen, die er dem Leser vor die Füße legt.

Erneut hat Petterson ein Buch geschrieben mit einem wunderbaren Sprachzauber, der den Leser gleich von Anfang an gefangen nimmt. Ein Buch, dem es gelingt zu zeigen, in welche Dimensionen der menschlichen Seele die Sprache, die Poesie vordringen kann. Und heilen.

Per Petterson, Nicht mit mir, Hanser 2014, ISBN 978-3-446-24604-1

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2014-09-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Pernilla Petterson ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Da bist du jaPauli, Lorenz:
Da bist du ja
Das Kleine und das Große – das Kind und die Mutter sind in diesem wunderbaren Bilderbuch miteinander im Gespräch. Sie reden über den Anfang und das Ende. Über die Liebe und das unbedingte Vertrauen in das Leben ( und vielleicht auch in die Macht, die es trägt und erhält). „Wie war das Anfang mit uns?“ fragt das Kleine das [...]

-> Rezension lesen


 Der Zwerg NaseHauff, Wilhelm:
Der Zwerg Nase
Wenn Lisbeth Zwerger mit ihrer unnachahmlichen Kunst ein Bilderbuch illustriert, dann wird die Geschichte, die darin erzählt wird, auf eine ganz genuine Weise interpretiert. So ist es auch bei dem vorliegenden Buch, in dem die Geschichte vom Zwerg Nase erzählt wird aus dem Märchenzyklus von Wilhelm Hauff. Die lange Geschichte, die [...]

-> Rezension lesen


Hast du Worte?Rettich, Rolf:
Hast du Worte?
Zum ersten Mal im Jahr 1972 veröffentlicht, legt der Ravensburger Verlag das vorliegende Bilderbuch in seiner Reihe „Ravensburger Kinderklassiker“ neu auf. Die zur damaligen Zeit sehr bekannten Kinderbuchillustratoren Rolf und Margret Reich erzählen darin ohne Worte lustige, nachdenkliche und schöne Begebenheiten mitten aus dem [...]

-> Rezension lesen


 Der BesuchBlum, Hila:
Der Besuch
Das von der großen Zeruya Shalev in Israel gefeierte Debüt der 1969 geborenen Schriftstellerin Hila Blum ist ein Roman über ganz normale Menschen, die in einer ganz normalen Patchworkfamilie versuchen, ihren Alltag zu bewältigen. Hinter diesem vordergründigen Alltag lauert die ganze Zeit, der Ich-Erzählerin meistens bewusst, etwas [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.010971 sek.