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Wim Wenders - Written in the West Revisited
Buchinformation
Wenders, Wim - Written in the West Revisited bestellen
Wenders, Wim:
Written in the West
Revisited

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(Bücher frei Haus)

Eine Makina-Plaubel mit einem 90er Objektiv begleitete Wim Wenders auf seiner Location Besichtigung für seinen Film „Paris/Texas“. Zuvor war ihm seine Pentax 6 x 9 gestohlen worden, aber er war mit den Ergebnissen seiner neuen japanischen Kamera so zufrieden, dass er seinen „geheimen Schatz“ - die Fotosammlung die damit entstanden war - alsbald dem Centre Pompidou für eine Ausstellung zur Verfügung stellte. Eigentlich sollte es ja nur seine „private, persönliche Vorbereitung“ auf seinen Film sein, nun kann man seine Fotosession in Texas aber auch in einem eigens vom Schirmer/Mosel Verlag herausgegebenen Fotobuch betrachten und bewundern, denn tatsächlich entsteht durch seine Bilder ein sehr ruhiges, gelassenes Amerika-Bild des „Outback“, das man so noch nicht gesehen hat.

„Re-garder“ aus dem Französischen bedeutet im Deutschen so viel wie nochmals (neu) betrachten, vom Wort „garder“ (bewahren) und „regarder“ (im Blick fassen), wie Wim Wenders in einem den Fotografien vorangestellten Interview seine Fotografie-Philosophie erklärt. Sein Vorbild war dabei ein gewisser Walker Evans, der während der Depression in den USA einige Momentaufnahmen dieser schrecklichen Zeit machte, dokumentarisch quasi, festgehalten, was so hoffentlich nie mehr geschehen sollte. Auch Wenders schätzt den Beruf des „Konservators“ (in obigem Sinne) sehr, denn auch er will mit seinen Bildern „bewahren“, bewahren, was wohl sonst dem Untergang preisgegeben werden würde.

Seine Bilder in vorliegendem Band zeigen etwa einen Office Supply Shop im „Center of Paris“, auf der Lamar Avenue in Paris/Texas. Im Schaufenster befinden sich Spielzeug-Pferde und das Schaufenster selbst bildet auch den Rahmen des Bildausschnittes unter den Wenders den Titel „In the Center of Paris“ geschrieben hat. Wie es der Zufall will, könnte die Straße nach der österreichischen Filmschauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr benannt sein, aber Wenders genügt einfach die Bezeichnung „Paris“ um gewisse Assoziationen eines Europäers auszulösen, die das auf dem Bild gezeigte ad absurdum führt. Denn die statischen Momentaufnahmen zeigen ein Amerika, verlassen von Menschen, in strahlende Farben und grelles Sonnenlicht getaucht, mit viel Schatten und eindeutigen Botschaften. Wenders zeigt das Amerika der Hinterhöfe, ein Amerika, das im Verfallen begriffen ist und seinen Zenit bereits längst überschritten hat. Aber auch ein Amerika, das mit „Immobile Home“ (eigentlich: mobile home) mehr Innovation und Flexibilität zeigt, als ein altes, dekadentes Europa. Viele Geschäfte und Fassaden die Wenders zeigt scheinen oder sind verlassen, aufgegeben, einzig in der Ferne der Prärie grasen ein paar Rinder. Ein eindrucksvolles Buch über ein ganz anderes Amerika.

Wim Wenders
Written in the West
Revisited.
Schirmer/Mosel

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-07-14)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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