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Raymond Roussel - Locus Solus
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Roussel, Raymond  - Locus Solus bestellen
Roussel, Raymond :
Locus Solus

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(Bücher frei Haus)

Timbuktu gibt es wirklich. Nicht nur in den teilweise etwas wirren Aufzeichnungen Raymond Roussels, der nicht nur von den Surrealisten geliebt wurde, sondern auch von vielen anderen Anhängern der Moderne wie etwa Francis Picabia, Marcel Duchamp, Louis Aragon, Andre Gide, Paul Eluard oder Max Ernst, Michel Foucault und sogar Jim Jarmusch. Auf 289 Seiten schildert Roussel die Geschichte um das Künstlergenie Martial Canterel, der auf sein weites Anwesen von Montmorency, den „Locus Solus“, einen verschwenderisch ausgedehnten Park, einige Vertraute einlädt. Auf sieben Stationen, führt er den Freunden wie in einem Zaubergarten, seine phantastischen Erfindungen vor und formt seine puren Imaginationen zu einem visionären Sprachschauspiel, das natürlich besonders dem Übersetzer großes Kopfzerbrechen bereitete. Allein der Titel des Romans lässt schon sehr viel Interpretationsspielraum offen, denkt man doch zuerst an einen einsamen (solus) Ort, der aber so einsam nicht sein kann, wo doch Freunde und Erfindungen anwesend sind. Aber „solus“ stehe eben vielmehr für sol-us, also le sol, Sonne, oder soleil oder vielleicht auch „solide“, aber natürlich auch „solitude“, also Einsamkeit. Wird gerade in dieser, der Solitude, der Erfindungsgeist angereichert und inspiriert oder bedarf es doch der Inspiration durch andere, Gäste, Besucher, Freunde?
Reich kommentierte Wort- und Klangspiele
In seinem Kommentar schreibt der Übersetzer Stephan Zweifel, dass nicht nur Wort- und Klangfelder in Roussels Text verborgen seien, deren Sprengkraft man oft sogar noch entdecken müsse, sondern auch das Genie einer verletzten Seele. Bis zu drei Stunden habe Roussel über Eigennamen gebrütet und sich in seinem Garten an literarischen Vorbildern wie Octave Mirabeus „Garten der Qualen“ (1899) ebenso orientiert wie an „Uranie“ (1889) von Camille Flammarion. Natürlich sei aber auch eine Referenz an Jean-Jacques Rousseaus „Reveries du promeneur solitaire“ (den Träumereien eines einsamen Spaziergängers) zu erkennen. Genau in Montmorency, wo Roussel seinen Locus Solus verortet, habe nämlich Rousseau zwischen 1746 und 1762 die Gastfreundschaft einer gewissen Madame d’Epinay genossen, alles andere also als „solitär“, nichtsdestotrotz ein wunderbarer Ort, die Phantasie eines Roussel zu beflügeln. Der Mensch, der für Rousseau ja eher ein ungeselliges, solitäres Wesen ist und erst durch objektive Zwänge wie Naturkatastrophen zum sozialen Wesen geworden sei, habe neben der Selbstliebe (amour de soi) auch das Mitleid (pitié), ein Gattungsgefühl, das nach Rousseaus Überzeugung auch die Tiere kennen würden. Vernunft, die Einbildungskraft und das Gewissen seien dem Menschen am Anfang noch fremd gewesen. Das Böse komme eigentlich erst in die Welt, als der Mensch gezwungen worden sei, sich auf andere einzulassen. Aber er differenziert auch zwischen natürlicher Selbstliebe (amour de soi) und der naturwidrigen Eigenliebe oder Selbstsucht (amour propre). Mit Madame d’Epinay verband Rousseau aber sicherlich mehr als nur ein Locus Solus.
Märchenhafte Reise in einen Zaubergarten
Roussels Werk wird in der wunderschön gestalteten Ausgabe der ANDEREN BIBLIOTHEK in der Druckfassung von 1914 vorgelegt und zudem durch Episoden aus der erstmals veröffentlichten Urfassung ergänzt. Stefan Zweifel hat sie entziffert, kommentiert, aus dem Französischen übertragen, die Übersetzung Cajetan Freunds überarbeitet und ein Nachwort verfasst. Raymond Roussel, der im Jahre 1933 unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, wurde von Stefan Zweifel nachhaltig in der französischen Nationalbibliothek auf bisher unveröffentlichte Manuskripte und Dokumente aus Roussels Besitz untersucht und nun erstmals in seiner Überarbeitung des Romans berücksichtigt. Manchesmal erinnert Roussel an die märchenhaften Erzählungen der Scheherezade, die, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu erhalten immer neue Geschichten in die Haupterzählung einflocht und so nie zu einem Ende kommen konnte. Roussels ebenso „märchenhaften wie abstrusen“ Geschichten, von Roussels Afrika-Reise inspiriert, legen nicht nur afrikanische Fetische aus Timbuktu bloß, sondern auch Wiederauferstehungen oder Goldschöpfungen frei. Ein Vergnügen der ganz besonderen Art!

Raymond Roussel
Locus Solus
Die Andere Bibliothek, Berlin 2012
Übersetzt aus dem Französischen und kommentiert von Stefan Zweifel
Gebunden, 487 Seiten, 34,00 EUR
ISBN 9783847703297

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-08-13)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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