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Giuseppe Tornatore - Eine reine Formalität
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Tornatore, Giuseppe - Eine reine Formalität bestellen
Tornatore, Giuseppe:
Eine reine Formalität

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(Bücher frei Haus)

Der italienische Oscar- und Golden Globe-prämierte Regisseur Giuseppe Tornatore (Cinema Paradiso und der Zauber von Malena) inszeniert die beiden Schauspieler
Gérard Depardieu und Roman Polanski (selbst Regisseur) als Krieg der Worte zwischen einem Verdächtigen und einem Polizeikommissar in einer Art Kammerspiel der Sonderklasse. Die individuelle Kameraführung beim Intro, die die Perspektive des Verfolgten zeigt, irritierende Musik und nicht zuletzt der Regen schaffen in diesem Psychothriller eine ganz besondere Atmosphäre, denn bald steht alles unter Wasser, sie gießen sogar Wasser aus dem Fenster raus und stellen pausenlos Kübel und Gefäße unter die Löcher des leckenden Daches der Polizeistation. Der Verdächtige selbst, vor Regen triefend, ist der erfolgreiche Schriftsteller Onoff (Gerard Depardieu), der unter Amnesie leidet.

Theatralisches Kammerspiel
Getragen vom majestätischen Score Ennio Morricones wird aus „Eine reine Formalität“ nicht nur ein raffiniertes Kammerspiel mit zwei hochkarätigen Schauspielern, sondern auch ein Wortgefecht und eine Abrechnung eines Schriftstellers, der ein dunkles Geheimnis verbirgt. Die Milch, die man Onoff anbietet schüttet er dem edlen Spender ins Gesicht, das Glas Wein trinkt er aber gerne aus, bevor er es seinem „Wirt“ über den Kopf zieht und flieht. Die Dachrinnenszene ist sicher eine der spektakulärsten Szenen in diesem ansonsten vor allem auf Dialogen aufbauenden Kammerspiel in einer löchrigen, nassen Polizeistation. Aber kein Wunder, schreiben wir doch den 3. Februar, der St. Blaise geweiht ist, der Tag, an dem auch Onoff Geburtstag hat. Aber ist der Verhörte wirklich Onoff? Der Inspektor zweifelt und zitiert immer wieder Passagen aus seinen Texten, die dieser selbst gar nicht zu kennen scheint.

Hochkarätige Schauspieler im Duell
„Mein Beruf ist es, zu schreiben. Es interessiert mich nicht, was andere Leute darüber sagen. Die Sprache ist ohnehin völlig bedeutungslos geworden und dient nur mehr irgendwelchen polizeilichen Verhören.“, merkt Onoff frustriert seinem Verhör an und nimmt einen weiteren Schluck aus dem Weinglas. „Dass jene Werke, die uns so schöne Träume beschert haben womöglich auf einem Scheißhaus verfasst wurden, von jemandem der gerade Dünnpfiff hatte...“, doch da unterbricht ihn der Kommissar. Onoffs zwei Minuten langeskindisches Lachen – wohl einzigartig in der Filmgeschichte – hallt durch die Polizeistation und bald beginnt auch der Zuseher zu verstehen, auf welcher Zeitebene sich der Film in Wirklichkeit befindet.

Le point d’impossibilité
„Man schreibt nicht weil man eine Idee hat, sondern weil man nichts anderes kann“, antwortet er dem Polizisten auf die Frage, warum er Papier benötige. Doch keiner der ihm angebotenen Stifte funktioniert und so möchte er die Schreibmaschine des Polizisten verwenden. „Ich schreibe nur, um nicht zu trinken. Meine Kunst ist mein Betäubungsmittel.“, so Onoff und mit Wohlgefallen und gleichzeitigem Schaudern erinnert er sich an seinen Mathematiklehrer: „Da wo die Parallelen in der Unendlichkeit des Universums zusammenkommen ist der point d’impossibilité.“ Und von dem gibt es bekanntlich keine Rückkehr mehr.

Giuseppe Tornatore
Eine reine Formalität
EAN: 4020628830564
Bonusmaterial : Exklusives Interview mit Regisseur Giuseppe Tornatore, Trailer, Bildergalerie
Blu-ray | Koch Media Home Entertainment
IT, FR,1994, 108 Minuten

[*] Diese Rezension schrieb: jürgen Weber (2016-06-01)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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