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Christoph Twickel - Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alle
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Twickel, Christoph - Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alle bestellen
Twickel, Christoph:
Gentrifidingsbums oder
eine Stadt für alle

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(Bücher frei Haus)

Sieht man sich die großen Stadtentwicklungsprojekte in den Metropolen dieser Welt an, so zeichnen sich Trends ab, die bis in die Soziologie hinein registriert worden sind. Bestimmte soziale Stratifikationen führen zu einer Neudefinition urbaner Ballungsräume, die, gebunden an alte wirtschaftliche Blütezeiten, längst ihren Zenit überschritten hatten und mit den Protagonisten der ehemaligen Blüte dahinsiechten. Und dann kommen sie, die Kreativen, deren Vorboten wirtschaftlich nicht besser dastehen als die proletarisierten Bewohner. Aber sie geben die ersten Impulse für eine Neuerfindung der Quartiere und beschleunigen eine Immobilienentwicklung, die die angestammten Akteure verjagt. An ihre Stelle tritt der solvente Part der kreativen Klasse, der über das nötige Kleingeld verfügt und eine kultivierte Öde produziert, die kein urbanes Leben mehr inspiriert.

Der Hamburger Christoph Twickel hat diese stereotype Abfolge beobachtet und in einem hoch interessanten kleinen Buch zusammengefasst. In einem Aufsatz stellt er die Analogien von Großprojekten wie den Londoner Docklands, dem Pariser La Défense und dem Potsdamer Platz in Berlin dar und ihm gelingt es dabei, die Chronologie der Argumentation zu dokumentieren, die immer mit Urbanität lockt und dem Gegenteil endet: Der Verödung urbaner, sprich durch Dichte und Diversität inspirierender Atmosphäre.

Twickel illustriert es am Beispiel Hamburgs, das in den achtziger Jahren unter dem damaligen sozialdemokratischen Bürgermeister von Dohnanyi mit dem Slogan vom Unternehmen Stadt startete und nach der Jahrtausendwende unter der Chiffre Image City endete: Die Abfolge folgte stets dem Schema Künstler rein, Arme raus, bevor die Transformatoren selbst irgendwann ihre Schuldigkeit getan haben.

Zumeist sind diese Prozesse eine Synthetisierung urbanen Lebens und dessen Reduktion auf die reinen Geschäftsprozesse. Anhand zahlreicher Beispiele verdeutlicht Twickel die Ideologie, deren Gehalt sich auf die Formel bringen lässt, dass unter einer qualitativen Urbanität so etwas wie eine gehobene Shopping Mall unter freiem Himmel verstanden wird. Ein Szenario, das es nicht verdient, in einer politischen Programmatik Unterstützung zu finden.

Die Akteure kommen alle zu Wort, die Proletarisierten und von der Vertreibung Bedrohten, die mittellosen Künstler, die Etablierten mit ihrem Beratungseskort und ihren Werbeagenturen und die Politiker. Ohne dass der Autor nun mit dem erhobenen Zeigefinger die großen Sanierungskonzepte an den Pranger stellen müsste, kommen die wesentlichen Entwicklungslinien durch die Argumentationsmuster der Handelnden zu Tage. Zum Schluss stehen nicht nur zwei sich diametral gegenüber stehende Konzeptionen von Stadt zur Disposition, sondern es geht um mehr, nämlich um Politik und unversöhnliche Interessen.

[*] Diese Rezension schrieb: Gerhard Mersmann (2010-10-27)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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