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Rezensionen


 
Don Winslow - Kings of Cool
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Winslow, Don:
Kings of Cool

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(Bücher frei Haus)

Während in den heimischen Kinos die Verfilmung des auf Deutsch unter dem Titel „Zeit des Zorns“ erschienen „Savages“ läuft, erscheint bei Suhrkamp nova quasi zeitgleich auch das Prequel zum Film, nämlich „Kings of Cool“, dessen Titel wiederum originellerweise im amerikanischen Original belassen wurde. Der Roman „Kings of Cool“ erzählt die Geschichte von Ben, Chon und Ophelia und wie alles anfing, mit dem Drogenhandel in Kalifornien, aber es liest sich fast schon wie das Drehbuch zu einem weiteren Film, denn die Dialoge werden vom erzählerischen Text durch eine andere Schrift und neue Kapitelnummern abgesetzt. Aber auch der Fließtext, ist in einer eindeutigen, kurzen Sprache verfasst, die mit schwierigen Formulierungen kaum zu hadern hat. Don Winslow schreibt so, wie seine Protagonisten wohl sprechen würden und schon der erste Satz, zeigt ihre grundsätzliche Einstellung zum Leben. Doch den werde ich hier nicht zitieren, aber es lohnt sich, ihn nachzulesen und als das statement zu verstehen, als das auch der Autor das Leben in den heutigen USA verstanden haben will.

FDZT
Aber es ist ja nur O, die das denkt, O, das California Girl, das ihren Namen Ophelia so gerne abkürzt, wie Winslow Abkürzungen in seinem Roman verwendet, denn Abkürzungen, Idiome zu kennen, schafft Verbundenheit, da wo vorher keine war entsteht so etwas wie eine geheime Übereinkunft, ein insider wissen, etwas das die anderen, die draußen stehen, die Exkludierten nicht verstehen können. Sie gehören eben nicht dazu. Ben, Chon und O aber scho. Und wie. Beziehungen zueinander reduzieren sich in der Sprache dieser Jugendlichen etwa auf FZDT, das ist wohl so etwa das, was man früher noch one night stand nannte: Ficken, Zimmerservice, Dusche, tschüss, FZDT. Aber zwischen Chon, Ben und O ist das anders, sie sind Freunde. Oder sollte man besser sagen Geschäftspartner?

Café Heidelberg
Chon übernimmt das Grobe, Ben ist wohl mehr der Logistiker, allerdings macht auch er Fehler. So geht er etwa jeden Tag in dasselbe Café zum Frühstücken und genau dort ist es auch, wo die Probleme für die Gruppe anfangen, im Café Heidelberg. Chon hat das schon im Irak beobachtet, dass die al-Quaida Aktivisten genau aus denselben Gründen hochgehen wie Ben: „weil sie es sich zur schlechten Angewohnheit gemacht hatten, Gewohnheiten zu haben“. Ein Polizist spricht Ben also im Cafè Heidelberg an. Sie wollen an den illegalen Geschäften mitschneiden und so beginnt sich die Gewaltspirale zu drehen, die auch Ben nicht aufhalten kann, weil ein Rechtssystem nicht dazu da ist Recht zu sprechen, sondern vor allem eben „ein System“ ist. Und ein solches System hat Interesse an seiner Selbsterhaltung. Dafür sorgen die Mühlen der Justiz. Es gibt immer genug Nachschub. Und keine Resozialisation. Und so benutzt Ben die Bundesbehörden um die lokalen Behörden dranzukriegen. Denn schließlich wollen auch die ihren „share“, ihre Quote.

Geschäft und Gegengeschäft
„Über 70 Prozent der Sträflinge sitzen aufgrund von Vergehen im Zusammenhang mit Drogen, und jeder von ihnen kostet im Schnitt 50.000 Dollar pro Jahr, wobei ihre Familien größtenteils von Sozialhilfe leben. Gefängnisbau ist derzeit so ziemlich die einzige Wachstumsbranche in Amerika“, lässt Winslow seinen Protagonisten Ben denken, der ohnehin gerne Kritik am War on Drugs und den Republikanern, vor allen den beiden Bushs übt. Seine Diskussionen mit Chon drehen sich dann aber doch mehr um Gewalt, denn um Politik, obwohl: so viel Unterschied ist da gar nicht mehr. Ben glaubt, die Spirale der Gewalt werde nur größer, wenn man auf Gewalt mit Gewalt antworte. Chon glaubt, dass die Gewalt nur noch mehr wird, wenn man ihr nicht mit noch mehr Gewalt antwortet. In jedem Fall ist immer alles ein Gegengeschäft: tit for tat.

Abgesang auf eine Generation
Was Don Winslow in seinem Roman beschreibt ist nichts weniger als „der Weg von Woodstock nach Altamont“: die Revolution ist vorbei. „Jimi tot, Janis tot, jetzt heißt es Sympathy for the Devil.“ Das Hippieding sei vorbei – Frieden, Liebe... „schieb’s Dir in den A…“, so Doc Halliday, der vom Taco Doc bald zum egoistischen rücksichtslosen Drogenboss aufgestiegen ist und alle Ideale verrät, die für ihn einst so wichtig waren. „Wir wurden müde, wir wurden alt, wir hörten auf zu träumen, wir lernten uns zu verachten, unseren jugendlichen Idealismus abzulehnen, wir haben uns billig verkauft, wir sind nicht die die wir sein wollten.“, so erklärt es Stan, der damals auch dabei war, in den Sechzigern, als alles anfing. Don Winslow verknüpft in seinem Roman die beiden Zeitebenen 2005, die Zeit der Sünden der Jungen, mit der Zeit der Jugendsünden ihrer Eltern, den Sechzigern. Aber es ist nicht so, dass sich dasselbe wiederholt, es gibt Wege auszubrechen, es gibt Wege, die Familie, in die man geboren wurde, durch die Familie zu ersetzen, die man sich ausgesucht hat. Das glauben jedenfalls Chon, Ben und Ophelia und so beginnt ihre Geschichte…

Don Winslow
Kings of Cool
suhrkamp nova
Gebunden, 351 Seiten
ISBN: 978-3-518-46400-7

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2012-11-12)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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