Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Peter Scholl-Latour - Die Angst des weissen Mannes
Buchinformation
Scholl-Latour, Peter - Die Angst des weissen Mannes bestellen
Scholl-Latour, Peter:
Die Angst des weissen
Mannes

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Peter Scholl-Latour ist zweifelsohne einer der ausgewiesensten Kenner der internationalen Politik. Seit über einem halben Jahrhundert bereist er die Schauplätze der Weltkrisen, hat Kriege begleitet und Katastrophen analysiert. Seine Schwerpunkte bildeten Indochina und die islamische Welt und die machtpolitischen Querverbindungen dieser Konfliktherde brachten ihn immer wieder in Regionen, deren Existenz den meisten Empfängern seiner Analysen zuvor kaum bekannt war. Sein internationales Netzwerk geht über die gängigen Verbindungen der offiziellen Diplomatie weit hinaus und seine Botschaften waren immer dazu geeignet, heftige Dispute auszulösen. Sie passen schlichtweg nicht in das oft ersehnte Schema von Gut und Böse, den einen galt er oft als hoffnungsloser Reaktionär und anderen wiederum als allwissende Kassandra. Im Alter von 84 Jahren unternahm er erneut eine weltumspannende Reise und stellte sie unter die Leitfrage, inwieweit die Zeit des weißen Mannes mit seinen Imperien und seinen kulturell hegemonialen Einflüssen, die über Portugal, Spanien, die Niederlande, Frankreich, Großbritannien bis zu den USA gingen, zur Neige geht.

Angelehnt an den portugiesischen Dichter Luís Vaz de Camóes, der den Niedergang der lusitanischen Epoche begleitete, teilt er seine Reise in acht Cantos auf, die seine Reisestationen untergliedern. Scholl-Latour beginnt seine Erkundung in Ost-Timor und sie geht über Bali, Ozeanien, Java, die Philippinen, China und Kasachstan bis nach Kirgistan, wo sie endet. Wie in allen publizierten Berichten arbeitet er auch hier mit Querverweisen, die teils Jahrzehnte zurückgreifen und seinem schier unerschöpflichen Fundus an historischen Aufzeichnungen entspringen. Wer sich einlässt auf diese Art der assoziativen und historisch interpolierenden Analyse, die durch Fakten wie durch persönliche Erlebnisse durchsetzt ist, der wird reich belohnt.

Die einst strahlende imperiale Größe eines Kulturkreises, der seit Alexander dem Großen und dem Imperium Romanum, über die Seefahrernationen bis zur Neuen Welt in Form der USA den Globus beherrschte, hat sich laut Scholl-Latour verflüchtigt mit der jeweiligen Profanisierung der Eliten und Ideale. Die weltweite technische Reproduzierbarkeit der Instrumente und Verfahren haben das ihre dazu beigetragen, dass die unikate Qualität der imperialen Zentren ausfaserte und ihre Aura verlor. Mit der Degeneration der hegemonialen Eliten ging nicht selten die Emanzipation der peripheren Nationen einher und es wuchsen neue Zentren politischer Dominanz, die in kurzer Zeit auf der Weltbühne erschienen und für Verblüffung sorgten. Scholl-Latours Zorn richtet sich gegen den intellektuellen Müßiggang derer, die in der westlichen Hemisphäre das Sagen haben und er verfällt zuweilen in jene Melancholie, die ein Abgesang mit sich bringt. Die Stärke des Buches liegt – wie immer – in der unerschöpflichen, nahezu enzyklopädischen Reichhaltigkeit von Verweisen auf geopolitische Interdependenzen. Seine Kritik an der Profanisierung westlicher Politik ist nicht neu, sie dokumentiert allerdings auch ihr fürchterliches Ausmaß angesichts der globalen Machtverschiebungen.

[*] Diese Rezension schrieb: Gerhard Mersmann (2010-01-27)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Peter Scholl-Latour ansehen

->  Stichwörter: Politik

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


ElementarteilchenHouellebecq, Michel:
Elementarteilchen
Houellebecqs zweiter Roman, im Jahre 1998 bei Flammarion in Paris erschienen, polarisierte Leserschaft und Kritik wie nur wenige andere Bücher in den letzten beiden Dekaden. Er handelt von zwei Halbbrüdern, die zwar beruflich mitten in der modernen französischen Gesellschaft stehen, deren Sozialisation aber dennoch gründlich daneben [...]

-> Rezension lesen


 Die Arbeit der NachtGlavinic, Thomas:
Die Arbeit der Nacht
Sollte man überhaupt den Versuch unternehmen, einen fast vierhundert Seiten starken Roman zu schreiben, der im Prinzip nur von einer einzigen Person handelt? Und was das Publikum noch mehr interessieren dürfte: sollte man ihn lesen? Was zunächst abschreckend wirkt ob der zu vermutenden Langatmigkeit, gerät dem Autor jedoch zu einem in [...]

-> Rezension lesen


Der verlorene letzte BallRoubaud, Jacques:
Der verlorene letzte Ball
„Die edelsten Taten haben oft unvorhergesehene Folgen“, schimpft John den kleinen, vierjährigen Laurent, aber dieser ergriff keine Partei: Er mochte die Meisen, aber er mochte auch die Katzen. Doch die räuberischen Absichten der Katzen hatten wenigstens einen guten Grund: sie hatten Hunger, ihr Instinkt verlangte es, zum Spieltrieb [...]

-> Rezension lesen


 Der SüdenRichter, Dieter:
Der Süden
Goethe sprach von seiner „Wiedergeburt“ in Rom, Herder mochte in Neapel „nur atmen“ und hoffte „gesund und gestärkt zurückzukehren“, Schinkel fühlte sich auf Capri „unbeschreiblich glücklich“ in der „ätherisch reinen Luft“...Die deutsch-italienischen Beziehungen sind voller Klischees und Stereotype und oft [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.026307 sek.