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Nicolas Roeg - Blackout - Anatomie einer Leidenschaft
Buchinformation
Roeg, Nicolas  - Blackout - Anatomie einer Leidenschaft bestellen
Roeg, Nicolas :
Blackout - Anatomie
einer Leidenschaft

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(Bücher frei Haus)

„Man muss nicht drogensüchtig, ein Päderast, ein Sadomasochist oder ein Dummkopf sein, um an Performance gefallen zu finden, aber es würde helfen, wenn man eines oder mehreres davon ist.“, schrieb John Simon in der New York Times über einen der bekanntesten Filme des britischen Regisseurs. Auch in „Bad Timing“, Roegs fünfter Spielfilm, spielt wieder ein Rockstar mit und ein Manager der Verleihfirma urteilte ähnlich wie bei Performance auch über Bad Timing: „Ein kranker Film von kranken Menschen über kranke Menschen“. Wahrscheinlich haben gerade solche Aussagen dazu beigetragen, Roegs Filme über das britische Königreich hinaus bekannt zu machen. Die Liebesgeschichte über die aus Osteuropa stammende Milena (Theresa Russell) und Alex (Art Garfunkel) ist allerdings tatsächlich so skandalös wie anstößig und spielt im Wien der Achtziger Jahre, als der Kalte Krieg die Stadt zum Begegnungsplatz zwischen Spionen aus Ost und West machte.

Wien, Stadt der Spione
Auch Alex, der Psychologie-Professor an der Universität, bezeichnet sich selbst als Voyeur und Spion in einer seiner Vorlesungen und wie eine seiner Studentinnen richtig bemerkt, ist eigentlich jeder von uns so etwas wie ein Spion (gerade dann natürlich, wenn man sich Filme ansieht). „Die Glut in Roegs Filmen kommt nicht vom klaren Strahlen in Vollendung, sondern vom enigmatischen Brennen der Widersprüche und dem unheimlichen Flackern, wenn Bruchstellen aneinander reiben – Brüche im Schauspiel, der Inszenierung, dem Aufeinanderprallen gesuchter und zufällig gefundener Elemente“, so Christoph Huber im beiliegenden und sehr aufschlussreichen Booklettext. Seinen Ruhm verdankt Bad Timing aber natürlich vor allem auch der ausgezeichneten Darstellung der Milena durch die erst 23-jährige Theresa Russell, die später vom Regisseur selbst geehelicht werden sollte. Aber auch das meist regennasse Wien der Achtziger Jahre mit seiner Klimt und Schiele Gemäldesammlung trägt stark zur Atmosphäre des Films bei. Schon in „Don’t look now“, im deutschsprachigen Raum besser bekannt unter dem Titel „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, rechnete Roeg stark auf die anziehende und verschwörerische Komplizenschaft des dekadenten Venedig. In Bad Timing ist es Wien, das diese Rolle übernimmt und in der die Kamera von der Goldenen Adele (Klimt) zu Tod und Mädchen (Schiele) die Handlung vorwegnehmend schwenkt.

Liebe als Obsession
„You must understand, you see, it’s not enough to love a woman, when she’s so difficult. You must love her tremendously. More even than one’s own dignity. Don’t you agree?“, frägt Stefan, der vermeintliche Ehemann von Milena am Ende des Films Alex, der einen Mann verkörpert, der Frauen nur als Anhängsel betrachtet. Blond müssen sie sein, lange Beine haben und gut im Bett, aber mit der eigentlichen Frau selbst will Alex gar nichts zu tun haben. Er erkennt nicht ihre Schmerzen und ihr Leid und er liebt sie nur für ihr Äußeres, was schließlich auch in einer sehr grausamen Vergewaltigungsszene vom Regisseur zum Ausdruck gebracht wird. Einer der dramatischen Höhepunkte ist aber sicherlich auch die Begegnung zwischen dem untersuchenden Kommissar Netusil (der junge Harvey Keitel) und Alex in der verwüsteten Wohnung von Milena. Explizit hält Netusil Alex die Spermaflecken auf dem Bettüberwurf unter die Nase und versucht ihn mit einer geschickten Verhörmethode zu einem Geständnis zu überreden. Die Szene zeigt deutlich, dass Polizeiarbeit auch etwas mit Psychologie und Sigmund Freud zu tun hat. Ganz abgesehen davon, dass ein kleiner Spion ja in uns allen steckt.

Nicolas Roeg
Blackout – Anatomie einer Leidenschaft
Originaltitel: Bad Timing

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-04-15)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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