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Rezensionen


 
Hans-Jürgen Schaal - Jazz. New York in the Roaring Twenties
Buchinformation
Schaal, Hans-Jürgen - Jazz. New York in the Roaring Twenties bestellen
Schaal, Hans-Jürgen:
Jazz. New York in the
Roaring Twenties

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(Bücher frei Haus)

Eigentlich begann alles während des Krieges. „During the First World War, when the munitions industry was operating at full stretch and foreign immigration had almost ground to a halt, there were labor shortages in the northern industrial cities“, erklärt der Herausgeber in seinem Vorwort den schwarzen Bevölkerungszuwachs in Chicago, New York oder „Motown“ (Motortown aka Detroit). Die neuen Arbeitskräfte aus dem Süden brachten auch ihre Musik in die Industriestädte und Fabriken des amerikanischen Nordens. „Harlem“ wurde so sogar zur „Negro Capital of the World“, wie es in der Ouverture dieser außergewöhnlichen Hommage an eine vergangene Ära heißt. Denn nicht nur der Text, sondern auch die Illustrationen bieten vielseitige und neue Interpretationen einer der bewegtesten Zeiten des vergangenen Jahrhunderts, als die USA noch ein Apartheid-Staat war und eine unterdrückte Minderheit um ihre Rechte zu kämpfen begann, die sie allerdings erst zögerlich nach dem Zweiten Weltkrieg gewährt bekam.

North 130th Street und east of 8th Avenue wurde in den Zwanziger Jahren zu einer gänzlich schwarzen Neighbourhood und so zur Keimzelle dessen, was man heute den New York Jazz nennt. Harlem sah die ersten Siegesparaden schwarzer Divisionen, die tapfer im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten und die ihre Waffen nie mehr so ganz aus den Händen geben würden. „We return./We return from fighting. We return fighting“, hieß ein verbreiteter Slogan der NAACP (Nation Association for the Advancement of Colored People) schon zu Beginn des Jahrhunderts. Die „Unsichtbaren“ (so der Titel eines Romans von Ralph Ellison) wurden zu einer nicht mehr zu vernachlässigenden Einheit, weil sie sich organisiert hatten und um ihre Recht kämpften. Die UNIA (Universal Negro Improvement Association) hatte 1920 schon 25.000 Mitglieder, weitere „Massen“ sollten folgen.

Jazz, der 1917 noch mit Doppel-S geschrieben wurde, verkaufte sich bald auch am „weißen“ Broadway, nicht nur weil er zunehmend das Piano benutzte, sondern wohl auch wegen den beeindruckenden weiblichen Sängerinnen. Einige davon sind auch auf der der Publikation beigelegten CD zu hören, wobei der Großteil allerdings schon männlich dominiert ist. Aber wenn Bessie Smith und Louis Armstrong zusammen den „St. Louis Blues“ intonieren, bekommt man beinahe selbst etwas Heimweh, nach der „guten alten Zeit“, die für viele Schwarze Sklaverei-ähnliche Arbeitsverhältnisse bedeutete und Grund genug dafür lieferte, wirklich den „Blues“ zu bekommen. Worin der eigentliche Unterschied zwischen Jazz und Blues liegt, kann hier zwar nicht beantwortet werden, aber die Big Bands und satten Sounds der New Yorker Jazz-Szene der 1920er und prallvollen Tanzsäle sollten ja auch nicht zu Spitzfindigkeiten anregen, sondern vor allem zu einem: Tanzen!

Entworfen, illustriert und herausgegeben von Robert Nippoldt, huldigt die vorliegende TASCHEN-Publikation einer glanzvollen Ära der amerikanischen Musik und politischen Geschichte. Mit einer aufwendigen Zeichenkunst, historischen Fakten und amüsanten Anekdoten stellt das Großformat 24 herausragende Persönlichkeiten der New Yorker Jazz-Szene in den Roaring Twenties vor und wird durch eine CD mit Originalaufnahmen noch um ein weiteres Kunstgenre ergänzt. Das Buch erhielt die viele Auszeichnungen für die deutsche Originalausgabe, darunter den European Design Award, 2008, Stockholm- Stiftung Buchkunst: „Das schönste deutsche Buch“, 2008, Frankfurt- Illustrative: „Eines der schönsten Bücher Europas“, 2007, Berlin.

Jazz. New York in the Roaring Twenties
Robert Nippoldt, Hans-Jürgen Schaal
Hardcover mit CD, 21,6 x 34 cm
144 Seiten
€ 39,99

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-10-27)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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