Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Fabio Volo - Zeit für mich und Zeit für dich
Buchinformation
Volo, Fabio - Zeit für mich und Zeit für dich bestellen
Volo, Fabio:
Zeit für mich und Zeit
für dich

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

„Die große Errungenschaft der modernen Kultur ist die Vernichtung der Kultur der Sparsamkeit“, sagt der Werbeprofi Lorenzo am Höhepunkt seines Lamento gegen die Auswüchse des Industriekapitalismus, in der jede Firma jede Woche ein neues Produkt entwirft, um diejenigen Lügen zu strafen, die glaubten sie seien bisher immer auf der Höhe der Zeit gewesen. Gerade in der Werbebranche verkauft man ja Dinge, die keiner braucht, macht die Leute durch Diversifikation abhängig von Sachen, die sich aufeinander auftürmen bis sie mit einem lauten Krachen in sich selbst zusammenstürzen. Wer heute noch eine Waschmaschine kauft, wird wissen, dass sie in spätestens fünf Jahren auf dem Müll landen wird, denn jede Reparatur ist teurer, als eine neue zu kaufen. Was wir produzieren ist Müll, nichts als Müll. Nichts ist mehr von Wert und hat noch Bestand, außer? Lorenzo ist anders, er weiß diese Dinge, auch wenn er einer von denen ist, die am meisten davon profitieren, dass andere so dumm sind, seinen Litaneien zu glauben. Lorenzo weiß, dass man die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht für alles Geld der Welt kaufen kann und deswegen versucht er es auf andere Weise.

Die Seele der Dinge
„Die Maschinerie der Schuldgefühle arbeitet unablässig.“ Einer der ersten Sätze in diesem Roman über Lorenzo, den jungen Mann aus einfachen Verhältnissen, der sich mit etwas Glück und Talent ganz nach oben arbeitet, aber dem es dort oben dann doch zu einsam ist, denn die Menschen, die ihm am wichtigsten sind, wenden sich von ihm ab, und ohne sie macht es keinen Sinn, noch länger oben zu bleiben. Schon seit zwei Jahren ist Lorenzo nämlich von seiner großen Liebe getrennt, aber erst jetzt hat er begriffen, dass sie die eine ist, die, die er immer gesucht hatte. Doch er war damals einfach noch nicht reif genug dafür, weil er sich erst von seinem anstrengenden Leben erholen wusste und etwas mehr auf sich selbst achten musste, seine „ureigensten Bedürfnisse“. Der Vorteil dabei: er hatte so viel Zeit über sich nachzudenken, dass er dabei kreativ wurde, eigentlich hauptsächlich weil ihn die Bücher seines Nachbarn Roberto inspiriert hatten, und natürlich Robertos Lebensstil. Denn im Lesen entdeckt Lorenzo die „Seele der Dinge. Lesen heißt, dass dir plötzlich die richtigen Worte begegnen für das, was du selbst nie wirklich darstellen oder ausdrücken konntest. (…) Manchmal wenn ich ein Buch ausgelesen habe, fühle ich mich rundherum satt und zufrieden, ich empfinde ein körperliches Wohlgefühl.“

Ein Krieg zum Schutz der Familie
„Wenn du ein Buch liest, das dir gefällt, machen diese Seiten etwas mit dir; wenn du sie wiederliest, bist du es, der etwas aus ihnen macht.“ Neben interessanten Überlegungen über das Lesen findet man auch eine Anleitung zum richtigen Schreiben einer sms, denn auch das will in der modernen Zeit gelernt sein. „Dass es auf der Welt nichts Revolutionäreres gibt, als das, was man tut, möglichst gut und richtig zu tun“, hat man vielleicht schon woanders auch gelesen, aber bei Volo klingt es fast ebenso überzeugend wie die Geschichte von der Erfindung der Orangenlimonade Fanta, deren Name eigentlich eine Abkürzung des Wortes Fanta-sie sei. Während des Krieges durfte in Deutschland nämlich keine Coca Cola verkauft werden und so erfand der Manager desselben Konzerns die Fanta. Entscheidend ist eben nicht woher man die Dinge nimmt, sondern was man daraus macht, das wusste schon Jim Jarmusch und formulierte so das Credo der Kreativen. Aber es gibt noch ein Problem in Lorenzos Leben: seinen Vater. „Die Liebe, die er mir gab, steckte in seinen Opfern, den Entbehrungen, den endlosen Stunden der Arbeit und in seiner Bereitschaft, die ganze Verantwortung zu schultern. (…) Ich bin der Sohn eines Mannes, den das Leben zu den Waffen rief, um einen privaten Krieg zu führen: zum Schutz der Familie.“ Und dieser Mann wird seine Probleme schon lösen, irgendwie. Ein coming-to-age Roman? Eine Hommage an die Liebe? Eine Abrechnung mit der Moderne? „Zeit für mich, Zeit für dich“ hat von allem etwas, und natürlich niemals genug! Ein schöner traurig amüsanter Roman für Männer in der midlife-crisis. Hat man die heute schon vor 30? Und vor allem (das scheint so eine italienische Fixierung zu sein): wird er Francesca vom Heiraten abhalten können?

Fabio Volo
Zeit für mich und Zeit für dich
Aus dem Italienischen von Peter Klöss
Roman
detebe 30016,
272 Seiten
Erschienen im März 2013
ISBN 978-3-257-30016-1

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-09-16)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Fabio Volo ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Blondinen bevorzugtHawks, Howard:
Blondinen bevorzugt
„I was wondering…what’s your line, Mister?“, frägt Lorelei Lee (Marilyn Monroe) den Privatdetektiv, der von ihrem zukünftigen Schwiegervater auf sie angesetzt wurde, und Ernie Malone (Elliott Reid) antwortet ihr selbstironisch: „Well, my most effective one…I tell a girl she has hair like a tortured midnight, lips like a red [...]

-> Rezension lesen


 Wie angelt man sich einen Millionär?Negulesco, Jean:
Wie angelt man sich einen Millionär?
Ein Film der mit einem Orchester anfängt und endet? Hat man das schon mal wo gesehen? Mehr als fünf Minuten spielt die Musik und die Überleitung in das New Yorker Apartment der drei Schönen Lobo, Pola und Schatze geschieht ebenso überraschen, wie das Orchester wieder verschwindet, um am Schluss des Filmes nochmals aufzutauchen. So [...]

-> Rezension lesen


Zivilkapitalismus. Wir können auch andersLotter, Wolf:
Zivilkapitalismus. Wir können auch anders
Der Autor des vorliegenden Buches, der Publizist und Essayist des Wirtschaftsmagazins „brand eins“, Wolf Lotter, will gegen alle Widerstände seine Leser davon überzeugen, dass es sich lohnt, über Wirtschaft, über Ökonomie, über den Kapitalismus zu sprechen, Denn die allfällige Missachtung bis hin zur offenen Ablehnung vieler [...]

-> Rezension lesen


 GesichterSchäfer, Andreas:
Gesichter
Er heißt Gabor Lorenz, ist ein erfolgreicher Neurologe an einer Klinik in Berlin und hat lange über Demenz geforscht. Denn sein Plan ist seit langem, zum Professor ernannt zu werden. Wohl auch deshalb hat er vor einigen Jahren sein Forschungsgebiet gewechselt und arbeitet nun zu den verschiedenen Formen der Gesichtsblindheit, der [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.020156 sek.