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Steven Spielberg - Lincoln
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Spielberg, Steven:
Lincoln

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(Bücher frei Haus)

Wenn eine historische Figur etwas zum Gründungsmythos der Vereinigten Staaten von Amerika beigetragen hat, dann war es Abraham Lincoln. Und wer schon einmal in Washington war und an dem prominentesten aller Plätze zwischen Capitol, Monument und der Linie zum Heldenfriedhof Arlington das Lincoln-Denkmal bewundern konnte, war noch mehr erstaunt über die Pilgerzüge von Afro-Amerikanern, die ihm dort die Ehre erweisen. Bei so viel Charisma post mortem wäre es eigentlich prädestiniert, dass ein Regisseur wie Steven Spielberg aus der Geschichte des schlaksigen Hünen ein Epos macht, bei dem einem die Ohren von tausend Fanfaren dröhnen. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall und das macht den Film zu einem wertvollen historiographischen Beitrag.

Historisch geht es um die Auseinandersetzungen über den 13. Verfassungszusatz im Januar 1865, mit dem Lincoln durchsetzte, dass die Sklaverei in der Verfassung gebannt wird. Eingebettet war die ohnehin hitzige Diskussion in das vierte Jahr eines auf allen Seiten ungeheuer verlustreichen Bürgerkrieges, der das Land zu zerreißen drohte und an dessen Folgen es bis heute laboriert. Spielbergs feine, mit spärlichem Licht arbeitende Inszenierung, die immer wieder die Beschwerlichkeit des 19. Jahrhunderts aufscheinen lässt, sei es in flackerndem Licht, in ausgelatschten Pantinen, in mit Dokumenten überladenen Tischen oder in der Enge der Räume, malt das Bild einer Persönlichkeit, die luzider und gleichzeitig brüchiger nicht sein könnte.

Der Abraham Lincoln des Films ist ein schlaksiger, eher magerer Typ, der in abgetragener Garderobe seinen Ideen nachhängt, der ein tief vom Glauben geprägtes humanistisches Weltbild pflegt, das er komplettiert mit euklidischen Weisheiten über die Gleichheit, der als blitzgescheiter Jurist die Winkelzüge der Politik auszutarieren weiß und der gleichzeitig zwischen Amt und Familie balancieren muss, wohl wissend, dass das Amt seiner Frau und seinen Kindern zu viel zumutet. Lincoln hat das Ohr am Volk, immer wieder sitzt er in Decken eingehüllt in irgendeiner Ecke und lauscht, bis er sich outet und brilliert durch seine Geschichten. Die Spielbergsche Inszenierung dringt vor an das Geheimnis der Popularität dieser Legende, die vorlebte, was sie von anderen verlangte, aber vor allem in der Lage war, die Geschichte zu erzählen, die dieses junge Land, das in dem Schicksalsjahr 1865 nicht nur sich selbst in das Zeitalter der Demokratie hievte, sondern auch dem europäischen Kolonialismus den spirituellen Todesstoß verlieh. Lincoln erzählte seinem Volk das Epos über sich selbst, er war der Sinnstifter schlechthin. Die vielen kleinen Anekdoten, die ein überzeugender Daniel Day-Lewis mit einem von Verantwortung und Anstrengung zerfurchten Gesicht erzählt, sind hinsichtlich ihrer Erzählweise höchst anrührend und von ihrem Inhalt weise und menschlich zugleich.

Ebenfalls gelungen ist das Einfangen der Debatten im Kongress, dort glänzt Tommy Lee Jones in der Rolle des die Sklaverei bekämpfenden Republikaners Thaddäus Stevens mit einer brachialen Rhetorik, die nahezu Sehnsüchte weckt in Anbetracht der dünnen Technokratenworte heutiger Tage. Jener Kongress, der am 31. Januar 1865 mit dem 13. Verfassungszusatz die Sklaverei abschaffte. Lincolns Schicksal sollte es sein, dass er nur noch drei Monate danach zu leben hatte, ehe er bei einem Theaterbesuch erschossen werden sollte.

Steven Spielberg ist ein Film gelungen, der durch Physiognomien und Worte besticht und der deutlich macht, wie beschwerlich es ist, etwas Neues und Großartiges zu gestalten.

[*] Diese Rezension schrieb: Gerhard Mersmann (2013-02-18)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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