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Philippe Piguet - Die Geschichte einer Reise
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Piguet, Philippe:
Die Geschichte einer
Reise

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(Bücher frei Haus)

Briefe aus Venedig von Alice und Claude Monet

Erst wollte er gar nicht nach Venedig reisen und dann brachte er insgesamt 37 (!) Bilder von seinem Aufenthalt in der Lagunenstadt nach Frankreich zurück. Im Jahre 1908 hatte Monet seine Faszination für seine Seerosen noch nicht aufgegeben, doch seine Frau langweilte sich und wollte unbedingt endlich wieder einmal verreisen. Seit der letzten Reise nach Spanien waren immerhin schon vier Jahre vergangen und seither: Seerosen, Seerosen, Seerosen. Seine Frau konnte ihn schließlich überreden und es gefiel ihnen so gut in Venedig, dass sie fast zweieinhalb Monate blieben (30. September bis 7. Dezember). In dieser kurzen Zeit hatte Monet also eine recht rege Schaffensphase, wahrscheinlich auch weil „Venise“ ihn so inspirierte, wie ...kein anderer Seerosenteich. Die Korrespondenz von Alice, seiner Frau, mit ihrer Tochter Germaine, blieb erhalten und so kann man beinahe jeden Tag des Ehepaares in Venedig rekonstruieren. Der Künstler selbst schrieb an Freunde und Händler aber vor allem seine Frau fängt die Atmosphäre der Stadt und die tiefen Eindrücke ihres mehrwöchigen Aufenthalts in persönlichen Zeilen ein. Die Briefe in diesem Band wurden von Philippe Piguet, dem Urenkel von Alice Monet, zusammengestellt und um historische Fotografien ergänzt.
Die beiden wohnten im Palazzo Barbaro, dann im Grandhotel Britannia in einem Zimmer mit Blick auf die „Santa Maria della Salute“. Philippe Piguet, der Herausgeber des vorliegenden Buches, stellt den Venedig-Zyklus, der in diesen wenigen Wochen 1908 entstanden war, in seinem Vorwort als lebensrettendes Moment für Claude Monet dar. Nachdem er Weihnachten 1908 zurückgekehrt war, widmete er sich zwar sofort wieder seinen Seerosen, doch als ihn die späteren Katastrophen seines Lebens heimsuchten – erst die Überschwemmung seines geliebten Teichs, dann der Tod seiner zweiten Frau Alice und schließlich der Graue Star – griff er wieder auf diesen vergessen geglaubten Bilderzyklus zurück. Venedig hatte ihn tatsächlich aus seiner Depression befreit, und das noch vier Jahre nach seinem dortigen Aufenthalt. Der inzwischen 71-jährige machte sich also an die Vollendung der in Venedig oft nur skizzierten Bilder. Dieses Unterfangen gestaltete sich natürlich sehr schwierig, da die Erinnerung an die glücklichen Tage, die er in Venedig mit seiner Alice verbracht hatte, ihn quälten. Doch die Ausstellung kam schließlich, 1912, doch noch zustande und auch Monet lebte immerhin noch weitere 14 Jahre.

„Man kann nicht aus Venedig abreisen, ohne zurücckkehren zu wollen“, habe Claude Monet gesagt und auch wenn ihm diese Rückkehr verwehrt blieb machte er die Stadt doch zur Stätte seines persönlichen Triumphes. Er siegte über das Leid und die Entbehrungen und auch über den Tod. In vorliegender „Kunst zum Lesen“ findet man auch 28 Abbildungen, davon 12 in Farbe. Die meisten Bilder zeigen die venezianische Kirche „Santa Maria della Salute“, die sich am Eingang des Canal Grande befindet, in bekannt impressionistischer Manier porträtiert. Aber auch San Giorgio di Maggiore, die Kloster-Insel, die sich gegenüber dem Dogenpalast befindet, wird in ein Abendrot-Orange getaucht. Weiters zeigen einige S/W Fotografien einen intimen Einblick in den Aufenthalt des Ehepaares Monet in Venedig. Seltsam ist dabei allerdings die Beschriftung einer abgebildeten Postkarte. Sie zeigt die Brücke über den Canal Grande, die während des Salute-Festes eigens gebaut wird, trägt jedoch den Titel „Redentore-Fest“. Dieses Fest findet traditionellerweise aber im Juli statt und da die Monets nur von September bis Dezember in Venedig weilten, kann es sich also auch nur um das Salutefest handeln, das am 21. November gefeiert wird. Übrigens auch eine gute Gelegenheit nach Venedig zu reisen: man kann beim Schreiten über diese Brücke einige „erhebende Momente“ erleben, ganz so wie sie wohl auch Claude Monet dabei erlebt hat oder seine Frau Alice, wie die zitierten Briefe zumindest vermuten lassen.

Besonders schön ist dem Hatje und Cantz Verlag übrigens auch die Umschlagestaltung gelungen, die auf der Vorderseite eine Reproduktion eines Fotes des Ehepaares in Blau zeigt und auf der Rückseite eine von Monet gemalte Gondel als farbiges (in schönsten Blautönen) Reprint. Wer von Venedig nicht genug bekommen kann, der sei auf die Ausstellung der Fondation Beyeler, Riehen/Basel verwiesen, die den Titel „Von Canaletto über Turner bis Monet“ trägt und noch bis 25.1.2009 zu sehen ist. Der Ausstellungskatalog ist ebenfalls bei Hatje und Cantz erschienen.

Hatje und Cantz Verlag
http://www.hatjecantz.de
ISBN: 978-3-7757-2264-3
112 Seiten

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2008-11-19)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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