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Literaturforum: Gibt es einen Gott ?


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Forum > Philosophie > Gibt es einen Gott ?
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 Autor
 Thema: Gibt es einen Gott ?
Kroni
Mitglied

145 Forenbeiträge
seit dem 21.08.2006

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 21.08.2006 um 16:36 Uhr

Guten Tag allerseits !

Ich nutze dieses Forum mal, um einen philosophischen Gedanken zu präsentieren, den ich schon vor recht langer Zeit hatte, und gelegentlich immer mal wieder in Gesprächen anbringe. Man könnte diesen Gedanken den Strategischen Gottesbeweis nennen.

Sein Ausgangspunkt ist ein medizinisches Verfahren, daß Diffenentialdiagnose genannt wird. Ich habe davon bei Peter Bamm gelesen. Kann ein Arzt aufgrund der ihm zur Diagnose zur Verfügung stehenden Symptome keine eindeutige Diagnose treffen, so bleibt die Möglichkeit der Differentialdiagnose. Er vergleicht die möglichen Therapieen, und die möglichen Folgen sowohl von Therapien als auch der Unterlassung der jeweiligen Therapieen, und kommt so zur Therapie der Wahl. Sofern dies nicht verständlich sein sollte, so hoffe ich, daß es bei der Darlegung meines strategischen Gottesbeweises klar werden wird:

Die Frage nach der Existenz Gottes ist eine klassische sic-et-non-Frage: tertium non datur. Die Antwort muß "ja" oder "nein" lauten. "Ein bischen Gott" gibt es ebensowenig wie "vielleicht Gott". Es gibt nur die Möglichkeit, daß Gott existiert, oder daß er nicht existiert. Differentialdiagnostisch können wir nun untersuchen, welche Folgen es hat, wenn wir die Frage nach der Existenz Gottes nicht richtig beantworten.

Nehmen wir also an, Gott existiert nicht, und wir glauben auch nicht daran. Dann sind wir unproblematisch auf der Siegerseite. Glauben wir jedoch an Gott, obschon es ihn garnicht gibt, dann haben wir nur dann Pech gehabt, wenn wir unsere Existenz ausschießlich auf unseren Glauben an Gott ausgerichet haben. Wenn wir uns hingegen so verhalten haben, daß die Maximen unseres Handelns mit der Existenz Gottes in Einklang zu bringen sind, dann haben wir auch nicht viel verloren bei unserem Irrtum.

Existiert Gott dagegen, dann sind wiederrum diejenigen die Gewinner, die fest an ihn geglaubt haben, und ihr Leben auf seine göttliche Bewertung ausgerichtet haben. Diejenigen indessen, die von seiner Nicht-Existenz ausgegangen sind, und nicht darauf eingerichtet sind, sich vor ihm zu rechtfertigen, die sitzen ganz schön tief in der Tinte.

Deswegen ist es strategisch sowohl richtig, von der Existenz Gottes auszugehen, als auch, sein Leben so auszurichten, daß es auch bei der Falschheit dieser Annahme nicht unsinnig verlaufen ist, also nicht sein Leben auf Gott zu bauen, sondern lediglich damit zu rechnen, jenes vor diesem verantworten zu müssen.

Alles klar ?

Da ich bislang noch keiner älteren Quelle für diesen Gottesbeweis gefunden habe, nehme ich einstweilen das Copyright daran in Anspruch. Auf ähnliche Art und Weise lässt sich übrigens auch die Frage nach dem Leben nach dem Tode beantworten.

Oder ist das völlig irrsinnig ?

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LeilahLilienruh
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 16.01.2006

Das ist LeilahLilienruh

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.08.2006 um 17:39 Uhr

Diese Nachricht wurde von LeilahLilienruh um 17:40:18 am 21.08.2006 editiert

Hallo Kroni,

Dein Exkurs in methodologische, erkenntnistheoretische Bereiche sprengt meines Erachtens den Rahmen der ernsthaften Diskussionsmöglichkeiten in einem Forum wie diesem. Die Thematik ist nicht komprimierbar, ohne in Allgemeinplätze und Phlegmatismus zu verfallen, was Deinem Anliegen nicht gerecht würde.

Dass für mich persönlich die Fragestellung völlig irrelevant ist, da ich ohnehin eher andere philosophische und psychoanalytische Strömungen verfolge, die nicht "Gott" als Angelpunkt haben, spielt bei dieser Einschätzung keine Rolle.

Viele Grüße
Leilah


Gezeitenlos
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Kroni
Mitglied

145 Forenbeiträge
seit dem 21.08.2006

     
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.08.2006 um 18:09 Uhr

Hallo Leilah !

Na schön - wenn Dir Gott nicht gefällt, dann nehmen wir halt mal das Leben nach dem Tode, oder die Reinkarnation oder Seelenwanderung oder so.

Es ist eigentlich ganz einfach:

Entweder es gibt kein Leben nach dem Tod, und mit dem Tod ist alles vorbei - dann isses egal.

Oder es gibt eines, dann ist es besser, man ist darauf eingerichtet. Natürlich ist damit nicht die Frage beantwortet, wie man sich darauf einrichten soll. Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten vom Fährgeld für die Überfahrt über den Styx bis zur eifrigen Nutzung der Gnadenmittel der diversen alleinseeligmachenden Kirchen. Aber generell könnte man sagen, daß es sinnvoll ist, sein Leben so zu führen, daß man in eine evenentuelle 2. Halbzeit mit nicht allzugroßem Rückstand hineingeht. Man kann sich nämlich kaum darauf verlassen, daß man imstande ist, eine Art Wunder vom Betzenberg hinzubekommen.

Für die Nichtfußballfans: Beim "Wunder vom Betzenberg" lag Lautern zur Halbzeit auf eigenem Platz 1:4 gegen Bayern München zurück, und gewann nach einer furiosen 2. Halbzeit das Spiel dann noch mit 7:5.

Gruß

Kroni

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Shiningmind
Mitglied

78 Forenbeiträge
seit dem 07.10.2005

Das ist Shiningmind

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.08.2006 um 18:28 Uhr

Die Frage nach Gott zu stellen, käme der Frage gleich, was zuerst da war. Das Huhn oder das EI? Ich persönlich habe auf meinen Wegen Gott noch nie getroffen oder die Hand geschüttelt aber ist es nicht so, dass wir in unserer tiefsten Verzweiflung und unseren heftigsten Schmerz nicht doch ganz heimlich zu irgend jemanden oder zu irgend etwas flehen? Wenn ja, dann kann dies nur der Reflex der Hoffnung sein, der uns stetig antreibt zu überleben und aufzustehen. Dabei spielt es letztlich keine Rolle zu welcher Kraft wir aufblicken. Manche nennen es Gott, manache Natur, manche bezeichnen es als Leben. Unsere Psychologie gab uns das Fühlen und aus dem Fühlen heraus entstehen Bilder, die jeder anders deutet, anders lebt und an die sich jeder auf andere Art und Weise festhält. Seien es die irdischen oder die überirdischen Dinge in der Auffassung unseres Lebens.


Das Denken an sich kann ein wundervolles Abenteuer sein. Wer aber ZU viel denkt, der sperrt sich selbst in Käfige.
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LeilahLilienruh
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 16.01.2006

Das ist LeilahLilienruh

     
4. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.08.2006 um 18:53 Uhr

Zitat:

...generell könnte man sagen, daß es sinnvoll ist, sein Leben so zu führen, daß man in eine evenentuelle 2. Halbzeit mit nicht allzugroßem Rückstand hineingeht...

Das ist unter ethischen Gesichtspunkten selbstverständlich richtig, aber im Hinblick auf seine Selbstverständlichkeit auch schon wieder eine Binsenweisheit. So gesehen würde sich die anfängliche Gottesthematik dann allerdings auch als allgemeine moralische Grundwerte-Diskussion darstellen, was in diesem Rahmen m. E. erst recht nicht zu leisten ist. (Wie man schon an der Günter Grass - Debatte erkennt.)

Im Übrigen stimme ich Shiningmind wieder einmal voll und ganz zu: Es ist in der Tat gleich, zu welcher imaginären Kraft wir in unserer Verzweiflung und stetigen Suche aufblicken. Bei mir heißt sie "der große Plan", aber Namen sind ja in diesem Zusammenhang doch nur Schall und Rauch.


Gezeitenlos
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Marc
Mitglied

9 Forenbeiträge
seit dem 17.07.2006

     
5. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.08.2006 um 22:08 Uhr

Eine überflüssige Frage. Zu leben tut not.

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LeilahLilienruh
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 16.01.2006

Das ist LeilahLilienruh

     
6. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.08.2006 um 22:53 Uhr

Lieber Marc,

ich merke schon, Dir geht es ganz wie mir: Auch Du glaubst an ein Leben vor dem Tod?! Manchmal denke ich, wir gehören da einer langsam aussterbenden Rasse lebensgieriger, idealistischer, theorieüberdrüssiger Bauchmenschen an.


Gezeitenlos
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Josef_K
Mitglied

1 Forenbeitrag
seit dem 22.08.2006

     
7. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 22.08.2006 um 12:55 Uhr

Diese Nachricht wurde von Josef_K um 12:58:30 am 22.08.2006 editiert

Es ist kein Beweis, sondern eine Empfehlung. Man koennte beinahe sagen "in dubio pro deo". Allerdings steht da Ochams Rasiermesser im Weg.

Uebrigens geht schon der Satz
"Diejenigen indessen, die von seiner Nicht-Existenz ausgegangen sind, und nicht darauf eingerichtet sind, sich vor ihm zu rechtfertigen, die sitzen ganz schoenn tief in der Tinte.", der Kernstueck der Argumentation ist, geht davon aus, das der Gott, an den nicht gelaubt wird, so etwas wie Rache dafuer nehmen koennte.

(Empfehle hierzu: Nietzsche, Also sprach Zarathustra IV, Ausser Dienst)

Da Gott aber ein vollkommenes Wesen sein soll, und wenn man an Gott glaubt, ich nehme an du meinst einen christlichen, dann wuerde er seine Existenzberechtigung allein durch die Unvolkommenheit einer Forderung nach Vergebung und Naechstenliebe unterminieren, die er selbst nur unter der Praemisse seiner Verehrung zugesteht! Schliesslich entspricht es doch nicht dem Gedanken der Vollkommenheit, von den Untergebenen etwas bedingungslos zu verlangen, das man selbst nicht zu leisten bereit ist.

Ich kann hier leider nur ein paar Gedanken anreissen. Das Forum ist wahrlich nicht der geeignetste Ort fuer solcherlei Diskusion.
Aber eins geht aus dem "Beweis" hervor. Das
Streben auf der sicheren Seite zu stehen, wird staerker gewichtet, als die Sicherheit der Wahrheit um deren Willen man sich auf die Suche nach dem Beweis gemacht hat.

Schoenen Gruss
Andrej Xawer Troeglein

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Franklin Bekker
Mitglied

98 Forenbeiträge
seit dem 09.01.2005

Das ist Franklin Bekker

     
8. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 24.08.2006 um 18:45 Uhr

na bitte. ist doch kein ding die frage so zu stellen: wozu führt es eigentlich wenn wir unter den verschiedenen annahmen bzw. mit den verschiedenen seiten der differenz arbeiten?

nur: wenn ich an gott glaube interessiert mich diese diskussion herzlich wenig. wenn ich glaube es gibt keinen gott habe ich einen ebenso festen glauben und es ist mir auch egal. also: was heißt es eigentlich wenn ich überhaupt die frage nach gott stelle?

wohl am ehesten dass gott keine relevanz spielen kann für meinen glauben, wenn man glauben mal als stark versteht und nicht als vermutung oder dergleichen...
am wichigsten wird für einen ungläubige sein, wie er mit gläubigen verschiedener richtung redet ohne sich feinde zu machen.

tipp Kierkegaard lesen. da kann man ein bisschen was erfahren über das hineintäuschen in die spekulation den weg vom dichten zuim philosophieren zum christentum.

was im eingangspost vorgenommen wurde ist eigentlich ein perspektvwechsel aus den tiefen der ontologie auf kommunikatin. man kann sagen, dass nietzsche diesen schritt vollzog.... aber auch andere bis hin zu luhmann. hier: de religion dergeselschaft lesen.


Komm schon, gieß mich in Bronze!
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Thomas_Goergen
Mitglied

Forenbeitrag
seit dem 09.01.2005

     
9. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 08.11.2006 um 18:05 Uhr

Zitat:

Da ich bislang noch keiner älteren Quelle für diesen Gottesbeweis gefunden habe, nehme ich einstweilen das Copyright daran in Anspruch.

Unser Mandant, Blaise Pascal, erhebt den Einwand, dass dieser Beweis in den Gedanken, Nr. 233, von ihm erstmals formuliert wurde, welcherselbiger nachmalig als "Pascalsche Wette" in die Geschichte von irgendetwas eingegangen ist.

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