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Friedrich Weissensteiner - „Ich sehne mich sehr nach Dir“ - Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs
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Weissensteiner, Friedrich - „Ich sehne mich sehr nach Dir“ - Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs bestellen
Weissensteiner, Friedrich:
„Ich sehne mich sehr
nach Dir“ - Frauen im
Leben Kaiser Franz
Josephs

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(Bücher frei Haus)

„Wissen Sie was, wenn Sie mich lieb haben, erwarten Sie mich im Bett“, soll der nicht mehr ganz junge Franz Joseph einmal seiner Geliebten Anna Nahowski geschrieben haben. Die beiden hatten einen Altersunterschied von gerade mal 30 Jahren, Anna war 16 und schon verheiratet. Es habe zwar – im Gegensatz zu Versailles - keine Mätressenwirtschaft in der Wiener Hofburg gegeben, schreibt der Historiker Friedrich Weissensteiner in seinem Buch über die Frauen im Leben des Kaisers, aber zumindest zwei Geliebte von Franz Joseph brachten es noch zu Lebzeiten zu ansehnlichem Reichtum: die bereits angesprochene Anna Nahowski und Katharina Schratt. Schon bevor sich Anna verheiratete, soll ihr der Kaiser ein Kuvert mit 50.000 Gulden ausgehändigt haben, nach heutigem Wert entspricht das einem Wert von einer halben Million Euro. Auch die Schratt, die Anna nach 14 Jahren als Liebhaberin des Kaisers ablöste, soll mehrere Millionen bekommen haben.
Seiner sexuellen Bedürfnisse habe sich der Kaiser besonders in aller Herrgottsfrühe entledigt. Ist er deswegen schon um half Fünf aufgestanden? Weissensteiner kennt die Geheimtüre, die in die Mauer Schönbrunns eingebaut wurde, damit das hitzige Stelldichein unbemerkt über die Bühne gehen konnte. Die Villa in der Maxingstraße 46, die von Anna bewohnt wurde, grenzte nämlich genau an diese Mauer, so wie später auch das Haus, das die Schratt (Gloriettegasse 19) bewohnte. Aus dem Verhältnis mit Anna könnte auch eine Tochter entsprungen sein, Helene Nahowski, die später den Komponisten Alban Berg, einer der Erfinder der Zwölftonmusik, heiratete. Natürlich gibt es dafür keine Beweise, denn Anna Nahowski war schließlich eine ehrbare Dame und verheiratet. Aber auch die Hofburgmimin Katharina Schratt, die die Kaiserin persönlich für den Kaiser ausgesucht haben soll, war ehrbar und verheiratet. Als Schauspielerin und leidenschaftliche Spielerin („ihre Monte Carlo-Krankheit“) ist sie allerdings stets in Geldnöten und Kaiser Franz Joseph, der selbst sehr bescheiden und genügsam gewesen sein soll, hadert nicht lange mit den Steuergeldern. Gebt dem Volk, was dem Volk gehört und schließlich ist eine Schauspielerin doch auch aus dem Volk, oder nicht? 1,250.000 Kronen soll er der Schratt 1899 überwiesen haben, ein Jahr darauf nochmal zweieinhalb Millionen. „Wer möchte da noch von einer Seelenverwandtschaft reden?“, schreibt der Autor süffisant und rechnet mit: nach heutigem Wert wären das 11 Millionen Euro. Sehr viel Geld für eine Frau, wenn man bedenkt, dass sie dem Kaiser nicht einmal treu war! Aber eine Ehre hatte sie doch, die Schratt, denn an ihrem Lebensende soll sie auf das Angebot eines amerikanischen Verlegers bezüglich einer Biographie geantwortet haben: „I hab scho viel gwusst, aber niemand wird je etwas von mir erfahren. Man macht nicht seine Vergangenheit und sein begrabenes Glück zu Geld.“ Wenn sich diese Worte nur auch ein paar heutige Starlets und Schauspielerinnen oder –stellerinnen zu Herzen nehmen würden!
Aber es gab noch andere Frauen im Leben des Kaisers. Allerdings ist man sich nicht so ganz sicher, ob eher seine Mutter Sophie oder seine Frau Elisabeth für Franz Joseph einen prominenteren Platz einnahmen als die Nahowski und die Schratt. Sicherlich war seine Mutter in seiner Jugend die wichtigste Bezugsperson, denn auch „Sophie ist in ihren kleine Sohn vernarrt“, wie Weissensteiner schreibt, schließlich ist er als Erstgeborener ihre sechste Schwangerschaft und wird dementsprechend verhätschelt. Andere Kinder werden folgen, doch ihr Franz Joseph Karl, die Zangengeburt, macht schnell seinen Weg und kommt durch die Revolution von 1848 an die Macht, da der Simandl Ferdinand kurzerhand zum Abdanken gezwungen wird. Der militärbegeisterte Monarch trägt bald nur mehr Uniform, außer wenn er sich seinem liebsten Hobby widmet, der Jagd. „Er will sich als Soldat bewähren, seinen Mann stellen und schreibt der Mama von jeder der Stationen an denen er halt macht.“ Bei der Niederschlagung der Revolution scheut er die Front nicht, weder in Italien noch Ungarn. Auch die „Oktober“-Revolution in Wien wird von ihm beendet, denn er will ganz im Sinne seiner Mama absolut regieren und löst den Kremsier Reichstag kurzerhand auf. In seinem geliebten Bad Ischl soll er bald die erste seiner schicksalsträchtigsten Entscheidungen treffen: Elisabeth zu heiraten. Die zweite tragische Entscheidung von Bad Ischl folgte einige Jahrzehnte danach: Österreichs Kriegseintritt, mit dem der greise Kaiser nicht nur sein eigenes Grab schaufelte.

Friedrich Weissensteiner
„Ich sehne mich sehr nach Dir“
Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs
256 Seiten
Amalthea Verlag, 2012

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-08-21)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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