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Slavoj Zizek - Der neue Klassenkampf. Die wahren Gründe für Flucht und Terror
Buchinformation
Zizek, Slavoj - Der neue Klassenkampf. Die wahren Gründe für Flucht und Terror bestellen
Zizek, Slavoj:
Der neue Klassenkampf.
Die wahren Gründe für
Flucht und Terror

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(Bücher frei Haus)

„Diese Mauer heißt Libyen. Ihr Idioten reißt sie nieder, und ihr werdet in der Hölle schmoren für Tausende Migranten aus Afrika und weil ihr al-Quaida unterstützt habt.“, soll der libyische Staatschef Muammar al Gaddafi kurz vor seinem Tod 2011 gesagt haben und Slavoj Zizek zitiert ihn mit Genuss, denn der Zusammenbruch der dortigen Staatsgewalt sei kein lokales Phänomen gewesen, sondern das unmittelbare Ergebnis westlicher Intervention.

Globaler Klassenkampf
Bei der Diagnose einer unheilbaren Krankheit hat die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross fünf Phasen festgestellt, mit denen sich der Kranke auf seine Diagnose einstellt: 1. Nicht-wahrhaben-Wollen, 2. Zorn, 3. Verhandeln, 4. Depression, 5. Akzeptanz. Die fünf Phasen können natürlich auch jegliche Erfahrung eines katastrophalen persönlichen Verlusts angewandt werden, nicht immer in derselben Reihenfolge, manchmal auch nicht alle fünf Phasen. Zizek zitiert aber auch Sloterdijk und paraphrasiert ihn in seinem Sinne so, dass die globale Reichweite des Kapitalismus eine internationale Klassentrennung über den gesamten Globus spanne und folgert daraus, dass eben auch der Klassenkampf wieder nach vorne gebracht werden müsste – und der sei laut Zizek nur mit Hilfe einer globalen Solidarität der Ausgebeuteten und Unterdrückten möglich.

Von der Liebe zum Denken
Der slowenische Philosoph stellt sich deswegen aber noch lange nicht an die Seite derjenigen, die offene Grenzen fordern: „Die Größten Heuchler sind fraglos diejenigen, die offene Grenzen fordern: Insgeheim wissen sie, dass es dazu nie kommen wird, weil dies sofort eine populistische Revolte in Europa zur Folge hätte. Sie inszenieren sich als schöne Seelen, die über der korrumpierten Welt stehen, aber letztlich wissen sie ganz genau, dass sie selber Teil davon sind.“ Oscar Wilde formulierte es schon vor Zizek so: Mitgefühl und Liebe zu Leidenden ist bequemer als Liebe zum Denken. Die Aufstände in den Pariser Vorstädten verlinkt Zizek mit der strukturellen Anpassung und Integration lokaler Landwirtschaften in die globale Ökonomie, die dazu führe, dass Bauern ihr Land aufgeben, in Ghettos abwandern und in Sweatshops arbeiten, um danach konfektionierte (westliche) Lebensmittelprodukte zu importieren, die bei ihnen selbst ausschließlich für den Export angebaut wurden. Ein Beispiel dafür ist Mexiko.

Mit Gandhi in eine ungewisse Zukunft
Aber auch der Flüchtlinge nimmt sich Zizek an: „Die harte Lektion für die Flüchtlinge lautet, dass es kein Norwegen gibt, nicht einmal in Norwegen selbst. Sie werden lernen müssen, ihre Träume zu zensieren: Statt ihnen in der Wirklichkeit nachzujagen, sollten sie sich darauf konzentrieren, die Wirklichkeit zu verändern.“, also ganz nach den Worten Gandhis, die Zizek so zitiert: „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.“

Slavoj Zizek
Der neue Klassenkampf.
Die wahren Gründe für Flucht und Terror.
Ullstein Streitschrift 2016

[*] Diese Rezension schrieb: jürgen Weber (2016-04-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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