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Margrit Richner - Poesie italiane - Italienische Gedichte
Buchinformation
Richner, Margrit - Poesie italiane - Italienische Gedichte bestellen
Richner, Margrit:
Poesie italiane -
Italienische Gedichte

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(Bücher frei Haus)

Beim Fuchs ist gut füchseln
Es gibt sie noch, die zweisprachigen Bücher, die es einem erleichtern, ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte im Original und gleichzeitig in der Übersetzung in die Muttersprache zu lesen. Der Lerneffekt dabei ist enorm, lassen sich damit doch nicht nur eigene Übersetzungsübungen machen, sondern auch gleichzeitig die eigene Sprache verbessern und so das Ausdrucksrepertoire erweitern. Der deutsche Taschenbuchverlag, dtv, hat in seinem Programm nicht nur Spanische, Französische und Griechische, sondern auch die mir hier vorliegenden Werke in zweisprachiger Version neu aufgelegt und mit den beiden jeweiligen Übersetzern in Muttersprache, Margrit Richner/Umberto Gioacchini, quasi auch gleich die Garantie für deren Richtigkeit übernommen. Die „italienischen Gedichte“ enthalten immerhin 64 italienische Gedichte vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. Proverbi italiani, also italienische Sprichwörter glänzt außerdem nicht nur durch die Übersetzungsarbeit von Ferdinand Möller und Curt Ludwig und Hanna Dehio, sondern auch durch die lustigen Illustrationen von Simone Klages, etwa der lesende Fuchs, der sich auch gut als ex libris Druck verwenden ließe. „Con la volpe conviene volpeggiare“, heißt nicht umsonst eine italienische Redensart: „Beim Fuchs muss man schlau wie ein Fuchs sein.“ Unnachahmlich dabei natürlich die italienische Lautmalerei des „volpeggiare“ in dem das Wort Fuchs ja schon enthalten ist, man dürfte also – freier übersetzt - wohl auch „Beim Fuchs ist gut füchseln“ hinzufügen, selbstverständlich ohne Gewehr …äh… Gewähr. Weitere Sprichwörter findet man übrigens auch zu den Themenkreise Liebe, Arbeit, Essen, Trinken, Herr und Knecht, Weise und Narren, Glück und Unglück oder zur Kunst zu leben, was uns gleich zu den „italienischen Gedichten“ bringt.

Für mich die jungen frohen Frauen
„Bianchina la slava/seminapulci, la zingara/ha figliato nella legnaia./Porta i cuccioli appresso/raminga per amore/di libertà. Rifiuta/ il latte, ruba/per non mendicare,/ringhia per non farsi/lisciare“, schreibt Leonardo Sinisgalli in einem unvergesslichen Gedicht an eine gewisses „Schneeweißchen“, die Bianchina. Diese Slawin, die Flöhe säe, die eine Zigeunerin im Schuppen geworfen habe, sie trage Welpen mit sich herum, laufe hin und her aus Liebe zur Freiheit, verweigere die Milch, raube um nicht zu betteln, knurre, um sich nicht streicheln zu lassen, diese Bianchina wird von Sinisgalli besungen in diesem kleinen und wunderbaren Gedicht, das einen vor Rührung in die Knie zwingt, nicht nur wegen der wunderschönen Bilder oder des Namens, sondern auch wegen der Vorstellungen, die es auslöst, die einen hinwegtragen über die Alpen und an den Gestaden eines Meeres stranden lässt, wo die Sonne ohne Unterlass scheint. „Wär ich Feuer, ich verbrennte die Welt;/wär ich Wind, ich überzoge sie mit Stürmen;/wär ich Wasser, ich ertränkte sie;/ wär ich Gott, ich ließe sie versinken./“, dichtet Cecco Angiolieri im 13 Jahrhundert, „s´i´ fosse Cecco, com´i´sono e fui/torrei le donne giovani e leggiadre:/e vecchie e laide lasserei altrui“; Wär ich Cecco, der ich bin und war/ nähm` ich für mich die jungen frohen Frauen: alte und ungestalte ließ ich den andern.“

Amore con dolore
„Warum mein Schmachten voller Süße ist?“ frägt ein Giordano Bruno, dessen Statue heute noch stolz am Campo dei Fiori in Rom steht, wo der Priester, Dichter und Philosoph als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. „Weil dieser Fackelschein mich so verzückt, weil Amors Bogen mich so süß verwundet,/weil in dies Knotengarn mein Wunsch geknüpft ist/mir sei auf ewig dies vergönnt:/ entflammt das Herz, durchbohrt die Brust, die Seele in Schlingen.“ Das Schicksal, das zuvor den Schmetterling, den Hirsch und das Einhorn ereilt hatte, ereilt in seinem Gedicht nun auch den Liebenden, der von seiner Liebsten verlassen wurde und nicht weiß warum, der den süßen Schmerz genießt, weil er für ewig währt, wohl länger als die Liebe noch. Unterhaltsames steuert wiederum Umberto Saba bei, der mit einer Ziege gesprochen hat „Ho parlato a una capra“ und in ihrem Gesicht alle Beklagung jedes anderen Übels und jedes anderen Wesens verstanden hat. „Quell´uguale belato era fraterno/al mio dolore. E io riposi, prima per cellia, poi perché il dolore è eterno, ha una voce e non varia.“ Auch hier ist das einzig ewige der Schmerz, das immer gleiche Meckern (belato) sei verwandt zu seinem Schmerz, schreibt Sabo, der sich auch mit einem anderen Gedicht über Triest in die Ewigkeit des Schmerzes und die Herzen der Triestiner eingeschrieben hat: „La mia città che in ogni parte è viva, ha il cantuccio a me fatto, alla mia vita pesosa e schiva.“ (Meine Stadt, die in jedem Teil lebending ist, hat mir ein Eckchen zubereitet für mein besinnliches und scheues Leben.).

Margrit Richner/Umberto Gioacchini
Poesie italiane – Italienische Gedichte
Dtv 2011

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-04-18)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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