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Wim Wenders - Paris, Texas
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Wenders, Wim:
Paris, Texas

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(Bücher frei Haus)

„Das Kind gehört zu seiner Mutter.“ Die betörende Ry Cooder Gitarre erklingt und die Kamera schwenkt über den Gran Canyon, ein Einstieg in einen Film, der einem lange in Erinnerung bleiben wird, denn die Farben sind so intensiv und einprägend, da stört der kurze gelbe Strich am linken Rand des Bildes, der von der schlechten Kopie herrührt fast gar nicht mehr. An genau dieser Stelle wandert schließlich der verstörte Travis (Harry Dean Stanton) in das Bild hinein und taucht in die Gran Canyon Wüste, als ob es ein Schwimmparadies wäre, aber das Wasser wird ihm bald fehlen. In einer Kneipe am anderen Rande der Wüste bricht er schließlich nach dem übermäßigen Genuss von Eiswürfeln zusammen und Dr. Ulmer (Bernard Wicki) rettet ihm das Leben. Aber er spricht nicht. Travis hat das Sprechen verlernt, da er unter Schock steht und bis zur Hälfte des Films wird man auf die Folter gespannt, was wohl die Ursache dafür sein könnte.
Dr. Ulmer findet schließlich eine Visitenkarte von Walt (Dean Stockwell), dem Bruder von Travis, in der Geldtasche des Stummen und natürlich will er ihn so schnell wie möglich loswerden, denn einer der nicht spricht, wozu kann man den schon gebrauchen, vor allem am Rand der Wüste, wo Unterhaltung wirklich rar ist? Walt fährt extra von L.A. her, um seinen verloren und tot geglaubten Bruder wieder nach Hause zu holen, doch Travis ist schon wieder verschwunden. Walt und seine Frau Anne (Aurore Clément) hatten den Sohn von Travis und Jane (Nastassja Kinski), Hunter, nach dem Verschwinden der beiden adoptiert und stehen jetzt vor einer großen Herausforderung: das Kind gehört zu seiner Mutter. Travis macht sich, nachdem er seine Erinnerung und seine Sprache wiedergefunden hat, auf die Suche nach seiner Jane und findet sie in einer Peepshow. Nachdem er die beiden wiedervereint hat, ist seine Mission erfüllt und er zieht weiter.
„Paris, Texas“ ist die Geschichte einer Familienzusammenführung und stellt natürlich auch die Frage, was Familie wirklich ist. Gehört ein Kind wirklich zu seiner biologischen Mutter oder sind nicht vielmehr die Adoptiveltern, in diesem Fall Onkel und Tante, viel eher zu den Eltern geworden, die Hunter, der siebenjährige Junge, braucht? In der Umarmung der beiden am Ende des Films, kommt diese biologistische Komponente stark zum Ausdruck, denn Hunter erkennt seine Mutter sofort, geht auf sie zu und küsst ihren Bauch, den Ort seines Ursprungs. Auch Travis, sein biologischer Vater, ist auf der Suche nach seinem Ursprung, denn er kauft ein Stück Land mitten in der Wüste, nur weil er glaubt, dass seine Eltern ihn dort gezeugt hätten. Der Ort von dem er herkommt soll geographisch festgelegt werden. In diesem Sinne ist „Paris, Texas“ auch eine Art Gottsuche. Hunter erzählt seinem Vater während der langen Autofahrten immer wieder Geschichten vom Urknall und der Entstehung des Planeten Erde. Die zentrale Frage von Paris, Texas scheint also die Frage nach unserem Ursprung zu sein. Die Antwort liegt in der Familie, die wohl jeder für sich selbst suchen muss. Ein kleiner Gastauftritt von John Lurie als Rauswerfer in der Peepshow ist übrigens auch sehr sehenswert!

Wim Wenders (Regie)
Paris, Texas
Mit Nastassja Kinski, Harry Dean Stanton, Dean Stockwell
1984/2011
139 Minuten
www.zweitausendeins.de

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-02-18)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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