Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
José Manuel Prieto - Die kubanische Welt und wie erkläre ich sie meinem Taxifahrer
Buchinformation
Prieto, José Manuel - Die kubanische Welt und wie erkläre ich sie meinem Taxifahrer bestellen
Prieto, José Manuel:
Die kubanische Welt und
wie erkläre ich sie
meinem Taxifahrer

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Auch wenn es im spanischen Original eigentlich heißt „und wie man sie den Taxifahrern erklärt“, die Ansprechperson also ein unbestimmtes Plural ist und damit eine bestimmte Personengruppe bezeichnet, die anscheinend über einen beschränkten Bildungsgrad verfügen würde – so zumindest der Tonfall – ist der deutsche Titel natürlich um vieles griffiger und unvergänglicher, geht er doch nicht davon aus, dass alle Taxifahrer gleich ungebildet sind, sondern eben nur der eine, nämlich meinige. Der überhebliche Ton, den ich hier imitiere, stammt übrigens vom Autor selbst, denn er fühlt sich bemüßigt, die Welt, besonders eben die erwähnten „Taxistas“ (span. für Taxifahrer), über einen verbreiteten Irrtum aufzuklären. Die kubanische Revolution habe nämlich mitnichten das Arbeiter- und Bauernparadies auf Erden verwirklicht, so Prieto.

Lesen sich Prietos Ausführungen anfangs noch ziemlich interessant, etwa wenn er Fidel Castro als amerikanischen Politiker bezeichnet und sich dabei auch noch besonders original und mutig vorkommt, wird einem der belehrende Ton als Leser doch bald etwas zu bunt, besonders dann, wenn sich der Autor als Zugehöriger zu jener Klasse outet, die gerade durch die Revolution beseitigt wurde. Wie Prieto betont habe er trotz seiner anfänglichen Sympathie für Fidel Castro bald die Geduld verloren, da die Revolution keine wesentlichen Verbesserungen für die Bevölkerung gebracht habe und man davor doch recht friedlich und zufrieden und vor allem in Wohlstand gelebt habe. „Niemals wurde eingeräumt“, schreibt Pietro, „dass man einen Irrtum begangen, dass das ganze Land, ob nun im Aufschwung oder nicht, 1959 einen Sprung ins Leere getan habe, denn so schlecht hatte es sich in Kuba letzten Endes nicht gelebt“. Besonders jene 10 Prozent, die nach der Revolution das Land verlassen hätten müssen: denen sei es doch gut gegangen, vor 1959. Darauf folgte ein „jahrelanger Marsch durch die Wüste“ an dessen Spitze ein Doktor Guevara gestanden sei, der „unerschütterlich vorangeht , ohne dass ihn etwas aufhalten könnte, ohne darauf zu achten, wer ihm unter die Füße kommt“. Man solle sich vor seinem Blick, der so viele T-Shirts junger Leute ziere, hüten, denn er verkünde erschreckende Härte und erinnere an all die Toten.

Natürlich gibt Pietro auch den Exilkubanern in Miami die Schuld, da sie nie eine effiziente Medienstrategie entworfen habe, um sich Gehör zu verschaffen. Pietros Argumentation ist scheinheilig, denn wer hat mehr Aufmerksamkeit in den amerikanischen Medien genossen also genau diese armen Exilkubaner, die von Castros Regime vertrieben wurden? Die kubanische Revolution ist für ihn nur ein Mythos vergleichbar mit der Conquista oder dem Eldorado. Allein dieser Vergleich straft Pietro legen, denn selbst als Vergleichbarkeit bezüglich der Mythoshaftigkeit verrät es seine wahre politische Gesinnung. Und in aller Gnade gewährt er Che Guevara ein Pardon, da es sich um einen verliebten Mann gehandelt habe, verliebt in Tania, eine Deutsche. Guevara sei als Dummkopf gestorben, der als Dummkopf an seine eigenen Theorien glaubte, schreibt Pietro.

Bei aller berechtigten Kritik an der kubanischen Diktatur, Jose Manuel Prietos Buch stößt einem sauer auf. Das - in eigenen Worten – Musterkind und Klavierspieler verdirbt einem ganz schön jedweden Revolutionsromantizismus und mit Sicherheit wird man nach dem Lesen dieses Buches etwas differenzierter, aber keineswegs weniger einseitig über die kubanische Revolution denken. Im Anhang findet sich eine persönliche Chronologie der kubanischen Revolution, die vorläufig bei der 50 Jahr Feier, 2009, endet.

Jose Manuel Prieto
Die kubanische Welt und wie erkläre ich sie meinem Taxifahrer
Aus dem Spanischen von Susanne Lange

2008
edition Suhrkamp
219 Seiten
ISBN: 978-3-518-12559-5
10.-

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-02-06)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von José Manuel Prieto ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Gardasee Eine kulinarische RundreiseKellermann, Monika:
Gardasee Eine kulinarische Rundreise
Gleich wenn man über den Brenner kommt befindet sich linker Hand ein kleines Paradies, dessen Vegetation so ganz anders ist, als die im Norden und das ganze nur wenige Stunden von zu Hause entfernt. Die Berge um den Gardasee locken nicht nur Radfahrer und Kletterer an, sondern auch Surfer und andere Urlauber und nicht erst seit [...]

-> Rezension lesen


 Die Wiener Flaktürme im Spiegel österreichischer ErinnerungskulturUte Bauer:
Die Wiener Flaktürme im Spiegel österreichischer Erinnerungskultur
Ute Bauer Die Wiener Flaktürme im Spiegel österreichischer Erinnerungskultur 2003 Phoibos Verlag 115 Seiten ISBN: 3-90123242-7 29.- Von Jürgen Weber „Niemals wurden in der deutschen Geschichte größere und edlere Bauwerke geplant, begonnen und ausgeführt als in unserer Zeit (...). Deshalb sollen diese Bauwerke nicht [...]

-> Rezension lesen


Amore al dente Eine Liebe in RezeptenDonhauser, Rose:
Amore al dente Eine Liebe in Rezepten
Rose Marie Donhauser Amore al dente Eine Liebe in Rezepten Illustriert von Mirjam Schuster 2008 ars vivendi Verlag 138 Seiten ISBN: 978-3-89716-815-2 19,90.- Von Jürgen Weber Giovanni ist der typische Aufreißertyp, der sich für Francesca etwas Besonderes einfallen lassen will. Er schnappt ihr am Markt einfach die [...]

-> Rezension lesen


 Der Brockhaus Philosophie Ideen, Denker und BegriffeBrockhaus:
Der Brockhaus Philosophie Ideen, Denker und Begriffe
Das Stichwort „Affekt“ zeigt neben dem berühmten Gemälde von Edvard Munch sowohl die lateinische Herleitung des Begriffes in Klammer, als auch die Geschichte des Begriffs von Aristoteles an bis in unsere Gegenwart zu Heidegger. Sokrates definierte die Affekte als „unvernünftige Seelenzustände“, das Ideal der Stoiker wäre [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.028501 sek.