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Rezensionen


 
William Thackeray - Jahrmarkt der Eitelkeit
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Thackeray, William:
Jahrmarkt der Eitelkeit

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(Bücher frei Haus)

Den Titel "Jahrmarkt der Eitelkeit" zitiert der Verfasser im "Roman ohne Held", so der Untertitel, unzählige Male. Er fügt ihn in solchen Momenten ein, in denen der Autor unterschwellig seine Meinung zu den eben geschilderten Begebenheiten durchscheinen lässt.

"Jahrmarkt der Eitelkeit", oder im Original "Vanity Fair", ist sicher das bekannteste Werk des englischen Romanciers. Es geht im Wesentlichen um die vielschichtige englische Gesellschaft des frühen neunzehnten Jahrhunderts, also der viktorianischen, oder, wenn man so will, der napoleonischen Zeit. Die während der Handlung vergehende Zeit erstreckt sich über etwa zwanzig Jahre (ca. 1810-1830).

Die beiden Hauptfiguren, Amelia Sedley und Rebekka (Becky) Sharp könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Amelia ein liebenswertes, treues, aber naives und ein bisschen tumbes Geschöpf ist, würde man Becky heutzutage wohl als geldgeile, durchtriebene Verführerin charakterisieren. Beide lernen im Institut der Miß Pinkerton, einer renommierten Schule, woraufhin sie sich nach ihrer Entlassung zunächst aus den Augen verlieren, sich aber im Laufe des Romanes immer wieder begegnen.

Die Geschichte, die beide Charaktere durchlaufen, stellt den roten Faden dar, der das über tausendseitige Werk durchzieht. Amelia heiratet den gutaussehenden, aber liederlichen Offizier George Osborne aus (neu-)reichem Haus, dessen Vater Amelias Vater aufgrund dessen eigenen Bankrottes verachtet und aus diesem Grunde die Heirat seines Sohnes nicht für standesgemäß hält und ihn aus der Familie ausstößt. George wiederum genießt, verpraßt und betrügt seine Frau mit der hübschen Rivalin Becky.
Bei der Schlacht von Waterloo fällt George, und Amelia fristet in bitterer Armut als Witwe ihr Dasein, selbst nach Jahren unfähig, für neue Bekanntschaften offen zu sein. Einzig die Freundschaft zum Major, dem späteren Obersten William Dobbin, dem langjährigen Kameraden ihres verstorbenen Gatten, erhält ihr zeitweise den Kontakt zur Gesellschaft. Daß der ehrliche Dobbin schon seit langem in sie verliebt ist, verdrängt sie in ihrer idealisierenden Haltung zu ihrem toten Ehemann.

Becky Sharp gelangt als Haushälterin im Hause des geizigen Landadligen Sir Pitt Crawley sowie dessen Halbschwester in bessere Kreise. Durch ihr skrupelloses, egoistisches, opportunes Verhalten steigt sie als Ehefrau des Sohnes Rawdon Crawley in höhere gesellschaftliche Kreise auf, die sie bis fast auf die durch die englische Königin gegebenen Bälle spülen. Im Zuge dessen wird sie ihres Gatten überdrüssig und betrügt ihn mit dem reichen, aber alten Lord Steyne. Das bleibt auf die Dauer weder von Rawdon, noch von der eitlen Gesellschaft unbemerkt, und leitet Beckys Abstieg ein. Rawdon verläßt sie, und die Gesellschaft meidet die entlarvte Kokotte.

Nach vielen Jahren der Wirrungen schließt sich der Kreis, indem die naive Amelia endlich erkennt, dass der von ihr vergötterte, verblichene Gatte keineswegs der tugendhafte, liebende Ehemann gewesen war, sondern daß einzig Dobbin ihr über all die Jahre die Treue gehalten und ihr auch finanziell unter die Arme gegriffen hatte. Was folgt, ist schließlich eine (nach tausend Seiten) ergreifende Vereinigung an der belgischen Nordseeküste, an die der ewig-liebende Dobbin anlegt, und seine Amelia in die Arme schließen kann, nachdem sie sich ihm endlich geöffnet hat.

Dem Autor, der sich während des Romanes immer wieder selbst ins Spiel bringt, indem er Vorgänge humoristisch, manchmal ironisch-zynisch chorähnlich kommentiert, gelingt eine äußerst unterhaltsame, umfassende Darstellung der menschlichen Eitelkeit im viktorianischen England des frühen 19. Jahrhunderts.

[*] Diese Rezension schrieb: Thomas Kempken (2013-04-01)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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