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Peter Stamm - Agnes
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Stamm, Peter:
Agnes

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(Bücher frei Haus)

Peter Stamm, ein (gewesener - für etliche Jahre) Journalist, jener Schweizer, der so aussieht, wie jeder andere männliche Schriftsteller gern auch mal aussehen würde, hat dieses, sein erstes Buch, mit dem er dann den Durchbruch schaffte, vorher sechs lange Jahre bei keinem einzigen Verlag unterbringen können. Dabei, wie man bei der Lektüre schnell begreift, hatte er da schon gut begriffen, wie man erfolgreiche Romane heute aufzieht.

Letztlich geht es um kaum etwas Konkretes, aber vor allem ist es „schön“ zu lesen, vor allem für den weiblichen Geschmack. Der Mann hier spricht (natürlich) die ganze Zeit von einer zerbrechlichen, ihm unerreichbar gewordenen Frauengestalt. Und von der Liebe. Irgendwie ist es eine Liebesgeschichte. Und: geheimnisvoll. Und: wie von jemand, der am Abend vorher „Homo faber“ gelesen und deswegen schöpferisch geträumt hat. Die beiden Frauen aus „Homo faber“, die alte und die junge, Geliebte einst, Geliebte heute, haben sich zu einer einzigen zusammengeschoben. Der Altersunterschied zwischen Ich-Erzähler und junger Geliebter sowie deren Verlust am Ende sind geblieben.

Die sonstige Welt bleibt durchs gesamte Buch hindurch außerhalb der Käseglocke des Liebespaars, still kreist alles hier vor allem um sie: Agnes. Anleslich derer einen der Verdacht irgendwann anfällt, dass sie den Autor so sehr auch wieder nicht interessiert hat, dass er eben im Kopf hatte, wie man Bucherfolge konstruiert. Frau, Liebe, sonst eigentlich gar nix. Aber es ist eine wunderschöne, ganz mysteriöse Geschichte. Es ist jetzt nicht so unheimlich wichtig, was alles drinsteht, aber professionell ist es gemacht, das stimmt. NZZ: „Ein faszinierender literarischer Einfall.“ Ein gefälliger Unterhaltungsroman, den man uns in dieser Zeit unverfroren sowohl von Germanisten- wie von Journalistenseite als bedeutendes Kunstwerk abfackelt, Entschuldigung: abfeiert, muss das heißen. Der aller übelste Schweizer Literaturcharmeur heißt immer noch Martin Suter. Aber Peter Stamm, der Thur-Gauner, ist ihm dicht auf die Fersen gerückt.

Wahrscheinlich bin ich zu empfindlich! Bloß weil ich eben keine Romane mehr mag, in denen die Leute darüber reden, ob es jetzt die echt, wahre, wirkliche Liebe zwischen ihnen ist oder doch nicht, ob man nicht das Echte weiter suchen müsste. Und - bang! - schon werden sie getrennt! Und aber - bang! - genau jetzt zeigt sich, dass sie, Agnes, von ihm, dem Falschen, schwanger ist! Und er - Männer! - kommt mit der Idee einer Abtreibung an („Homo faber“?). Und schon liegt die Beziehung auf Eis. Und - jetzt! - wird ihm mit einem Mal klar, dass er überhaupt noch nie irgendwas auf der Welt so gewollt hat wie sie, Agnes. Und das Kind natürlich schon auch, klar! Und hin zu ihr, Agnes, die aber - bang! - hat jetzt schon eine Fehlgeburt! Ich darf sagen: Es kringelt mir die Fußnägel hoch, ich kann’s kaum ertragen.

Die Gymnasiallehrer von Baden-Württemberg und die Schüler aber doch. Sie haben im Jahr 2014 den kleinen Roman mit dem schönen weißen Umschlag für Abi-relevant erklärt. Lesekultur pur, bang!

Zitat:

„Ich bin immer traurig, wenn ich ein Buch zu Ende gelesen habe, sagte Agnes. „Es ist, als sei ich zu einer Person des Buches geworden. Und mit der Geschichte endet auch das Leben dieser Person. Aber manchmal bin ich auch froh. Dann ist das Ende wie die Befreiung aus einem bösen Traum, und ich fühle mich ganz leicht und frei, wie neugeboren. Ich frage mich manchmal, ob die Schriftsteller wissen, was sie tun, was sie mit uns anstellen.“
Ich küsste Agnes.
„Da bin ich mit dir zusammen und weiß gar nicht, dass in deinem Kopf das halbe Personal der Weltliteratur steckt.“
„Ich lese nicht mehr viel“, sagte Agnes, „vielleicht deshalb. Weil ich nicht mehr wollte, dass Bücher Gewalt über mich haben. Es ist wie ein Gift. Ich habe mir eingebildet, ich sei jetzt immun. Aber man wird nicht immun. Im Gegenteil.“


[*] Diese Rezension schrieb: KlausMattes (2015-05-31)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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