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Wilhelm Schmid - Gelassenheit. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden
Buchinformation
Schmid, Wilhelm - Gelassenheit. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden bestellen
Schmid, Wilhelm:
Gelassenheit. Was wir
gewinnen, wenn wir
älter werden

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(Bücher frei Haus)

Schon seit der Antike beschäftigen sich die Philosophen mit dem richtigen Leben und so lautet denn auch eine zentrale Frage: Wie richtig leben? Die erlernbare Lebenskunst ist eigentlich eine techne tou biou, techne peri bion, also eine ars vitae, ars vivendi bei den Lateinern. Die Kunst des Lebens, im Sinne eines bewusst geführten Lebens. Und auch wenn der Wahlspruch der Münsteraner Band Alphaville von 1984 eigentlich von Bob Dylan (1974, also eher in der Generation Schmids) stammt und nicht von den Mitbürgern Schmids – nämlich „Forever Young“ – kann man den Ausführungen des Autors doch einiges abgewinnen, denn für immer jung bleibt wahrlich, wer sich vom Altern unbeeindruckt gelassen zeigt.
Epikurs Ataraxia (nicht-Unruhe) ist in der Postmoderne wieder in aller Munde, da das aufwühlende Leben in der Großstadt den Menschen so durcheinander wirbelt, dass er trotz seiner zur Schau getragene Coolness sich eigentlich nach etwas ganz anderem sehnt, nämlich – ecce homo! – richtig geraten, Gelassenheit. Dieses Lebensstadium tritt dann automatisch ein, wenn sich die Hormone endlich wieder etwas beruhigt haben und sich der Mensch nach einem wesentlichen Inhalt sehnt, der über das rein körperliche Bedürfnisbefriedigen hinausgeht. Man spricht heute sogar schon von einer Quarterlifecrisis – zumindest Schmid – wenn man sich die ausgelaugten Sportler anschaut, die schon Ende Dreißig in die Pension gehen und sich ihren Lebensinhalt neu definieren wollen. Aber wer immer geradeaus geflogen ist, für den sind „links und rechts“ natürlich keine Kategorien. „Spätestens um den 30. Geburtstag herum, stellt sich die Ahnung ein, dass der Horizont nicht auf Dauer so offen bleiben wird, wie es lange den Anschein hatte.“
Noch ist aber alles gut, resümiert auch Schmid, denn das Noch-Zeitalter im Leben eines Menschen beginnt dann, wenn die Mitbürger einen gehäuft mit diesem Wörtchen auf den fortschreitenden Prozess des Alterns aufmerksam machen: Noch ist es gut, aber es wird nicht so bleiben. Plötzlich zieht einen die Schwerkraft unnachgiebig nieder und man sieht sich unüberbrückbaren Hindernissen ausgesetzt. Doch Schmid weiß in seinem kleinen Büchlein Abhilfe, eine davon, die immer hilft, ist, sich hinter Gewohnheiten zu verschanzen, denn die geben Sicherheit und vor allem Struktur. „Gewohnheiten sind erholsam, da sie von Wiederholbarkeit und Verlässlichkeit geprägt sind“, so Schmid. Auch an die Lüste denkt er, aber wie schon Seneca wusste, tritt alsbald an die Stelle der Lüste, die Lust, keine mehr zu haben. Schmerzen und Glück, Berührung und Nähe , Liebe und Freundschaft sind wesentliche Lebensinhalte, die auch Schmid behandelt und wer sich ganz einsam fühlt, der kann sich immer an dem Gedanken beherzen, dass das Leben selbst, also das Leben per se immer die größtmögliche Vielfalt sucht und so jedes Leben lebenswert und –würdig ist, auch wenn es aus der Norm fällt. „Jede Erfahrung jedes Einzelnen ist aus der Sicht des Ganzen von Bedeutung.“ Ich bin eine der Möglichkeiten, die das Leben bereichern, das ist der Sinn des Lebens, so Schmid. Der Sinn des einzelnen Lebens ist der individuelle Beitrag zur vollen Entfaltung aller Möglichkeiten des Lebens selbst.

Wilhelm Schmid
Gelassenheit. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden
Insel Verlag 2014

[*] Diese Rezension schrieb: jürgen weber (2014-11-16)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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