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Chukiat Sakveerakul - The Love of Siam
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Sakveerakul, Chukiat - The Love of Siam bestellen
Sakveerakul, Chukiat:
The Love of Siam

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(Bücher frei Haus)

Was hat diesem Film von 2007 den Riesenerfolg in Thailand und darüber hinaus in Ost- und Südostasien verschafft? Und was ist an ihm so irritierend fürs europäische Publikum? Vorab so viel: Er ist zweieinhalb Stunden lang, weist einen langsamen Erzählrhythmus auf, ist hochgradig gefühlvoll und löst die in der Handlung enthaltenen Probleme entweder gar nicht oder auf eine uns möglicherweise befremdende Weise.

Die Sonderbarkeiten beginnen schon damit, dass im Zentrum der Handlung eine Familie steht, die der winzigen Minderheit katholischer Christen angehört. Entscheidendes geschieht hier an Weihnachtsfeiertagen, und die Rolle des Tischgebetes wird wiederholt thematisiert. Nächste Überraschung: Diese Familie ist matriarchalisch strukturiert. Sunee, die Mutter, dominiert mit ihrer Vernünftigkeit, sie organisiert die Abläufe, übernimmt Verantwortung. Ehemann Korn ist allzu weich und entwickelt sich für sie zum Versager, dem sie dennoch treu bleibt. Tang, die Tochter, verschwindet anlässlich einer Reise auf ungeklärte Weise im Dschungel. Mit Tong, dem Sohn, zieht die Familie danach innerhalb Bangkoks um. Korn wird infolge des Verlusts der Tochter zum depressiven Trinker und entwickelt eine Leberzirrhose. Tong geht noch zur Schule und hat ein Verhältnis zur hübschen Donut, das ihn unbefriedigt lässt.

Tong begegnet auf dem Siam Square, einem Treffpunkt junger Leute, erstmals wieder einem Freund aus Kindertagen - Mew. (Mit den Episoden von damals hat der Film begonnen.) Mew, ebenfalls noch Schüler, ist jetzt auch Komponist, Textdichter und Vorsänger einer Band, die gerade bekannt zu werden beginnt. Die alte Freundschaft lebt wieder auf. Mew ist schwul, Tong weiß jetzt nicht mehr, wo er sich einordnen soll. Über Mew stößt Tong auf June, die seiner verschwundenen Schwester täuschend ähnlich sieht. Mutter und Sohn präsentieren die rätselhafte junge Frau zu Hause als heimgekehrte Tang. Korn scheint es zu glauben, Sunee wird unsicher: Ist sie am Ende tatsächlich die Tochter? Als June/Tang genügend Geld beisammen hat, verlässt sie die Familie (wieder?) und bricht nach Nordthailand auf.

Sunee zerstört die sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen Tong und Mew. Und dann ist da noch die junge Chinesin Ying, die mit Woodoo-Praktiken vergeblich versucht, sich Mew geneigt zu machen. Eine Zeitlang schwankt Tong zwischen Donut und Ying und gibt am Schluss beide auf. Er verzichtet aber auch endgültig auf Mew, dem er gleichwohl noch seine Liebe gesteht. Es ist Weihnachten, und Tong kehrt in den Schoß der Kleinfamilie zurück, man weiß nicht, ob eher resigniert oder doch mit sich zufrieden. Mew weint allein. Abspann.

Das Filmende mutet ohne Zweifel buddhistisch an: so viel Entsagung. Und fernöstlich-konfuzianisch der unbedingte Vorrang der Familie vor den individuellen Interessen ihrer Mitglieder. Das ist der Grundkonflikt des Filmes: die Konfrontation einer fragilen, doch letztlich überdauernden Kernfamilie mit zwei Außenseitern. Der schwule Mew war Großmutterkind, er lebt nun allein in Bangkok. Die emanzipierte June, ehe sie ins Ungewisse aufbricht, ermuntert die Zurückbleibenden, beieinander zu bleiben. Das Paradoxe der Konstellation besteht darin, dass ausgerechnet eine christliche Familie diesen asiatischen Werten Leben einhaucht. Mir scheint, der Film führt multikulturelle Interferenzen vor und relativiert die verschiedenen Wertsysteme, indem er sie ein wenig gegeneinander ausspielt. Die Religion des Westens macht ihre Anhänger in diesem Drama nicht glücklich, aber die modernen Individualisten werden es ebenso wenig.

All das ist gekonnt und unterhaltsam in Szene gesetzt. Nebenbei bekommt man einen Eindruck von thailändischer Popkultur. Mews Lieder im Film verkauften sich später hervorragend. Witwisit Hiranyawongkul, der Mew spielt, war schon zuvor Sänger, Pianist und Komponist gewesen. Die Film-Band „August“ blieb nach den Dreharbeiten zusammen und nutzte den Filmerfolg für ihren eigenen Aufstieg weit über Thailands Grenzen hinaus. Was den Darsteller des Tong betrifft, so trägt er den nicht gerade thailändisch anmutenden Namen Mario Maurer – er ist der Sohn eines Deutschen und einer Chinesin. So spiegelt „The Love of Siam“ auch die komplexe Internationalität von heute wider, in der ein gut gemachter Film eines kleineren exotischen Landes die Chance hat, selbst ein Stück Weltkultur zu werden.

[*] Diese Rezension schrieb: Arno Abendschön (2012-08-25)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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