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Rezensionen


 
David Will - Marilyn Monroe Metamorphosen
Buchinformation
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Will, David:
Marilyn Monroe
Metamorphosen

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(Bücher frei Haus)

„Vielleicht ist es sogar eine Erleichterung, erledigt zu sein. Man muss nochmal von vorn anfangen. Aber ich glaube, man ist immer so gut, wie das, was in einem steckt.“ Als ihr Mann, Arthur Miller, wegen „unamerikanischer Aktivitäten“ vor dem Komitee von McCarthy stand, wurde Marilyn Monroe von ihrem Studioboss unter Druck gesetzt, ihr Mann solle Namen nennen, oder auch sie sei erledigt. Stattdessen sagte sie: „Ich bin stolz auf die Haltung meines Mannes und ich stehe fest hinter ihm.“ Selbst die Richter prophezeiten ihr daraufhin ein baldiges Ende, sie sei „erledigt“ und bald ein „Niemand“. Doch die Geschichte wurde dann doch anders geschrieben und Marilyn kennt heute, fast 50 Jahre noch jeder, vielleicht auch wegen ihrer aufrichtigen Haltung in dieser Episode und nicht nur wegen ihrer Schönheit und ihren Filmen. Aber natürlich auch aufgrund ihres tragischen Endes, das sich 2012 zum 50. Mal jähren wird.

Sexsymbol mit Zymbeln

„Wenn ich morgens in der 57sten Straße aus dem Haus trete, rufen die Müllmänner im Vorbeifahren `Hallo Marilyn! Wie geht`s, wie steht`s?´ Ich empfinde das als Ehre und hab sie dafür gern.“, erzählte sie in ihrem letzten Interview, zwei Tage vor ihrem Tod, dem LIFE-Journalisten Richard Meryman. „Nervosität ist Sensibilität“, soll ihr Lee Strasberg einmal anvertraut haben, wohl um sie zu trösten und sie bekennt gleich darauf freimütig: „Ich bin einer der unsichersten Menschen auf der Welt.“ Marilyn zitiert Goethe („Talent bildet sich in der Stille.“) und zeigt sich auch sonst sehr nachdenklich, wenn sie über den Ruhm spricht, der nichts als Neid erzeugt habe. „Ich hab`s nie ganz kapiert, das mit dem Sexsymbol. Ich dachte immer `Zymbeln´ seien die Dinger, die man aneinanderschlägt.“, sagt sie kokettierend zu dem Journalisten und selbst der wusste wohl nicht, ob sie es ernst meinte damit oder einfach nur mit ihrem Blondinen-Image flirten wollte. Gleich darauf ist sie aber wieder ganz nachdenklich: „Manchmal denke ich, es wäre einfacher, sich vor dem Alter zu drücken und jung zu sterben, aber dann hätte man ja nicht ganz gelebt, oder? Man würde sich nicht bis ins Letzte kennen.“

Schönheit ohne Symmetrie

Gemeinhin ist man sich darüber einig, dass Schönheit etwas mit Symmetrie zu tun habe. Eine markante Knochenstruktur, große, weit auseinanderstehende Augen und eine eher kleine, kaum vorspringende Nase, die keine störenden Schatten auf das Gesicht wirft…all das gilt bei Künstlern, Fotografen, Gelehrten und Wissenschaftlern als klassisches Schönheitsideal, doch Marilyn Monroe hatte so gar nichts von diesen Charakteristika gehabt, meint im Vorwort der Herausgeber David Wills. „Sie verfügte weder über edle Wangenknochen,“ schreibt er, „noch über sonderlich auffallende Züge, und ihr Gesicht war alles andere als symmetrisch.“ Doch insgesamt habe sie vor der Kamera schlicht faszinierend gewirkt, so resümiert bereitwillig Wills voller Hochachtung für das Objekt seiner Begierde und seines Buches. Kurz: „Sie verführt.“

Aphrodisiakum in Zelluloid

David Wills teilt die Phasen des „Aphrodisiakum in Zelluloid“ in fünf Perioden ein. Die erste nennt er „Norma Jeane“, das unschuldige Fotomodell, das mit sechzehn schon heiratete und mit engelhaftem Kindergesicht als Pin-up von den Covern von Herrenmagazinen grüßte. Eine Lolita eben, die die Sauberfrau-Ära der Nachkriegszeit konterkarierte und manche zweideutige Gedanken nicht gänzlich ausschloss. Ab 1947 verkörperte sie dann eine Kombination aus Rita Hayworth und Betty Grable – so Wills. Erst 1952 wurde sie zu dem, als was man sie heute hauptsächlich wahrnimmt: sie trug Modekreationen des Topdesigners William Travilla, stieg im Blitzlichtgewitter aus Limousinen und sang „Diamonds Are a Girl`s Best Friend“. Zuvor hatte sich noch mit Jane Russell in „Blondinen bevorzugt gespielt“ und gerade mal 500 Dollar die Woche gekriegt, während die Brünette, Jane Russell, immerhin 20.000 verdient hatte. Marilyn Monroe musst sich wohl gedacht haben: „Wer ist hier die Blondine?“, aber in oben bereits angesprochenem Interview betonte sie, dass Jane Russell sie stets „reizend“ behandelt habe. Die vorletzte Phase zwischen 1955-1961 zeigt die durch das Actor`s Studio gezähmte Schauspielerin: gedämpfter und seriöser. Für sie sei es eine Zeit der intellektuellen und schauspielerischen Bereicherung gewesen, doch für andere war ihr fragiles Talent zunehmend verwirrt und vernichtet und das Spontane und Instinktive hätte man ihr doch besser belassen sollen. Die letzte Phase leitet „Something`s Got to Give“ ein, wie Wills schreibt, „eine Göttin von so zarter Schönheit, die sich jeden Augenblick zu verflüchtigen drohte“. Und genau das geschah dann auch.

Forever young

Am 5. August 2012 wird Marilyn Monroe schon ein halbes Jahrhundert lang tot sein, aber dennoch ranken sich auch heute noch Mythen um die Ikone der amerikanische Frau, die von der Monroe wie von keiner anderen verkörpert wird. Der amerikanische Sammler David Wills hat auf 320 Seiten Bilder von den berühmtesten Fotografen zusammengetragen, die Marilyn jemals fotografiert haben. Zudem enthält diese Publikation das letzte Interview der MM, das sie nur zwei Tage vor ihrem Tod der amerikanischen Illustrierten Life gegeben hatte und seither nie mehr veröffentlicht wurde. 233 Aufnahmen des Superstars, davon zahlreiche aus den 1940er Jahren, von denen viele bis heute noch völlig unbekannt sind, erwarten den Leser in einer wahren und gebundenen Prachtausgabe des Schirmer Mosel Verlages. Neben ihren eigenen Worten enthält das Buch zudem zahlreiche Zitate von Freunden, Wegbegleitern, Photographen, Regisseuren, berühmten Schauspielerkollegen und anderen Zeitgenossen, die versuchen, das Phänomen „Marilyn“ zu beschreiben. Das erfolgreiche Schirmer/Mosel-Buch „SILVER Marilyn“, das seit der Erstveröffentlichung in den 1980er zum Klassiker avanciert ist, ist aus aktuellem Anlass soeben vom Verlag in einer neuen Auflage herausgegeben worden.

MARILYN MONROE
METAMORPHOSEN /
VERWANDLUNGEN
David Wills u. Stephen Schmidt
Mit Marilyn Monroes letztem
Interview, geführt von
Richard Meryman für Life
vom 3. August 1962 und
Texten von David Wills u.a.
320 Seiten, 233 Photogr.
in Farbe und Schwarzweiß
ISBN 978-3-8296-0551-9

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-09-11)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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