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Warren Tufts - Lance Band 1-3
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Tufts, Warren:
Lance Band 1-3

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(Bücher frei Haus)

In der Tradition der Comics der Dreißiger Jahre – etwa Hal Fosters „Prince Valiant“, Alex Raymonds „Flash Gordon“ oder Milton Caniffs „Terry and the Pirates“ – steht auch „Lance“, einer der letzten in full page format gedruckten Comics der 1950er Jahre des 20. Jahrhunderts. Am 5. Juni 1955 erschien Lance erstmals als farbige seitenfüllende Sonntagsseite. Anfänglich verzichtete Tufts noch auf die in Comics üblichen Sprechblasen und glich seine Erzähltechnik damit an die epische Breite Hal Fosters an. Doch bald benutzte er – wohl auch aus Zeitgründen – die beliebten genrecharakteristischen Blasen und füllte sie mit Text: „Ich glaube es ist einfacher, Charaktere mit Sprachblasen zu zeichnen – es ist spontan und authentisch. Man hört sie direkt sprechen, anstatt erzählt zu bekommen, was sie sagen.“, so Warren Tufts in einem Interview. Lance wurde bis 1960 in sog. „dailies“ in S/W und „sundays“ in Farbe gedruckt und stellt laut den beiden Übersetzern „ein grandioses, ungemein detailliert illustriertes Epos der Eroberung des Amerikanischen Westens bis zur Zeit des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges” dar. Der Bocola legt das Westernepos nun erstmals auf Deutsch im Großformat 24,5 x 32 cm in gebundenem Hardcover in Farbe S/W vor.

Der Wilde Westen: Trapper, Abenteurer, Indianer, Mexikaner und… Frauen?
Der Titelheld Lance St. Lorne ist äußerlich an die beiden Schauspieler Errol Flynn und Robert Taylor angelehnt, trägt aber auch deutliche Züge des Erfinders selbst, die ihn dazu veranlassten, die Hoffung - bei einer etwaigen Verfilmung des Stoffes die Rolle selbst spielen zu dürfen - nicht aufzugeben. Besonders gelobt wird Tufts Werk aber auch für die zeichnerische Präsentation und Detailgenauigkeit seiner Forts, Handelsniederlassungen, Prärien, Wälder und Hochebenen. Zudem sind viele der Protagonisten historisch verbürgt und auch einige der Handlungsstränge sind durchaus authentisch oder stammen aus der einschlägigen Westernliteratur wie etwa John C. Frémonts „The Pathfinder“: Lance und Frémont sind beide französischer Abstammung, dienen als 2nd Lieutenants in der Armee, arbeiteten als Kartographen und hatten Kit Carson und Tom Fitzpatrick als Führer engagiert. Besonders bemüht hat sich Warren Tufts nicht nur um ein differezierteres Bild der amerikanischen Ureinwohner, sondern auch um die Rolle der Frau, die in den 50ern des vergangenen Jahrhunderts gerade ihre durch den Zweiten Weltkrieg eroberten Machtpositionen zu verteidigen hatten. Die Geschichten selbst spielen übrigen zwischen 1834 und 1848, also in der Zeit der Indianerkriege und der Eroberung des Westens. Der Aufstieg der amerikanischen Nation begann in dieser Zeit vor allem durch den massenhaften Import von afrikanischen Sklaven. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wahre Liebe
Eine besondere Rolle kommt in Tufts Westernepos den Frauen zu, die normalerweise im Western ja auf schmückendes Beiwerk reduziert werden. Zur Erinnerung: Lance wurde in den 50ern des 20. Jahrhunderts kreiert! Bei Warren Tufts „Lance“ sind die Frauen aktive Teilnehmerinnen des Geschehens und beeinflussen es mit ihrem eigenen Handeln zuweilen sehr massiv. Das wirkt sich – zugegebenermaßen – zwar nicht immer positiv auf die anderen Beteiligten aus, aber dennoch werden so die Frauen zumindest erstmals als handelnde Wesen wahrgenommen. Wenn etwa der Journalist M’sieu Olivair Hackett seine Angetraute Eliza versehentlich dem Häuptling der Oglala Sioux, Bull Bear, verkauft, wird er unmissverständlich von dieser bestraft. Denn sie geht freiwillig zu den Indianern und lebt lieber mit ihnen, als mit einem Mann, der sie für ein paar Geschenke verschachert hat, ohne es selbst zu bemerken. Aber auch der Titelheld selbst bekommt es mit einigen selbstbewussten Frauen zu tun. Da gibt es einerseits Melissa, die Tochter des späteren (ebenfalls historisch verbürgten) Gouverneurs Henry Dogde, die Indianerin „Many Robes“, die sich so unsterblich in ihn verliebt, dass sie sich sogar für ihn opfert: sie rettet nämlich seine spätere Frau Valle vor dem Erfrierungstod und stirbt selbst dabei. Wenn das nicht wahre Liebe ist!

Siedlungspolitik und Antikapitalismus
Lieutenant Lance St. Lorne bekommt aber bald auch Schwierigkeiten mit seiner Einheit, denn er kann als Soldat der amerikanischen Armee nicht den Händler Dufrain - nebenbei der Vater von Valle – schützen und einem anderen Großhändler und Monopolisten Mr. Stanton damit schaden. Der Staat hat sich von jeder Parteilichkeit fernzuhalten, diese Lektion muss auch Lance lernen, auch wenn es selbstverständlich ohne Staat gerade in der kapitalistischen Nation schlechthin nicht funktionieren würde. Lance quittiert bald darauf den Dienst, um der verwaisten Valle Dufrain zu helfen und baut mit ihr einen Handelspunkt auf. Doch natürlich wartet auf den verschmitzten Abenteurer noch Größeres. „Es gibt nur einen Weg, dass eine Nation unbesiedeltes Gebiet beanspruchen kann: seine Bevölkerung muss dort leben.“, heißt es denn auch im dritten Teil der spannenden Westerngeschichte und Lance bekommt vom Präsidenten der USA persönlich den Auftrag, an der Spitze einer berittenen Rangereinheit einen sicheren Siedlerweg nach Oregon durch Indianergebiet zu finden. Doch es erwartet ihn ein schier unüberwindbarer und unbesiegbarer Gegner: der Winter, der über die wunderschöne Landschaft hereinbricht und seine Männer und eine Planwagenkolonne im Hungerelend einsperrt. Dass der Staat bei der Entwicklung der USA eine wichtige Rolle spielte, werden die meisten Amerikaner nicht hören wollen. Und auch das ist neu: dass die Gefahr der Monopole und Trusts und in einem Westerncomic thematisiert wird.

Herzzerreißend ist aber nicht nur die Szene in der sich Valle und Lance verabschieden, denn sie verzichten beide auf ihr Eheglück, um der Nation zu dienen, sondern auch viele andere lustige Episoden, die Warren Tufts – ähnlich wie bei Hal Foster – in die dramatische Handlung einschiebt, um für kurze entspannte Atempausen zu sorgen. Denn sowohl die Indianer als auch einige der Mountainmen sind dem jungen Paar nicht gerade freundlich gesinnt, wie der Leser bald erfahren muss. Aber mehr darüber wird man in Teil Vier und Fünf erfahren, die im Herbst 2012/Frühjahr 2013 mit jeweils ca. 80 Seiten in Farbe S/W beim Bocola Verlag erscheinen werden.

Bocola
Warren Tufts „Lance“ Band 1-3,
jeweils 80 Seiten
Übersetzung von Jens und Uwe Baumann
Bocola 2012

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2012-11-07)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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