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Rolf Steininger - Entscheidungen im Kalten Krieg
Buchinformation
Steininger, Rolf - Entscheidungen im Kalten Krieg bestellen
Steininger, Rolf:
Entscheidungen im Kalten
Krieg

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(Bücher frei Haus)

„Ein edler Krieg“, soll Ronald Reagan über den Vietnamkrieg rückblickend gesagt haben und damit wohl erstmals wieder ein Thema angesprochen haben, das bis Mitte der Achtziger Jahre tabuisiert worden war. Wohl auch, um die Afghanistan-Front zu eröffnen und den offensiven Interventionismus der US-Außenpolitik zurück auf die „agenda“ zu bringen. Die „Schande“ von Vietnam, dass nämlich ein so kleines Land die größte Militärmacht der Welt besiegen konnte, darüber wollte man lange Zeit nicht mehr sprechen. Eine Dolchstoßlegende wurde verbreitet, die den „inneren Feind“ für die Niederlage verantwortlich gemacht hatte, denn die Stimmung war international seit den sechziger Jahren gegen den Krieg gekippt. Wollten die USA ursprünglich noch die Kolonialmacht Frankreich in Indochina unterstützen, wurden sie bald selbst zur Neokolonialmacht und pumpten ein Vermögen in den Krieg, das bald sogar dem Kongress zu viel wurde. Das Ende war dann so unspektakulär wie der Anfang des Krieges: Nixon, der die Bombardements von Johnson in seiner zweiten Amtszeit fortsetzte stolperte über Watergate und der Kongress über die Finanzierung des Krieges. 58.000 amerikanische Soldaten waren in dem zehnjährigen Krieg gefallen, eine Million südvietnamesische Soldaten und zwei Millionen Zivilisten, vom Norden weiß man keine Zahlen, aber sie werden wohl ebenso hoch sein. Die Stationierung von mehr als einer halben Million amerikanischen Soldaten in dem kleinen Land wurde durch die Dominotheorie gerechtfertigt, die sich am Ende noch dazu als falsch herausstellte. Denn auch wenn Nord und Südvietnam am Ende kommunistisch waren und auch Laos und Kambodscha, so fielen die anderen Steine doch nicht um und Südostasien wurde nicht zu einem befürchteten zweiten kommunistischen „China“.
Rolf Steininger, Historiker an der Universität Innsbruck erzählt auf den vorliegenden drei Audio CDs nicht nur die Geschichte des Vietnamkrieges – er hatte dort selbst als Gastwissenschaftler in Saigon und Hanoi gearbeitet – sondern auch andere wesentliche Konfrontationsplätze des Kalten Krieges, wobei er ihn schon bei der Konferenz in Potsdam beginnen lässt. Manche Wissenschaftler bezeichnen den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 als eigentlichen Beginn des Kalten Krieges, andere lassen ihn erst 1947 mit der Truman-Doktrin beginnen. Sicherlich gehörten die verschiedenen Stellvertreterkriege der Supermächte in den Ländern des Trikont zu einer Option, den atomaren Krieg in Europa hinauszuschieben oder gar zu verhindern. Die letzte offizielle Konfrontation in Europa zwischen USA und UdSSR war sicherlich die Berlin-Blockade, bei der Stalin den Westsektor der heutigen Hauptstadt Deutschlands von Transport und Telegraphenverbindungen abschnitt, was die USA dazu veranlasste, eine Hilfsaktion für das freie Westberlin zu starten aus der auch der spätere Satz Kennedys stammt: „Ick bin ein Berliner“ (John F Kenney am 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg anlässlich des 15. Jahrestags der Berliner Luftbrücke ), worauf wiederum der eingangs erwähnte Reagan Jahrzehnte später antwortete: „Ick abe noc einen Koffer in Berlin“ (Am 12. Juni 1987 in der berühmten „Tear down this Wall“ Rede vor der Berliner Mauer, eigentlich ein Lied von Hildegard Knef). http://www.youtube.com/watch?v=5MDFX-dNtsM&feature=player_embedded#at=128 ). Bei der Berlin-Blockade siegte jedenfalls die USA, da sie propagandistisch beweisen konnte, dass sie ihre Verbündeten nicht im Stich ließ. Eine Schlacht war zwar gewonnen, aber noch lange nicht der Krieg, denn der sollte noch bis 1991 andauern.
Rolf Steininger spricht auf den vorliegenden CDs aber auch über den ungarischen Volksaufstand, den Sechstagekrieg, die Kubakrise. Ein besonderes Augenmerk legt er auch auf den Beginn des Kalten Krieges mit den Beiträgen „Marshallplan und europäische Integration“, „Atombomben und Kalter Krieg“, „Warten auf den Staatsvertrag“. Die „Kubakrise“, die beinahe zum atomaren Krieg in der Karibik geführt hätte, illustriert im Narrativ Steiningers sehr anschaulich, wie wichtig die Rolle von Zivilisten in einem Konflikt sein können. Während die Falken im Weißen Haus und im Kreml eine Eskalation des Konflikts unbedingt befürworteten, war es doch der Bedächtigkeit eines Führers wie John F. Kennedy und Nikita Chrustschows zu verdanken, dass die Krise sich nicht zu einem veritablen Konflikt auswuchs. Von dem Deal „Abzug der Raketen gegen Nicht-Invasion“ profitierte vor allem das Regime Fidel Castros, das weiterhin unbehelligt blieb, sieht man von einigen Anschlägen des CIA auf Castros Leben einmal ab. Kuba wurde zwar nicht zum atomaren Stützpfeiler der UdSSR, aber immerhin zum kommunistischen Vorzeigeland in Lateinamerika, vor allem was die Gesundheitsversorgung betraf. Und es exportierte wenig später auch sein Revolutionsmodell. Wenn man aber bedenkt, dass Castros Revolution nicht von Anfang an kommunistisch war, sondern erst durch die verfehlte Politik Washingtons in die Arme des großen Bruders UdSSR getrieben wurde, ist es eigentlich kein Wunder, dass diese Diktatur immer noch besteht, gerade trotz des Endes der Sowjet und des Kalten Krieges.
In ähnlicher Ausstattung ist beim Innsbrucker Studienverlag auch „Zweiter und Kalter Krieg. Vom Angriff auf die Sowjet bis zum Bau der Mauer in Berlin“ erschienen. Auf diesen beiden Audio CDs geht Rolf Steininger nicht nur auf das Unternehmen Barbarossa, die Wannseekonferenz und den Beginn des Atomzeitalters ein, sondern auch auf den Koreakrieg und die Suezkrise, Berlinkrise und eben den Mauerbau. Weitere 108 Hörminuten über eine der spannendsten Epochen der Menschheitsgeschichte, in der dieselbe nicht nur einmal an ihrer völligen und totalen Auslöschung gerade noch ganz knapp vorbeischlitterte.

Rolf Steininger
Entscheidungen im Kalten Krieg – Von der Konferenz in Potsdam bis zum Krieg in Vietnam
3 Audio CDs 226 Min
www.studienverlag.at

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-04-04)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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