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Rezensionen


 
Michael Radford - 1984
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Radford, Michael:
1984

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(Bücher frei Haus)

„Anyone under 45 must be capable of touching his toes, dear brother.“, heißt es bei der Morgengymnastik vor dem Riesenbildschirm im Schlafzimmer. Die Überwachung des Einzelnen ist total und so sind auch seine Gedanken: „I’m corrupt to the core“, meint Winston Smith selbst und nur die Liebe mag den hypnotischen Bann des Führers - zumindest für einen historischen Augenblick - zu brechen. Eine Stimme verliest, was der Staat im letzten Jahr alles produziert hat. Orgasmus ist zwar verboten, aber Extase lässt sich bei den Massenversammlungen vor dem Führer und einer riesigen Leinwand erleben, vor allem dann, wenn Bilder des Erzfeindes gezeigt werden. Frei nach Wilhelm Reich. Im Sozialismus durfte man keine schönen Kleider tragen und auch keine Schminke auftragen. Dafür gibt es Büchsenfleisch.

Hochkarätige Besetzung
Die hochkarätige Besetzung mit John Hurt als Winston Smith, Richard Burton als O’Brien und Suzanna Hamilton als Julia sowie die Musik von der bekannten Band Eurythmics sorgen bei dieser Literaturverfilmung nach George Orwell für eine ordentliche Portion Respekt, auch bei Orwells Erben, die mit der freieren Filmversion von 1956 (Regie: Michael Anderson) nicht so ganz einverstanden waren und die hier nun vorliegende Version für ihre Vorlagentreue ausdrücklich lobten. Für Richard Burton war die Rolle des O’Brien übrigens die letzte Filmrolle seines Lebens.

England, 1948
London, die Hauptstadt des Reiches Ozeanien, lebt so wie das ganze Reich im andauernden Kriegszustand mit den Mächten Ostasien oder Eurasien. Und dieser Ausnahmezustand rechtfertigt natürlich auch die Diktatur, denn solange es äußere Feinde gibt ist auch jede innerstaatliche Opposition vom Feind direkt gesteuert. Die Partei des Großen Bruders sorgt aber dennoch für Prosperität, wenn man sich an die Regeln hält, bekommt man sogar Arbeit. Winston Smith, ein Mitglied der Äußeren Partei, arbeitet für das Ministerium der Wahrheit, denn wer auch immer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht auch die Zukunft und so muss Smith sogar Zeitungen aus der Vergangenheit für das Regime fälschen. Der an und für sich absurde Vorgang wird authentisch durch die Luftpoströhren (à la Terry Gilliam) vermittelt und zaubert ein authentisches und sehr beklemmendes Bild der absoluten Überwachung in einem Staat nicht allzu fern von der heutigen allgegenwärtigen Durchdringung durch das Internet oder andere Spionagedienste. Selbst die Liebe zu Julia muss Winston Smith schließlich verraten, denn auch die Opposition ist von der Regierung durchdrungen und die besten Freunde sind die ärgsten Feinde, denn sie waschen auch ihm das Gehirn, dass er am Ende sogar sich selbst und seine Liebe verrät. Meinte Orwell wirklich die Sowjet? Oder Hitlerdeutschland? Oder nicht vielleicht doch das Nachkriegsengland? Geschrieben hat er sein Buch jedenfalls 1948, deswegen auch der Titel „1984“.
Beklemmend, authentisch und vorlagengetreu. Ein Film der die totale Überwachung visualisiert und so mancher Utopie eine sehr realistische Dystopie entgegensetzt, aber auch die englische Nachkriegsgesellschaft sehr realistisch charakterisiert, denn Orwell hatte bei 1984 sicherlich auch daran gedacht. Der Evening Standard British Film Award des Jahres 1985 verlieh „1984“ die Auszeichnungen für Bester Film und Bester Hauptdarsteller (John Hurt).

Michael Radford
1984
1984, 106 Minuten

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-10-20)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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