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Edward Phillips - State of Deception: The Power of Nazi Propaganda
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Phillips, Edward - State of Deception: The Power of Nazi Propaganda bestellen
Phillips, Edward:
State of Deception: The
Power of Nazi Propaganda

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(Bücher frei Haus)

220 Fotos, Propagandaplakate und historische Artefakten von der United States Holocaust Museum Ausstellung, die von Januar 2009 bis 2012 noch in Washington zu sehen ist, beinhaltet vorliegende interessante Publikation aus dem Hause Norton & Co. Das erklärte Ziel der beiden Herausgeber ist es, durch ein tieferes Verständnis der Komplexität der Propaganda in der Vergangenheit zu einem effizienteren Verständnis der heutigen Propagandakampagnen beitragen zu können. Die Mechanismen der Propaganda in einem diktatorischen System sind sehr leicht wahrnehmbar, geradezu offensichtlich, viel schwerer fällt es da in einer Demokratie, in der die Meinungsfreiheit allerdings wiederum durch große Medienkonzerne bedroht wird. „For those who stubbornly seek freedom, there can be no more urgent task than to come to understand the mechanisms and practices of indoctrination. These are easy to perceive in the totalitarian societies, much less so in the system of `brainwashing under freedom´ to which we are subjected and which all too often we serve as willing or unwilling instruments”, schrieb Noam Chomsky in “Manufacturing Consent”, 1992. Und vielleicht haben die beiden Herausgeber auch daran gedacht, als sie das Risiko des Missverständnisses mit dieser Publikation auf sich nahmen.

Die Propaganda der Nazis, die in vorliegender Publikation ins Korn genommen wird, beschäftigt sich aber nicht nur mit den Jahren in denen sie an der Macht waren, sondern auch mit den ersten Versuchen der Partei sich im öffentlichen Bewusstsein des Deutschen Reiches aka Weimarer Republik selbst darzustellen. Anfangs stand stets „der Arbeiter“ im Zentrum der Agitation der NSDAP, da sie sich ja auch in ihrer Namensgebung an diesen richtete. „Arbeiter der Stirn, der Faust: Wählt den Frontsoldaten Hitler!“ heißt es auf einem der frühen Propagandaplakate und gezeigt werden zwei Arbeiter mit grimmigem Blick und einem Hammer auf den Schultern. Später rückten immer mehr die Sündenböcke ins Zentrum der Propaganda, der innere Feind wurde für die Wirtschaftskrise oder Verluste an der Front verantwortlich gemacht, Agitation wurde bald durch Hetze ersetzt. Dieser Unterscheidung zufolge organisiert sich die vorliegende großformatige Publikation auch anhand folgender vier Kapitel: Propaganda for Votes and Power (1919-1933), Power and Persuasion in the Racial State (1933-1939), Propaganda for War and Mass Murder (1939-1945) und Propaganda on Trial (1945-Present). Wichtig erscheint mir auch zu betonen, dass die Nazi-Propaganda immer noch ihre Kontinuität bis in die Gegenwart hat, was im letzten Kapitel lobenswerterweise von den Herausgebern ebenfalls unterstrichen wird.

Kann man tatsächlich für Krieg und Massenmord Propaganda machen und damit und dafür auch noch Anhänger gewinnen? Im dritten Kapitel wird auf erschreckende Weise auf die Mechanismen der Nazi-Propaganda während des Krieges aufmerksam gemacht. Die militärische Unbesiegbarkeit und der Führermythos spielten bei der Desinformation der Bevölkerung eine große Rolle. Der äußere Feind an der Front und der innere Feind im Heimatland wurden gleichgestellt und mit gleicher Härte bestraft. Dabei spielten tatsächliche Beweise weniger eine Rolle, als die Aufrechterhaltung eines Klimas aus Angst und Furcht. Auf diese Weise konnte lange Zeit ein System aufrechterhalten werden, das längst – spätestens seit Kriegsbeginn – seine eigene Machtlosigkeit und Leere demonstriert hatte. Die vorliegende Publikation geht nicht nur auf Deutsche Wochenschauen oder Propagandaplakate und öffentliche Verlautbarungen ein, sondern untersucht auch die Rolle des deutschen Films während der Kriegszeit. „The Rothschilds“, „Jud Süss“, „Ich klage an“, „Ohm Krüger“ waren sämtlich Filme, die die öffentliche Moral an der Heimatfront unterstützen helfen sollten. Selbst Theresienstadt, ein Ghetto in Böhmen, nahe der österreichischen Grenze, wurde für die Propaganda der Nazis benutzt. Gezeigt wurde ein friedliches Erholungsheim für Arme und Alte, eine Art „spa town“, wie die Autoren es nennen. Als dem Roten Kreuz endlich zutritt gewährt wurde, wurde das Ghetto noch schnell geschönt und unmittelbar nach Abreise der Repräsentanten des RK ging die Deportation und Vernichtung weiter. Bis Oktober 1944 starben allein in Terezin 30.000 Menschen. Die Nazi-Doku „Der Führer gibt den Juden eine Stadt“ hatte die Intention, die internationale Öffentlichkeit zu beruhigen und löste wiederum Unruhen an der Heimatfront aus: Deutsche, die den Film sahen, glaubten, die Juden würden in Deutschland besser leben als sie selbst. Je höher die Verluste an der Front wurden (zwischen 1943 und `44 70.000/Monat) desto hasserfüllter die Propaganda gegen die Juden, den Kapitalismus, den Bolschewismus, die Plutokratie usw. Am Ende schrieb selbst Hitler, dass ihm der Krieg 1939 von den Juden aufgezwungen worden wäre. Er hätte ihn ja gar nicht gewollt. 55 Millionen Tote lagen auf den Schlachtfeldern und Europa war beinahe zerstört worden. Die größten Zerstörungen wurden aber in den Köpfen und Seelen der Überlebenden hinterlassen, denn auf Generationen hinaus, waren die zwischenmenschlichen Beziehungen durch den Krieg und den Holocaust vergiftet worden. Bei aller Liebe zur Meinungsfreiheit, der „freedom of speech“, sollte man sich allmählich doch zu einem Verbot derjenigen Meinungen durchringen, die Hass säen. Wie diese Mechanismen der Propaganda des Hasses in der Weimarer Republik greifen konnten und später die ganze Welt vergifteten, darüber kann man auch in diesem Buch etwas erfahren. Niemals vergessen! Nie wieder!

Steven Luckert/Susan Bachrach/Published by the United States Holocaust Museum
State of Deception
The Power of Nazi Propaganda
Großformat 24x30 cm

2009
W.W. Norton & Company
www.wwnorton.co.uk
194 Seiten 220 farbige Abbildungen
ISBN: 978-0-896047143
28,00.-Pounds

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-07-23)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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