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Helge Sobik - Picassos Häuser
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Sobik, Helge:
Picassos Häuser

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(Bücher frei Haus)

Picasso hatte einen Vogel. Einen Graupapagei. Selbst Tauben soll er sich in einer seiner Villen gehalten haben und neben einem Boxer-Hund, fand auch eine Ziege, Esmeralda, ein Zuhause in Picassos Besitz. In der Villa La Californie in Cannes hatte sie sogar ihr eigenes Zimmer im zweiten Stock, das mit Stroh ausgelegt war. Im Erdgeschoss lief sie munter durch die Flügeltüren oder graste neben ihrem bronzenen Ebenbild im Garten, das der Meister selbst geschaffen hatte. Picasso hatte aber noch viele andere Gäste, die von seinem Boxer anfangs wie die Ziege Esmeralda argwöhnisch beschnuppert wurden. Zu seinen Besuchern gehörten besonders während der Filmfestspiele in Cannes auch die Größen der Filmindustrie der damaligen Zeit: Gary Cooper, Brigitte Bardot oder die Fotografen Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Lucien Clergue, Robert Doisneau, Rene Burri etc etc. Vielleicht hatte Picasso ganz einfach das Gefühl, seine leeren Räume (die Einrichtung hatte er zwar vom Vorbesitzer mit übernommen, aber sämtlich entsorgt) mit Personen anzufüllen oder eben mit seinen Gemälden, die in seinen Villen herumstanden, wie Möbelstücke.

„Wenn du ein Gemälde zerstören willst, musst Du es fein säuberlich auf einen Nagel hängen, so dass einem bald nur noch der Rahmen auffällt.“ Picassos Worte in Gottes Ohr und wenn man die Unordnung in seinen fünf Häusern an der Cote d`Azur, die in vorliegendem Prachtband vorgestellt werden, bedenkt, auch eine gute Entschuldigung dafür, alles so zu belassen wie es ist. Picasso fand sich in seiner Unordnung stets gut zurecht, selbst die Staubpatina in seinen Ateliers gehörte zum Gesamtkunstwerk, zur „Wohn-Installation Picasso“. Der private Pablo Ruiz Picasso wird aber nicht nur anhand seiner Wohn-ge-wohn-heiten vorgestellt, sondern auch als Person. Was ihn als Mensch besonders sympathisch macht, ist wohl, dass er zu den Langschläfern unter den Künstlern zählte, da er am liebsten nachts arbeitete. Seine Besucher mussten morgens deswegen lange auf ihn warten, er stand erst gegen Mittag auf oder las vorher noch etwas Zeitung im Bett. Picasso rauchte gerne oder ließ sich in kurzen Hosen und ohne Hemd abbilden, beides waren damals noch eindeutige Tabuzonen des männlichen Körpers, er selbst wollte damit seine männliche Vitalität oder auch Virilität demonstrieren. Dennoch sei er Zeit seines Lebens ein bescheidener Mann geblieben, Millionär der er war, waren ihm Besitz oder Äußerlichkeiten ziemlich egal. Jean Cocteau soll ihn einmal den „König der Abfallsammler“ genannt haben. Tatsächlich kann ein Künstler selbst aus Schrott Kunst machen oder eben aus Kunst Schrott. Bei Picasso sicher hauptsächlich ersteres.

Picasso besaß am Ende seines Lebens nicht nur zwei bescheidene Häuser an der Cote, sondern auch eine prachtvolle Villa, ein Schloss und am Ende sogar ein abgeschottetes Herrenhaus im Stil einer Festung. Die Texte, die vom Herausgeber stammen, sind mit großer Hingabe geschrieben und beschreiben Picasso als größten Künstler aller Zeiten, uneingeschränkte Bewunderung inklusive. Gewahr der Tatsache, dass sich in Südfrankreich bereits viele andere internationale Künstler vor Picasso angesiedelt hatten, bleibt Helge Sobik dennoch seinem Objekt der Begierde treu: „Der Holländer Vincent van Gogh schlug seine Zelte in Arles auf. Marc Chagall verbrachte fast zwei Jahrzehnte in St.Paul de Vence, Henri Matisse einen Großteil seines Lebens in Nizza. Cezanne war hier, Signac, Bonard, Leger. Es waren so viele. Und wie in der Kunst war es im Alltag: Einer überstrahlte alle – das ist bis heute so. Sein Name Pablo Picasso.“

Vielleicht fehlt manchem Leser etwas die kritische Distanz, denn wie der zitierte Text wie ein Werbetext klingt, so mag man bei der Lektüre an manchen Stellen verzweifelt nach etwas mehr Distinguiertheit suchen. Der Autor macht sich auf eine Spurensuche nach Picassos Hinterlassenschaften an der französischen Riviera und stellt vor allem auch den Menschen Picasso vor, in dem Licht, in dem er ihn sehen möchte. Neben vielen Einblicken in seine Häuser werden so auch einige intime Details über den Menschen Picasso bekannt. Etwa, dass Picasso zwar gerne Post bekam, diese aber nur selten öffnete. So unterschied er zwischen wichtigeren Briefen, die er öffnete und unbeantwortet beließ und „unwichtigeren“ Briefen, die ungelesen blieben und die er ungeöffnet an einem Wäscheseil – als stete Mahnung – aufhing. Als Chauffeur hatte er übrigens seinen eigenen Sohn engagiert, der ihn in einem Oldtimer der Marke Hispano zu Picassos geliebten Stierkämpfen fuhr. Andere Fotografien zeigen Picasso inmitten seiner Bilder, einiger Skulpturen und Masken oder eben seiner Häuser: Villa La Galloise und Atelier du Fournas in Vallauris, Villa La Californie in Cannes, Chateau de Vauvenargues in Vauvenargues und Mas Notre Dame de Vie in Mougins, wo er die längste und die letzte Zeit seines Lebens bis zu seinem Tod 1973 verbrachte: Picasso war 92 Jahre alt geworden. Vielleicht hatte er sein hohes Alter auch seinen schönen Häusern zu verdanken aber wohl vor allem einer Empfehlung seines Hausarztes: weniger rauchen, maßvolles Essen und Trinken und mittags schön Siesta halten. Meistens nie allein.

Helge Sobik
Picassos Häuser
Dreisprachig (deutsch-französisch-englisch)

2009
Feymedia Verlag
272 Seiten 114 Duplex-Abbildungen, 36 vierfarbige Abbildungen
ISBN: 978-3-941459-00-7
95,00.-€

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-07-18)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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