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Rezensionen


 
Alex Zakrzewski - The Bridge
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Zakrzewski, Alex:
The Bridge

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(Bücher frei Haus)

Eine Brücke verbindet die beiden „Americas“, Mexiko und die USA, und tatsächlich ist der Name der Brücke zwischen Ciudad de Juarez und El Paso auch „bridge of the Americas“, also ein Plural, das andeutet, dass es ein reiches und ein armes Amerika gibt, beiderseits der Brücke, die aber nicht nur durch die Brücke an der Oberfläche, sondern auch durch einen unterirdischen Tunnel verbunden sind. Die Freudschianische Auslegung dieser gedanklichen Konstruktion für eine US-amerikanische Fernsehserie, die eben in beiden Welten spielt, sei hier jedem Leser selbst überlassen, aber es lohnt sich allemal, sich auf diese neue Serie einzulassen, da sie nicht nur durch die Beschreibung der Charaktere ihrer Protagonisten glänzt, sondern auch durch überraschende Handlungsstränge und einige witzige Einfälle, die den Plot immer wieder vorantreiben. Lose angesiedelt an die tatsächlichen Frauenmorde in Juarez, die die Weltöffentlichkeit vor ein paar Jahren erschütterte, stellt die Serie „Bridge“ in ihrer ersten Staffel vorerst einen Serienmörder und das organisierte Verbrechen in den Mittelpunkt. Erst gegen Ende der ersten Staffel geht es wirklich um die Frauenmorde in Juarez und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Detective Marco Ruiz (Demián Bichir), einem Kommissar der Mordabteilung des mexikanischen Bundesstaates Chihuahua und Detective Sonya Cross (Diane Kruger), El Paso Police Department, die unter dem Asperger Syndrom leidet widmet sich ganz der Zerschlagung des organisierten Verbrechens, auf beiden Seiten der Brücke.

Friendly & Frosty
Vorerst haben es die beiden aber mit einem Handymörder, der IDs sammelt, zu tun und wie in Juarez, ermordet auch er vornehmlich junge Prostituierte, die er sich auf der mexikanischen Seite der Grenze holt. Was einen Serienmörder von einem Gangsterboss unterscheidet wird in einem Dialog zwischen Fausto Galvan und seinem Leibwächter deutlich: „Ein Serienmörder? Das ist einer dem das Spaß macht. Sie aber sind Geschäftsmann, Boss“. Der tierliebende Serienmörder hilft in der Wüste Schlangen über die Straße und hat zuhause ein Aquarium. Besonders brutal ist eine Szene, in der er in Unterhosen beim Bügeln einen Ehemann einer vermissten Frau erschlägt. Aber auch dieser ist niccht ganz koscher, träft er doch ein Stück Menschenhaut mit sich herum. Der Mörder, der auch einen normalen daytoday Job hat nimmt sich einmal Urlaub, aber seine Chefin sagt nur: „Sort your thoughts by mobbing the floor“. Doch das wird ihn nicht davon abhalten, seine Auserwählte zu suchen. Denn auch er hat Gefühle und will heiraten, aber seine Verlobte ist verschwunden. Doch dann schlägt die Handlung einen Haken und es ist wird ein anderer Mann als der vermeintliche Serialkiller verhaftet: „Slaves don`t dream of freedom, but of becoming masters“, sagt er bei seinem Verhör richtig.

No questions, no lies. Plata o plomo!
Eine andere witzige Figur ist der Journalist Daniel Frye, der so viel säuft , damit er sich selbst weniger hasst. „No questions, no lies. Plata o plomo“, ist seine Devise, keine Fragen, keine Lügen, Geld oder Blei. Frye (Matthew Lillard) arbeitet bei der El Paso Times als Reporter, aber seine Karrierechancen hat er sich nicht nur durch Alkohol, sondenr auch durch den Missbrauch anderer Substanzen verbaut. Die Schrecken eines Alkoholentzugs durchlebt man mit ihm („I said yes in two seconds flat“) genauso wie Mord auf offener Straße oder den Zynismus eines Versagers. Einzig seine lesbische Kollegin kann ihm sein verpfuschtes Leben retten. Als es schließlich in einer an Lynchs Lost Highway Hütte angelehnten Szene zum ersten Showdown kommt, kann Marco Ruiz eine Bombe in der Hand seiner Ehefrau entschärfen, indem er sie kurzerhand übers Dach wirft. Marco Ruiz, der aussieht wie eine mexikanische Version eines Bruce Springsteens, nur dass er nicht singen kann und Schnauzbart trägt ist eben ein Mann der Tat, er schläft mit dieser und jener Frau ohne sich über die Konsequenzen einen Kopf zu machen und erlebt schließlich ein böses Erwachen, als sich herausstellt, dass der eigentliche Serienmörder ein ehemaliger Freund von ihm ist, der auf furchtbare Art und Weise Rache an ihm nimmt und ihn damit im wahrsten Sinne des Wortes tatsächlich „bricht“. Ganz fein sind auch einige Details der Serie, wie etwa dieses: Als Hank, sein Vorgesetzter Ruiz darin erinnert, bei der Gerichtsverhandlung gegen seinen Widersacher auszusagen, damit er am Morgen eine Sekunde mehr ohne Sorgen ist, ist die nächste Einstellung, wie Ruiz in seinem Bett aufwacht und eine Uhr elfmal tickt.

„Is this a `Kartell thing´, then?“
Erst nach dem Verlust seines Sohnes ist der bisher nicht korrumpierbare Polizist Marco Ruiz dann bereit, sich auf einen Deal mit Fausto Galvan einzulassen. Und genau hier endet die ersten Staffel, deren Fortsetzung schon mit großer Spannung erwartet werden kann. Denn auch wenn der Killer in „Bridge“ zu einer Art Vollstreckungsmaschine einer konservativen Ehemoral wird oder dem Journalisten vorgehalten wird, immer die Wahrheit zu sagen und damit an eine vermeintliche Moral appelliert wird, hat auch diese Serie des recht verschrienen US-TV-Senders FOX seine wirklichen Stärken. Da wäre etwa der Cast mit Lyle Lovett als Monte P. Flagman, Graciela Rivera's Rechtsanwalt, aber auch Ted Levine als Lieutenant Hank Wade, die der Serie das gewissen Etwas verleihen. Wenn Marco Ruiz seinen Sohn in der Leichenhalle besucht, wird gekonnt Nick Cave’s „Push the Sky away“ eingesetzt, und Ruiz verlässt das Krankenhaus in Richtung eines hellen Lichts, das ihn vorerst selbst in einen tiefen Abgrund stoßen wird, bis Sonya ihn durch ihre gemeinsame Arbeit wieder aus seinem Loch herausholen kann. Auch die verwitwete Millionärin Charlotte Millwright (Annabeth Gish), mit ihrem peinlichen Liebhaber Ray entwickelt sich in der ersten Season relativ rasant zu einer tüchtigen Geschäftsfrau, die über Leichen geht. Aber nicht bevor ihre Kontrahentin, Graziela, ihren Liebhaber Ray noch auf eine besonders witzige Weise erniedrigt und er so dumm ist zu glauben, dass jedes Geschäft so besiegelt werde. „Is this a `Kartell thing´, then?“

Meredith Steam/Elwood Reid
The Bridge - America
Twentieth Century Fox
TV-Fernsehserie auf 4 DVD in Englisch mit Untertitel

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2014-08-27)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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