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Marcin Wrona - Demon – Dibbuk
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Wrona, Marcin:
Demon – Dibbuk

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(Bücher frei Haus)

„Das ist mein polnisches Eldorado“, sagt der Alte auf der Kiesgrube und der junge Python, der sich durch seine Lederjacke eindeutig einer bestimmten Spezies der westlichen Jugendkultur zugehörig erweist antwortet: „Du kannst polnisch mit mir reden!“. Python, der aus London kommt und nunmehr liebevoll Piotr genannt wird, soll die Tochter des Alten heiraten, die schöne Zaneta. Ihr Bruder hatte sie mit Piotr bekannt gemacht und so führte das eine zum anderen. Nun möchte sie ein Haus in der polnischen Provinz umbauen, aber vorher wird noch groß geheiratet.

Hochzeit am Lande
Beim Graben mit einem Bagger entdeckt Piotr allerdings ein Skelett, was er natürlich vor Zanet(k)a (Dimunitiv) und seiner neuen Verwandtschaft verheimlichen möchte. Die Hochzeit wird im Heustadel des hauses gefeiert, aber Piotr bekommt plötzlich Nasenbluten, was zunächst seinem Alkoholkonsum zugerechnet wird und verharmlost wird. Aber dann beginnt Piotr beim Tanzen zu zittern, schüttelt sich und er beginnt bedrohlich zu torkeln. Der Brautvater verscuht immer wieder die Gäste zu beschwichtigen und kalmieren, so sagt er zunächst, Piotr hätte sich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen, aber als die Gäste empört reagieren und von den Tsichen aufstehen, beschwichtigt er, dass dies im Ausland geschehen sei und die Hochzeitsgesellschaft beruhigt weiteressen könne. Der Dr. des Dorfes trinkt heimlich aus dem Flachmann und nie vor den anderen und als Piotr seine Ansprache hält, nennt er Zanetka Hannah, aber natürlich meinte er damit nur den Bagger, seine eigentliche heimliche Liebe. „Hannah und ihre Schwestern“, das dürfte eine von vielen Anspielungen sein, die dieser Film macht und denen man hier nachgehen müsste, aber vielmehr interessiert natürlich, was sich eigentlich unter dem Haus, in der Erde, befindet und wer Besitz von Piotr übernommen hat.

Ein Land auf Leichen
„In Polen muss man den Alkohol beim Tanzen rausschwitzen“, sagt Zanetka zu Piotrek (Diminutiv von Piotr). Sein epileptischer Anfall veranlasst den Brautvater, seinen Sohn zu ermahnen: „Du hast meiner Tochter einen gestörten Mann angedreht!“. Später wird sich auch der Bruder Zanetkas von Piotr distanzieren und ihn verleugnen. „Geht weg aus meinem Haus“, sagt die Jüdin, die von Python-Piotr Besitz ergriffen hat, denn es stellt sich heraus, dass sie einst von dort vertrieben oder vielleicht sogar umgebracht und verscharrt wurde. Da Polen für seine Kollaboration mit Hitler und seinen Antisemitismus in der Welt bekannt ist, wiegt diese Anklage schwerer, als man sie von einem gewöhnlichen Horrorfilm erwarten würde. Denn tatsächlich ist „Demon – Dibbuk“ viel mehr als das. „Geht aus mijn Hausss!“. Shimon erinnert sich an Hannah und ihre Schwestern, er ist so alt, dass er sich noch an alles erinnert, was damals geschah. Dann ergreift Zaneta die Initiative und beginnt im Garten zu graben. „Willst du etwa die ganzen Leichen ausgraben? Unser ganzes schönes Land steht auf Leichen!“, ruft ihr Bruder, aber sie will die Überreste einfach nur ordentlich bestatten. Der Priester fährt mit der Rettung ins Pfarrhaus. „Das war meine ganze Welt. Und nichts davon blieb, nur das, was ich in Erinnerung blieb“, trauert Shimon.

Im Epilog werden alle Spuren verwischt. Piotr ist verschwunden, seine Auto wird versenkt und es gab keine Braut und keinen Bräutigam. Eine alte Fotografie zeigt, was alles verloren wurde, damals. Ein „Horror“-Film mit sehr politischem Hintergrund, intelligent und einfühlsam. So kann Vergangenheitsbewältigung auch aussehen.

Marcin Wrona
Demon – Dibbuk
www.donaufilm.de
Im Vertrieb von Alive
90 Minuten, Trailer, Deutsch/Polnisch

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2016-12-09)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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