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Martin Rupps - Ich will nicht mehr zwanzig sein
Buchinformation
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Rupps, Martin:
Ich will nicht mehr
zwanzig sein

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(Bücher frei Haus)

Nach dem großen Erfolg seines Blickes auf die „geburtenreichen Jahrgänge“ (Babyboomer) nun das neueste Werk des geschärften Blickes auf die Generation, die demnächst das demoskopische Problem Deutschlands darstellen wird.
Vorwegnehmend: Mit einem wunderbaren Humor und in gewohnt fließendem Stil ein reines Vergnügen. Nicht nur für jene, die im angesprochenem Alter von Anfang 40 bis Mitte 50 gerade sind.

In einer Zeit, in der mit dem Rentenalter bei vielen für den ersten Triathlon geübt wird, die Fahrradindustrie highend carbon Rennräder an Massen von Amateur Armstrongs und Ullrichs verkauft, rüstige Rentner im neuen, bonbonfarbenen Porsche atmungsaktive Lycra Shirts zum Joggen oder Walken in den Wald bewegen, einer Zeit, in der die plastische Chirurgie im Blick auf Männer und Frauen Umsatzrekorde anmeldet und Konfektionsgrößen nur noch schmal geschnitten auf den Markt kommen dürfen, da ist der Titel des Buches fast ein Affront.

Deuten nicht alle Zeichen darauf hin, dass wir alle zwanzig bleiben wollen, für immer?

Nein, und das ist gut so. Martin Rupps, selbst im genau richtigen Alter derer, über die er schreibt, bricht eine Lanze für den Lebensgenuss und die Vorteile der „mittleren Jahre“ gerade durch sein prägnantes Nachvollziehen der prägenden Elemente der „Jugendjahre“ der Babyboomer.

Ausgehend von der Tatsache und dem dennoch erschreckenden Erleben, „älter zu werden“ stellt er sich seinem Alter samt seiner wunderbaren Möglichkeiten, aber auch seinem langsam an Irritationen reicher werdendem Leben im Blick auf die Welt (wunderbar, die Reflexion der zu kurzen T-Shirts der „Jungen“ im Kapitel „Bauchnabel frei“).
Martin Ruppss lässt keinen wesentlichen Bereich des Lebensgefüges aus, welches die Babyboomer zu dem gemacht hat, was und wie sie heute sind. Und dies, bei allem Humor und leichter Lesbarkeit, durchaus auch mit dem nötigen Tiefgang versehen. Seine Betrachtungen des nicht einfachen Beziehungslebens der Generation der nun um die 50jährigen und deren mangelnder Fähigkeit, der inneren Hemmung, einen „Anker“ zu werfen, setzt nachvollziehbar in den Raum, dass und aus welchen Einflüssen und gesellschaftlichen Umständen heraus „wir Babyboomer irritierte Männer und Frauen (geworden) sind“.

Ein Buch, das bei aller Fürsprache für die Akzeptanz und die Möglichkeiten des Älterwerdens dennoch einen durchaus wehmütigen Blick auf die „Sturm und Drangzeit“ der Generation der Babyboomer mit ihrer ganz besonderen gesellschaftlichen Prägung der damaligen Zeit wirft. In dem „der Zauber des Anfangs“ gewürdigt wird, ABBA ihren Platz finden, aber auch die „Freude über das nunmehr Erreichte“ nicht zu kurz kommt.
Martin Rupps macht Mut, nun die „Ernte“ jener Prägung in bester Weise selbstbewusst gegenüber gegenwärtiger zeitlicher Strömungen einzufahren.
Das Buch beinhaltet zudem genügend universelle Elemente, um auch für Menschen außerhalb des direkt angesprochenen Alters mit Gewinn lesbar zu sein.

„Ich möchte mit der Erfahrung von heute nicht mehr 20 sein“, so lässt Martin Rupps sein Buch ausklingen. Aber schön war sie, diese Zeit, als man zwanzig war. Auch das ein Erlebnis (und Ergebnis) dieses in wunderbarem Stil und angenehmer Sprache verfassten Buches.

[*] Diese Rezension schrieb: Michael Lehmann-Pape (2010-04-17)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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