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Tex Rubinowitz - Rumgurken: Reisen ohne Plan, aber mit Ziel
Buchinformation
Rubinowitz, Tex - Rumgurken: Reisen ohne Plan, aber mit Ziel bestellen
Rubinowitz, Tex:
Rumgurken: Reisen ohne
Plan, aber mit Ziel

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(Bücher frei Haus)

Rubino-witz oder der deutsche Humor
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Im Falle Tex Rubinowitz, dem bekennenden Claudia Schiffer Fan, war es aber nicht nur eine Reise, sondern insgesamt mindestens 15, so viele Kapitel hat nämlich diese wohl nicht ganz so ernst gemeinte Reiselektüre, die auf vielen Reisen durch den Globe entstand und die man wohl auch am besten dabei, beim Reisen, liest. Die kurzweiligen Geschichten sind unterhaltsam und in der richtigen Länge und widmen sich jeweils einem bestimmten Land und Rubinowitz‘ Erlebnissen auf seinen Reisen dorthin. „Ich glaube, ich war nur fasziniert von dem schieren Gewicht der zur Wirkungslosigkeit verdammten Geschichte“, heißt es da an einer Stelle in „Rumgurken“ oder: „Ich bin der Schatten eines Wracks im Zwielicht meines eigenen Mitleids“. Manchmal muss man einen Satz zweimal lesen, manchmal braucht man aber auch die Hilfe eines Online-Lexikons, um den Autor zu verstehen oder sollte man ihn vielleicht besser laut lesen? „Ich hätte das als Zeichen der Solidarität mit meiner eigenen Limnizität wertgeschätzt.“, meint Tex Rubinowitz.

Erbsen - das Koka der Finnländer
Über Finnland erfährt der Leser hingegen wirklich viel. „Wein, Kernspaltung und Blechbläser“ gehörten zumindest für den Autor zu den festen Bestandteilen Finnlands, auf das man sich zumindest einmal im Leben einlassen sollte. Im Lappländischen Sodankylä findet nämlich das von Aki und Mika Kaurismäki seit 1986 veranstaltete Midnight Sun Film Festival statt, das Rubinowitz seit 1990 jedes Jahr besucht. „Veri, Vesi und Mesi“ schwitzt er dort, denn „Blut, Wasser und Honig“ seien die einzigen drei Wörter, die die beiden finnisch-ugrischen Sprachen tatsächlich gemeinsam hätten, so Rubinowitz. „Die Schmerzen in meinem Kopf gerannen, wie saure Milch in einem dünnen Kaffee flockt“. Ist das ein würdiges Bild für die Beschreibung eines Katers nach einer durchzechten Nacht, ausgelöst durch das unschöne Aufwachen aufgrund dröhnenden Vogelgezwitschers? Aber es gibt noch viel mehr Sprachbilder, in diesen Rubino-witz-schen Reisebeschreibungen und einige davon muss man einfach kennen: Die Finnen würden Hülsenfrüchte, besonders Erbsen „wie die Bolivianer ihre Kokablätter“ verzehren. „Viele Gäste legten, dem Stupor ergeben, ihren Kopf auf den Tisch und schliefen, wir tranken und rauchten und begannen das Lied immer mehr zu mögen und mit den Hannoveraneren mitzupfeifen wie die Lapplandameisen.“ Mit „diesem Lied“ ist „Wind of Change“ von der wohl schrecklichsten Band Deutschlands gemeint. Und das in Finnland!

Nackt, jung und betrunken in Italien
„Aber wir waren nackt, jung und betrunken“, das liest sich fast wie „Ich war jung und brauchte das Geld“, aber Rubinowitz spricht natürlich von seinem Zustand in Italien, wo ja alle Leute nur sehr leicht bekleidet sind und betrunken und jung. Junge Italiener würden maximal 120 Meter vom ehemaligen Elternhaus entfernt wohnen. Der internationale Durchschnitt sei aber immerhin 27 km, so Rubinowitz. Manchmal liest sich Rubinowitz dann wie ein oben bereits angesprochenes Online-Lexikon, etwa wenn er den Leser über Sandalyon belehren möchte, das von den Griechen so genannte Sardinien, das einer „ausgelatschten Sandalette“ ähnle. „Seeigel, Akupunkteure Gottes“ ist ein Sprachbild, das Rubinowitz wohl unter der sardischen Sonne gekommen sein muss, denn die ist wirklich gnadenlos. Wenn er Italien verlasse, so Rubinowitz, bleibe ihm immer ein komischer – kein schaler – Nachgeschmack. „(…)dieses ganze cremige Leben an der Oberfläche, am richtigen Leben vorbei, diese Pause im Dasein, das ganze Theater, verdammt, es ist da draußen nicht so, wie ihr das hier spielt“. Da mag man natürlich anmerken, dass gerade eine Reiseredakteur auch nicht unbedingt ein viel richtigeres (gemeint: realeres, wirklicheres) Leben führt, besonders wenn man in Länder reist, deren Sprache man nicht kennt, sollte man dann doch besser die Zunge hüten, bevor solche Klischees herauspurzeln, denn „Stigmata sind doch dazu da, abgeschüttelt zu werden“(O-Ton), oder?

Ausgedzongt in Bhutan mit einer Ampel in Kuhfladen
„Die Sehnsucht wird immer groß sein, größer als die Befriedigung durch das Erreichen des Ersehnten.Ich würde einen Atlas heute noch jedem Reiseführer vorziehen“, zitiert Rubinowitz die deutsche Schriftstellerin Judith Schalansky am Anfang seines besten Essays mit dem witzigen Titel „Ausgedzongt in Shangri-La“. Das Zitat auf „Reiseführer“ und nicht nur Reiseführer anzuwenden erspare ich mir an dieser Stelle aus Pietätsgründen und weise stattdessen auf das Wort „Dzong“ in Rubinowitz‘ Titel hin, denn tatsächlich ist es eine Stadt in Bhutan, genauer gesagt eine Klosterfestung und „Ausgedzongt in Shangri-La“, dem „Land der Leidenschaftslosigkeit“, so Rubinowitz, das klingt dann schon fast so wie „Fear and Loathing in Las Vegas“. Bhutan, das „Land des Spargels und des Wiedehopfs“ wird zu einem religiös-kathartischen Erweckungserlebnis Rubinowitz‘, denn dorthin hat er die erste (Straßen-)Ampel für das kleine Land im eigenen Gepäck gebracht und pflanzt sie in eine Kuhflade. So handeln eben nur wahre Eroberer.

Weitere Reisen führen den Unermüdlichen nach Budapest, Zürich, Rumänien, in die Vereinigen Staaten und viele viele Länder mehr…

Tex Rubinowitz
Rumgurken: Reisen ohne Plan, aber mit Ziel
Rowohlt Paperback

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2012-10-21)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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